Eine schwarze Wolke ist am Horizont zu erkennen. Eine technische Entwicklung, die meinen Professorenjob weitgehend überflüssig machen könnte: Im Internet finden sich zu fast jedem Thema kurze Videos von oft brillanten Experten, die auch das komplexeste Thema verständlich vermitteln. Da können die meisten von uns Profs nur in die Röhre gucken. So gut können wir das selten.

Nun beginnen wir zu schwitzen, die Angst geht um: Wir Profs sind so ersetzbar wie die Mechaniker im automatisierten Werk. Eine Hochschule mit deutlich weniger Professoren in der Lehre ist ab sofort denkbar. Dabei ist es gerade das oft so lästige Lehren, das unseren Broterwerb sichert. Die wenigen Forschungsseminare werden unsere Arbeitsplätze nicht retten. Jetzt fragen wir uns vor jeder Vorlesung: Haben wir genug Witze auf Lager? Sitzt wirklich jede PowerPoint-Folie?

Angst macht aggressiv, manche Kollegen gehen deshalb gegen eine vermeintliche Verschwörung des digital-industriellen Komplexes auf die Barrikaden. Andere entdecken in den Zeiten der technischen Reproduzierbarkeit des Professors die sozialen Tugenden des Klassenzimmers wieder. Denn wenn wir uns in der Lehre mit den Onlinekursen nicht messen können, dann bleibt uns nur noch das Miteinander. Wir langweilen uns, schwitzen und lernen zusammen mit unseren Studenten. Auch ich setze ganz aufs Menschliche: Von nun an werde ich Kissen und Schokoladenküsse in meine Kurse mitbringen. Vielleicht sichern die meinen wackligen Lehrstuhl und verbessern die Uni gleich mit.