Mensa : "Soll es in der Mensa nur noch Bioessen geben?"

Bioessen erobert Supermärkte, Imbisse und Kühlschränke. Wäre es sinnvoll, wenn es in den Mensen nichts anderes mehr gäbe?

Nein: Man kann auch ohne Biosiegel leckeres und gesundes Essen kochen

Ich habe nichts gegen Menschen, die sich rein ökologisch ernähren wollen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn sie das in meiner Mensa tun wollen. Aber ich habe etwas dagegen, dass man mir vorschreibt, wie ich mich ernähren soll. Meine Mensa bietet jeden Tag drei Gerichte an, eins davon ohne Fleisch. Von mir aus dürfte es auch noch was für Veganer, Frutarier und Trennkostler geben – solange das Auch nicht zum Nur wird. Wenn ich Lust auf Fleisch habe, macht mich eine Sojawurst nicht glücklich.

Maximilian Mangold

22, studiert Management an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen.

"Meine Freiheit endet da, wo deine Freiheit anfängt", das gilt auch bei der Ernährung. An der Uni möchte ich ausgebildet und nicht erzogen werden. Ich finde es bevormundend, wenn andere zu wissen glauben, was gut für mich ist. "Aber Bioäpfel sind knackiger, und Bioschweine waren glücklicher!" Mag sein. Doch ich kann und will es mir nicht leisten, jeden Tag an der Mensakasse für eine gute Tat zu bezahlen. Biozwangsverkostung ist ungerecht, weil die Mensapreise zum Teil durch Semesterbeiträge finanziert werden. Wer wegen des Ökoaufschlags auf sein Essen verzichten muss, ist doppelt benachteiligt: Er zahlt mit und wird noch nicht einmal satt.

Früher sollte Essen satt machen. Heute muss es außerdem gesund sein und die Welt retten, nach dem Motto: "Zahle ein paar Euro mehr, und tue dir und der Umwelt etwas Gutes!" Dabei ist Bio nicht zwangsläufig besser. Ich esse lieber ein Weiderind vom Bauern nebenan als Fleisch aus einem Großbetrieb mit Biozulassung. Ein Apfel vom Bodensee hat eine bessere CO₂-Bilanz als eine Ökomango aus Peru. Und biologische Pommes sind genauso fettig und ungesund wie normale. Man kann auch ohne Biosiegel leckeres und gesundes Essen kochen. Wer den Mensaspeiseplan umkrempeln möchte, soll sich für regionale und saisonale Zutaten einsetzen. Von mir aus alternativlos, diese Bevormundung lasse ich mir gefallen.

Ja: Es ist überlebenswichtig für die Umwelt

Ich finde geriffelte Tiefkühlmöhrchen und in Lake eingeschweißte Kartoffeln mit Zusatzstoffen eklig. Viele Studenten und Lehrende an meiner Hochschule haben längst aufgegeben, den Mensafraß zu essen, weil sie keine Lust auf Bauchschmerzen und Übelkeit haben. Deshalb bin ich dafür, dass in der Mensa nur Bio- und Fairtrade-Essen angeboten wird. Für uns ist das gesund, und für die Umwelt ist es überlebenswichtig.

Ansgar Rudolf

24, studiert Soziale Arbeit und Migration an der FH Potsdam.

Bioessen ist nicht viel teurer. Natürlich kosten Biosüßkartoffeln oder Bioziegencamembert viel Geld, aber das tun diese Lebensmittel auch dann, wenn sie nicht "bio" sind. Die Grundnahrungsmittel sind in den Größenordnungen einer Mensa kaum teurer. Selbst wenn Fairtrade-Schokolade 20 Cent mehr kostet, wurden zumindest keine Kinder dafür ausgebeutet. Und wieso sollten wir in der Mensa Birnen aus Neuseeland oder Argentinien anbieten, wenn wir die auch aus dem Umland haben können? Die gibt’s auch nicht nur im September, denn sie können über viele Monate gelagert werden.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Mir ist klar, dass nicht alle Mensen ab morgen nur noch Bioessen anbieten können. Wir Studierende müssen erst verstehen, wieso das wichtig ist. Dabei helfen zum Beispiel Infotafeln. Wir könnten darüber aufklären, dass Kunstdünger schädlich für die Gesundheit ist und dass für Tierfutter Regenwald gerodet wird.

Vor allem finde ich aber, dass die Leute, die sich bewusst nachhaltig ernähren, in der Mensa nicht für die Fleischgerichte der anderen draufzahlen sollten. Bisher ist das leider so. Das Studentenwerk Potsdam etwa hat kürzlich die Mensapreise angehoben. Unverschämt daran ist, dass sie ausschließlich die Preise für vegetarisches Essen erhöht haben. Dabei sind der Fleischkonsum und die Massentierhaltung mitverantwortlich für Klimawandel, Wasserknappheit und Lebensmittelkrisen.

