StudienfinanzierungSoll ich mich verschulden?

Ein Kredit ist die Ultima Ratio, sagt der Finanzexperte Ulrich Müller. Trotzdem sollte man im Ernstfall nicht davor zurückschrecken, sich für sein Studium zu verschulden. von Katja Bosse

ZEIT Campus: Herr Müller, darf man Schulden machen, ohne zu wissen, wie viel man später mal verdient?

Ulrich Müller: Natürlich, ein Studium ist ja grundsätzlich eine gute Investition. Ich würde einen Studienkredit aber immer als letzte Lösung betrachten. Kreditanbieter haben schließlich nichts zu verschenken.

Anzeige

ZEIT Campus: Woran sollte man unbedingt denken, bevor man zur Bank geht?

Müller: Ich würde ganz genau prüfen, ob es wirklich ausgeschlossen ist, Bafög oder ein Stipendium zu bekommen. Dann würde ich meine Ausgaben gründlich unter die Lupe nehmen und schauen, wo ich sparen könnte. Generell würde ich mich noch zwei, drei Jahre zusammenreißen und meine Ansprüche herunterschrauben, wenn ich dadurch Schulden vermeiden kann. Für eine nette WG, ein warmes Essen in der Mensa und einen Kaffee mit Kommilitonen sollte es aber reichen.

Ulrich Müller
Ulrich Müller

Ulrich Müller, 38, ist Finanzexperte beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), mit dem DIE ZEIT gemeinsam das Online-Hochschulranking anbietet. Müller hat gerade 33 Studienkredite und Bildungsfonds verglichen.

ZEIT Campus: Damit ist es ja nicht getan: Man braucht Geld für Bücher, Laptop, Versicherung, Verwaltungsgebühren, Semesterticket ...

Müller: Deshalb lautet die beste Formel zur Kreditaufnahme auch: So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig, um reibungslos studieren zu können.

ZEIT Campus: Woher weiß man, welcher Kredit gut ist?

Müller: Je nachdem, wann, wofür und wie lange man die Finanzspritze benötigt, eignen sich ganz unterschiedliche Kredite: Das Bundesverwaltungsamt zum Beispiel hat mit dem Bildungskredit ein gutes Angebot für Engpässe in der Endphase des Studiums. Wer kurzfristig seinen Rechner killt und für solche Fälle kein Geld zurückgelegt hat, ist auf einen Vertrag angewiesen, in dem Sonderauszahlungen möglich sind. Und wer ständig flexibel bleiben und jeden Monat neu entscheiden will, wie viel er von einem bestimmten Budget nutzt, für den passt zum Beispiel der Studenten-Bildungsfonds der Deutschen Kreditbank (DKB) – der hat allerdings sehr hohe Zinsen.

ZEIT Campus: Was ist denn ein guter Zinssatz?

ZEIT Campus 5/2013
ZEIT Campus 5/2013

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Müller: Zurzeit sind wir eigentlich in einer Niedrigzinsphase. Leider schlägt sich das Rekordtief aber nicht in allen Angeboten nieder: Die Deutsche Bank nimmt beispielsweise immer noch 8,9 Prozent in der Rückzahlungsphase. Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) will dagegen nur 3,3 Prozent, das ist schon ein gewaltiger Unterschied. Man muss genau hinschauen und auch das Kleingedruckte durchlesen, bevor man einen Kreditvertrag unterschreibt. Man sollte darauf achten, ob ein Festzinssatz vereinbart wird, ob Nebenkosten anfallen und ob schon während der Auszahlung Zinsen abgezogen werden.

ZEIT Campus: Was macht man, wenn man vor dem Bankberater sitzt und nichts versteht?

Müller: Ich würde mehrere Angebote einholen und die Unterlagen mit nach Hause nehmen. Dann kann man sich alles mit den Eltern durchlesen oder damit zum Studentenwerk gehen. Die Finanzexperten dort können auch auf K.-o.-Kriterien wie Auslandssemester aufmerksam machen.

ZEIT Campus: Ist ein Auslandssemester ein Problem?

Müller: Manche Banken gewähren keinen Kredit, wenn man ins Ausland gehen will – selbst wenn der Auslandsaufenthalt im Studiengang verpflichtend ist. Auch die KfW ist da unflexibel. Man kann tricksen, indem man parallel in Deutschland eingeschrieben bleibt und die Semestergebühren an beiden Unis zahlt. Auch wer für seinen Master den Studienort wechseln will, muss darauf achten, dass der Kreditgeber das nicht ausschließt.

ZEIT Campus: Gibt es einen Kredit, mit dem man nichts falsch machen kann?

Müller: Der KfW-Studienkredit ist ein grundsolides Angebot. Mit maximal 650 Euro pro Monat lassen sich auch Zweitstudiengänge, Weiterbildung und Promotionsvorhaben finanzieren. Etwa die Hälfte der rund 50.000 Studenten, die im vergangenen Jahr einen Studienkredit aufgenommen haben, hat sich dafür entschieden. