Nein: Man kann auch ohne Biosiegel leckeres und gesundes Essen kochen

Ich habe nichts gegen Menschen, die sich rein ökologisch ernähren wollen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn sie das in meiner Mensa tun wollen. Aber ich habe etwas dagegen, dass man mir vorschreibt, wie ich mich ernähren soll. Meine Mensa bietet jeden Tag drei Gerichte an, eins davon ohne Fleisch. Von mir aus dürfte es auch noch was für Veganer, Frutarier und Trennkostler geben – solange das Auch nicht zum Nur wird. Wenn ich Lust auf Fleisch habe, macht mich eine Sojawurst nicht glücklich.

"Meine Freiheit endet da, wo deine Freiheit anfängt", das gilt auch bei der Ernährung. An der Uni möchte ich ausgebildet und nicht erzogen werden. Ich finde es bevormundend, wenn andere zu wissen glauben, was gut für mich ist. "Aber Bioäpfel sind knackiger, und Bioschweine waren glücklicher!" Mag sein. Doch ich kann und will es mir nicht leisten, jeden Tag an der Mensakasse für eine gute Tat zu bezahlen. Biozwangsverkostung ist ungerecht, weil die Mensapreise zum Teil durch Semesterbeiträge finanziert werden. Wer wegen des Ökoaufschlags auf sein Essen verzichten muss, ist doppelt benachteiligt: Er zahlt mit und wird noch nicht einmal satt.

Früher sollte Essen satt machen. Heute muss es außerdem gesund sein und die Welt retten, nach dem Motto: "Zahle ein paar Euro mehr, und tue dir und der Umwelt etwas Gutes!" Dabei ist Bio nicht zwangsläufig besser. Ich esse lieber ein Weiderind vom Bauern nebenan als Fleisch aus einem Großbetrieb mit Biozulassung. Ein Apfel vom Bodensee hat eine bessere CO₂-Bilanz als eine Ökomango aus Peru. Und biologische Pommes sind genauso fettig und ungesund wie normale. Man kann auch ohne Biosiegel leckeres und gesundes Essen kochen. Wer den Mensaspeiseplan umkrempeln möchte, soll sich für regionale und saisonale Zutaten einsetzen. Von mir aus alternativlos, diese Bevormundung lasse ich mir gefallen.

Ja: Es ist überlebenswichtig für die Umwelt

Ich finde geriffelte Tiefkühlmöhrchen und in Lake eingeschweißte Kartoffeln mit Zusatzstoffen eklig. Viele Studenten und Lehrende an meiner Hochschule haben längst aufgegeben, den Mensafraß zu essen, weil sie keine Lust auf Bauchschmerzen und Übelkeit haben. Deshalb bin ich dafür, dass in der Mensa nur Bio- und Fairtrade-Essen angeboten wird. Für uns ist das gesund, und für die Umwelt ist es überlebenswichtig.

Bioessen ist nicht viel teurer. Natürlich kosten Biosüßkartoffeln oder Bioziegencamembert viel Geld, aber das tun diese Lebensmittel auch dann, wenn sie nicht "bio" sind. Die Grundnahrungsmittel sind in den Größenordnungen einer Mensa kaum teurer. Selbst wenn Fairtrade-Schokolade 20 Cent mehr kostet, wurden zumindest keine Kinder dafür ausgebeutet. Und wieso sollten wir in der Mensa Birnen aus Neuseeland oder Argentinien anbieten, wenn wir die auch aus dem Umland haben können? Die gibt’s auch nicht nur im September, denn sie können über viele Monate gelagert werden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Mir ist klar, dass nicht alle Mensen ab morgen nur noch Bioessen anbieten können. Wir Studierende müssen erst verstehen, wieso das wichtig ist. Dabei helfen zum Beispiel Infotafeln. Wir könnten darüber aufklären, dass Kunstdünger schädlich für die Gesundheit ist und dass für Tierfutter Regenwald gerodet wird.

Vor allem finde ich aber, dass die Leute, die sich bewusst nachhaltig ernähren, in der Mensa nicht für die Fleischgerichte der anderen draufzahlen sollten. Bisher ist das leider so. Das Studentenwerk Potsdam etwa hat kürzlich die Mensapreise angehoben. Unverschämt daran ist, dass sie ausschließlich die Preise für vegetarisches Essen erhöht haben. Dabei sind der Fleischkonsum und die Massentierhaltung mitverantwortlich für Klimawandel, Wasserknappheit und Lebensmittelkrisen.