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Kommentare

116 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Bio ist esotherik! - also zumindest meistens:

Gesundheit:
1) Die Giftanwendungen sind massiv runter im vergleich zu früher
2) Bio verwendet auch Gift - da heißt es nur Pflanzenschutz und die Richtlinien sind alles andere als am Gesundheitseinfluss ausgerichtet - sondern ausschließlich an esoterischen
3) Bio hat mehr Schimmel - Gemeint ist nicht der den man sieht, sondern den unsichbaren, der ist auch nicht gesund

Nachhaltigkeit
4) Bio hat viel geringere Erträge - Wegen einem Nahrungsmittelweltmarkt wirkt sich das mittelbar auf die Welternährung und auf den Urwaldrodungsdruck aus. Genauso wie das essen von ineffizienten Nahrungsmitteln (u.a. Fleisch) oder wie Biosprit
5) Von den geringeren Erträgen geht auch noch mehr in den Ausschuss weil Bio nunmal nicht immer so schön aussieht wie wir uns es vorstellen. Mag sein, das man diesen Effekt reduzieren könnte wenn man eine angemessenere Tolleranz gegenüber nicht so perfekten Essen hätte. Aber Hätte, hätte Fahrradkette. Ist eben nicht so, & das macht insb. Bio ineffizienter.
6) Ob Bio immer Besser für den Boden ist, ist fraglich. Die "Spritzrichtlinien" für Bio gehen nähmlich nach esoterischen Bedingungen-Kupferspritzmittel sind erlaubt, in der konventionellen nimmt man da Chemie,die baut sich schneller ab&ist besser für den Boden.

Unterm Strich bleibt: Ob Bio besser ist, und für den Fall das es besser ist, das es den höheren Preis rechtfertigt: Mehr als Fraglich. Aber jeder soll nach seiner esotherischen Facon Glücklich werde.

Kein Hokuspokus

Wenn Sie sich mit natur ein wenig auskennen würden, könnten Sie beobachten, dass Ökolandbau keineswegs Hokuspokus oder Blümchenstreichlerei ist, sondern einen wertvollen Beitrag zu Landschaftspflege, Arterhaltung und Tierschutz leistet.
Bioäcker kann man oft kilometerweit von konventionellen unterscheiden. Warum? Es blüht, es ist bunt und artenreich, es wachsen dort teils sehr seltene Pflanzen, es gibt Bienen, Insekten! Auf konventionellen Äckern lebt oft nichts mehr, im Sinne des Wortes, außer einer einzigen Kulturpflanze. Für Bienen, die ja auch wirtschaftlich bedeutend sind, ist das eine Wüste. - Auf konventionellen Maisfeldern habe ich übrigens schon knietief stehende Güllepfützen gesehen.
Es gibt auch vernünftiger wirtschaftende konventionelle Bauern, aber tendenziell ist Biolandbau in Sachen Naturschutz um ein Vielfaches besser. Die Spritzmittel sind das Harmloseste, was in dieser Hinsicht zu haben ist. Konventionell sind teils problematische Mittel zugelassen.
Was Schimmel betrifft, muss man wirklich etwas mehr aufpassen, aber das ist gut kontrollierbar und wird auch kontrolliert.
Was Tierhaltung betrifft ist der Unterschied himmelweit. Was in konventioneller Massentierhaltung erlaubt ist, ist teils massive, sichtbare, eindeutige Quälerei, von Mensch und Angestellten, übrigens. Bio-Tierhaltung ist in der Regel akzeptabel, weil artgerecht.
Gerade bei Milch gibt es übrigens - chemisch nachweisbare - Geschmacksunterschiede, wenn die Tiere mit Gras gefüttert werden.

Biotierhaltung verbraucht ja noch mehr Ackerflächen. Ich denke an die Welternährung zuerst. Und da ist Bio nunmal schlechter. Wenn man sich die Erträge von Biobauern auschaut und das was Ihre konventionellen Kollegen machen, dann sagt das alles. Das was man als Mehrfläche braucht, müssen Sie in Ihre kalkulation auch einbringen. Wo sollen die Flächen herkommen? Wo werden die verschwinden? Mir ahnt schlimmes. Man muss es eben zuende denken.

