Professorenkolumne : "Die Angst geht um: Wir sind ersetzbar"

Videovorlesungen im Internet könnten ihn überflüssig machen, fürchtet unser Kolumnist Fritz Breithaupt. Mit Kissen und Schokoladenküssen versucht er gegenzusteuern.

Eine schwarze Wolke ist am Horizont zu erkennen. Eine technische Entwicklung, die meinen Professorenjob weitgehend überflüssig machen könnte: Im Internet finden sich zu fast jedem Thema kurze Videos von oft brillanten Experten, die auch das komplexeste Thema verständlich vermitteln. Da können die meisten von uns Profs nur in die Röhre gucken. So gut können wir das selten.

Professor Fritz Breithaupt

 44, erklärt an dieser Stelle regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt an der Indiana University, USA

Nun beginnen wir zu schwitzen, die Angst geht um: Wir Profs sind so ersetzbar wie die Mechaniker im automatisierten Werk. Eine Hochschule mit deutlich weniger Professoren in der Lehre ist ab sofort denkbar. Dabei ist es gerade das oft so lästige Lehren, das unseren Broterwerb sichert. Die wenigen Forschungsseminare werden unsere Arbeitsplätze nicht retten. Jetzt fragen wir uns vor jeder Vorlesung: Haben wir genug Witze auf Lager? Sitzt wirklich jede PowerPoint-Folie?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Angst macht aggressiv, manche Kollegen gehen deshalb gegen eine vermeintliche Verschwörung des digital-industriellen Komplexes auf die Barrikaden. Andere entdecken in den Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit des Professors die sozialen Tugenden des Klassenzimmers wieder. Denn wenn wir uns in der Lehre mit den Onlinekursen nicht messen können, dann bleibt uns nur noch das Miteinander. Wir langweilen uns, schwitzen und lernen zusammen mit unseren Studenten. Auch ich setze ganz aufs Menschliche: Von nun an werde ich Kissen und Schokoladenküsse in meine Kurse mitbringen. Vielleicht sichern die meinen wackligen Lehrstuhl und verbessern die Uni gleich mit.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Didakt

Ehm? Sie nennen doch, dass ein Professor auch ein guter Didakt sein muss. Da gehört eine positve Belohnung doch zum Standardrepertouir.
Menschen sind ja keine Maschinene und ich zumindest habe mich noch von keinem Prof. allein wegen des Profseins beeindrucken lassen. Außerdem will ich mich in einer Vorlesung nicht beeindrucken lassen, sondern lernen und dabei am besten noch motiviert gehalten werden, aber nicht beeindruckt vor dem Gott sitzen.