Die Orientierungs-App für den Campus

Das ist die Idee: Nichts gegen die gute, alte Orientierungseinheit (OE) zum Semesterbeginn mit ihren Campusrundgängen und Bibliotheksführungen. Trotzdem irren Erstsemester und Gaststudenten lange hilflos durch die Uni. Auch an der TU Trondheim in Norwegen, deren größter Campus 60 Gebäude und 13.000 Räume beherbergt. Dort gibt es neben der OE den CampusGuide, eine Orientierungs-App fürs Smartphone.

So funktioniert’s: Wo ist das Prüfungsbüro für Physik? Wo die nächste Toilette oder Bushaltestelle? Der CampusGuide weiß das und berechnet den Weg. Er hilft auch dort weiter, wo GPS und Googlemaps versagen: In geschlossenen Räumen. "Wir orten die Geräte unserer Nutzer über das WLAN der Universität", sagt Thomas Jelle, ein Absolvent, der die App entworfen hat, "das klappt auf fünf bis zehn Meter genau." Die App läuft auf Smartphones, Tablets und in Webbrowsern, bezahlen muss man dafür nichts.

Hier hakt’s noch: Bisher gibt es die App nur für den Hauptcampus und das Uniklinikum in Trondheim. "Das wird sich bald ändern", sagt Thomas Jelle. Zum Wintersemester will er einen CampusGuide für die Uni Tromsø veröffentlichen, danach sind Hochschulen in Brasilien, den USA und Neuseeland dran. In Deutschland sei die TU Berlin interessiert. Barrierefreie Wege für Rollstuhlfahrer zeigt die App bisher noch nicht an, das soll sich bis 2014 ändern. Außerdem sei geplant, dass Gebäudemanager sehen, wie voll die Hörsäle sind und wo sich die Nutzer gerade aufhalten. Klingt nach totaler Überwachung? Jelle widerspricht: "Die Daten werden selbstverständlich anonymisiert ausgewertet."

Die Vorlesung mit virtuellen Gastdozenten

Das ist die Idee: Der Kulturwissenschaftler Lars Schmeink wollte seine Einführung in die Science-Fiction-Literatur an der Uni Hamburg nicht allein bestreiten, sondern mit Gastdozenten. "Science-Fiction ist ein weites Feld", sagt er. "Ich kann mich in alle Teilgebiete einlesen, aber es ist cooler, wenn Experten sprechen." Die wenigen ausgewiesenen SciFi-Forscher sind aber über die ganze Welt verstreut. Sie hätte die Reise nach Hamburg Zeit gekostet, für die Uni wäre es sehr teuer geworden. Deshalb holte Schmeink die Gastdozenten virtuell in den Hörsaal: per Video.

So funktioniert’s: Über das Internet, das Programm Adobe Connect (ein besseres Skype) und einen Beamer sprachen Forscher aus den USA, aus Südkorea und dem Iran. "Viele Koryphäen ließen sich auf dieses Experiment ein", sagt Schmeink. Anders als in einem reinen Online-Kurs konnten die Studenten nach dem Vortrag mit den Dozenten diskutieren. "Das war erst ungewohnt", sagt Schmeink, "klappte aber ganz gut." Die Uni förderte die Vorlesung mit 3000 Euro, davon wurden zwei studentische Aushilfen bezahlt.

Hier hakt’s noch: Ein langweiliger Vortrag wird nicht dadurch besser, dass der Redner in eine Webcam spricht. Manchmal wackelte auch die Internetverbindung. "Es gab kleine Tücken", sagt Schmeink. Dennoch habe er Videomitschnitte aller Vorlesungen mit kleinen Nachbearbeitungen im Netz veröffentlicht, unter virtual-sf.com. Weitere virtuelle Vorlesungen habe es an der Uni Hamburg seitdem aber nicht gegeben, sagt die E-Learning- Beauftragte Angela Peetz. Denn mit dem Ende der Studiengebühren endete auch die finanzielle Förderung solcher Projekte.

Die Fragehilfe für schüchterne Informatikstudenten

Das ist die Idee: Es gehört Mut dazu, sich in einer Vorlesung zu melden. Der fehlt vielen, sagt Konrad Froitzheim. "Mir hat es gestunken, dass die Studenten nicht mehr Fragen stellen", sagt der Informatikprofessor von der TU Freiberg. "Oft melden sich nur die, die ohnehin alles verstehen. Da kann ich noch so oft betonen, dass es keine doofen Fragen gibt." Damit sich auch die Zaghaften beteiligen, können ihm seine Zuhörer per Handy Fragen schicken oder signalisieren, dass sie nicht mitkommen – und zwar anonym.

So funktioniert’s: Ein Smartphone hat fast jeder in Freiberg, die myTU-App auch: Auf 5700 Studenten kommen rund 4500 aktive Nutzer, sagt Froitzheim. Anfangs konnte man mit dieser App nicht viel mehr machen als Mensapläne checken und Nachrichten empfangen, etwa zu Raumänderungen. Seit gut einem Jahr gibt es zusätzlich die Fragefunktion. Damit die freigeschaltet wird, muss man die entsprechenden Seminare im Stundenplan der App eingetragen haben und zur richtigen Zeit im richtigen Hörsaal sitzen (das wird über das Hochschul-WLAN geprüft).