Biokunden reden dann immer davon das man weniger wegschmeißt oder generell weniger isst (effizienter isst). Aber das alles hat mit Bio nichts zu tun, das alles könnte man auch ohne Bio machen

Das geht aber auch so

Weniger Fleisch kann man aber auch so essen. Ich finde die Verknüpfung unsachlich. Und dann am ende zu behaupten dass das weniger Fleisch essen "was zu bio dazugehört" verantwortlich für den geringeren Ressourcenverbrauch ist.

Wer 400km im Monat mit einem Golf fährt und dann auf einen Porsche umsteigt und nur noch 100km fährt, der spart auch Benzin. Würde aber keiner sagen das Porsches deshalb gut zum Benzinsparen sind oder. Auch wenn man mit 100km Porschefahren sicher mehr spaß hat als bei 400km im Golf.

Zum Einen finde ich Ihren Vorschlag gut,

weil dann selbst Demeter Rumpsteaks vom Glanrind presiwerter wären, als durch Hormon- und Antibiotika-Beigaben triefende HeuteNochBilligSteaks, wenn ich dann aber nicht mehr an mein Sonntagsessen komme, weil mir irgendein SchnäppchenHeinz mein Steak vor der Nase wegkauft, dann werde ich so pampig, wie der Fraß in der durchschnittlichen MensaKantine.

Ja ja ...

..."Da würde der Fleischpreis sich von heute auf morgen locker verdreifachen und schon wäre Schluß mit dem exzessiven Fleischkonsum."

Und jeden dritten Bauern würds vom Schlitten hauen ! Was glaubt ihr eigentlich, warum Landwirte überhaupt auf Tierhaltung zurückgreifen ? Sie ist zeitaufwendig und teuer ! Weil mit Gemüse und Getreide nichts zu verdienen ist und das würde mit erhöhten Anbau erst recht der Fall sein !

Denkt bitte mal nach, bevor ihr postet !

So viel wurde nicht nachgedacht.

Z. B. wäre eine Fleischsteuer eine ziellich sinnlose und schwer begründbare Zwangsmaßnahme, die den Druck Fleisch noch billiger zu produzieren, und damit noch mehr zu Lasten der Tiere, deutlich erhöhen würde.

Möchte man den Fleischkonsum über Verteuerung einschränken und gleichzeitg etwas für den Tierschutz tun, hilft nur die Anforderungen an Haltungs-, Mast-, Transport- und Schlachtbedingungen zu erhöhen und diese Anforderungen streng zu kontrollieren.
Wenn unter bestimmten Standards nicht produziert werden kann, erledigt sich die Preisfrage von ganz alleine und man hat etwas für die Tiere getan.

Das Gesundheitsargument würde ich ersteinmal unter "Propaganda" einsortieren, denn ob eine fleischarme/fleischlose Ernährung auf breiter Front zu geringeren Gesundheitskosten führt müsste belegt werden.

Die Lebenserwartung ist in Ländern mit höherem Fleischkonsum als in Deutschland, mit einem nicht allzu hohen Fleischkonsum, ist z.T. durchaus höher als in Deutschland.
Nimmt man das als Kriterium sollten wir allerdings vlt. auf Fisch umstellen, wenn man an Japan denkt.

Ökologische Folgeschäden Viehaltung und Futtermittelindustrie

Sie dürfen sich gerne über die globalen ökologischen Folgeschäden unseres exzessiven Fleischkonsums informieren. Einen Link poste ich Ihnen, der REst bleibt als mündigem Bürger Ihnen selbster überlassen.

http://www.tagesspiegel.d...

Es werden jährlich 13 Millionen Hektar Wald gerodet. Große Teile davon, um Flächen für Viehhaltung und Futtermittelanbau zu schaffen. UNd das ist nicht alleine das Problem der jeweiligen Regierungen, das ist ein globales Problem oder haben Sie noch nie den Begriff "grüne Lunge" gehört? Im Übrigen könnte auf den hiesigen Futtermittelflächen auch Menschennahrung wachsen.

@gotcha123: Sie können sich überhaupt nicht vorstellen, wie egal es mir wäre, wenn es jeden dritten Bauern vom Schlitten hauen würde, weil das dann ein Bauer ist der sein gesamtes Geschäftsmodell auf hochsubventioniertem antibiotikaverseuchtem Billigstfleisch aufgebaut hat, das er dann auch noch gerne hochsubventioniert exportieren möchte. Wieso soll ich diese Industrie mit meinen Steuern mitfinanzieren? Ökologischer und ökonomischer Wahnwitz ist das.

Ökobilanz und Transport

Es gibt im Internet ziemlich viele Dokumentationen zur Ökobilanz von Lebensmitteln, z.B. hier: http://www.bafu.admin.ch/... Auf die Berechnung der Umweltbelastung bei Lebensmitteln spezialisiert hat sich auch http://www.eaternity.ch

Von der Herkunft kann kaum direkt auf die Ökobilanz eines Produktes geschlossen werden. Zum einen ist der Transport nur einer von vielen Faktoren; oft fallen sonstige Emissionen bei der Produktion bei der Herstellung viel stärker ins gewicht. Zum anderen sind die Verkehrsmittel beim Transport entscheidend - Flugtransporte fallen oft relativ stark ins Gewicht, während Transporte mit anderen Verkehrsmitteln im Verhältnis zu vom Transport unabhängigen Umweltbelastungen oft nur schwach ins Gewicht fallen.

Wenn zwei Produkte sonst identisch sind, ist tendenziell schon ein regionales Produkt vorzuziehen. Aber wenn es weitere Unterschiede gibt, sind diese in vielen Fällen wichtiger, weil der Transport insgesamt nur einen relativ kleinen Teil der Umweltbelastung durch die Lebensmittelproduktion ausmacht.

Der neuseeländische Apfel hat nur im Sommer die bessere Bilanz

Daß Äpfel aus Neuseeland und Birnen aus Chile von der Ökobilanz genausogut oder besser sind als heimisches Obst, ist eine immer wieder, wahrscheinlich auch mit Hilfe der südamerikanischen und australischen Agrarindustrie verbreitete Halbwahrheit.
Das stimmt nämlich nur, wenn man voraussetzt, daß man das ganze Jahr über gleichmäßig Äpfel und Birnen verzehrt. Heimische Äpfel bis in den Hochsommer frischzuhalten das kostet in der Tat Energie. Aber wer isst denn, in der Zeit der Erdbeeren, Kirschen, der roten, weißen und schwarzen Johannisbeeren, der Stachel-, Brom-, Him und Blaubeeren, der Melonen, Pfirsiche und Aprikosen, Feigen und Pflaumen, ja warum soll man denn da Äpfel essen???
Bei Beschränkung auf die Monate September bis Mai ist die Ökobilanz für heimische Äpfel deutlich günstiger.

Ökologischer Fußabdruck

Bezogen auf den Fußabdruck und die einzelne Frucht kann das tatsächlich stimmen. Dazu muss man sich nur mal vorstellen, man fahre mit seinem Auto zum nächstgelegenen Biohof um ein paar Äpfel zu kaufen. Und das macht dann jeder so, um sich möglichst ökologisch und regional zu ernähren.
Dagegen hat der Sack Äpfel, der containerweise aus Neuseeland kommt und den ich zu Fuß im Supermarkt um die Ecke bekomme evtl eine bessere Bilanz.

Keine verlässliche Quelle, aber vielleicht ein anschauliches Beispiel.

Wo denn?

"ist eine immer wieder"
"Bei Beschränkung auf die Monate September bis Mai ist die Ökobilanz für heimische Äpfel deutlich günstiger."

Wo hat das denn jemand bezweifelt? So wie ich das hier im Kommentarbereich nachverfolgen kann und auch unter anderen Artikeln, wurde der Verweis auf die Klimabilanz IMMER monatsbezogen gebracht, d.h. es war vollkommen klar, dass ein neuseeländischer Apfel natürlich im Oktober in Deutschland nicht gegen das heimische Obst konkurrieren kann.

Z. B. in dem Kommentar, auf den ich geantwortet habe:

"Und dann muss ich den Herrn Studenten leider enttäuschen. Ein heimischer Apfel aus der Nachbarschaft muss nicht zwangsläufig ökologischer im Sinne des ökologischen Fußabdrucks sein als eine Ökomango aus Peru. Es gibt Fälle, da ist der neuseeländische Apfel ökologischer als der Jonagold aus dem Alten Land. Leider, aber Regionalität ist nicht automatisch ein Garant für ökologische Unbedenklichkeit. Aber was will man erwarten, wenn nur die üblichen Phrasen gedrescht werden..."

Oder hier eine Milchmädchenrechnung aus der "ZEIT", die davon ausgeht, daß der neuseeländische Apfel von alleine von seinem Baum zum Hafen spaziert und später auch vom deutschen Hafen zum Supermarkt wandert:
http://www.zeit.de/2012/2...

Oder hier aus der "WELT":
"Man mag es kaum glauben: Da wird das Obst per Containerschiff vom anderen Ende der Welt bis zu uns transportiert, und doch fällt die Treibhausgas-Bilanz der Ware nicht schlechter aus als bei deutschen Früchten. "

Es leider der Normalfall, daß das "Neuseeland oder Bodensee-Apfel-Öko-Problem" nur verkürzt dargstellt wird, wodurch der Neuseeland-Apfel dann manchmal sogar besser wegkommt als der deutsche.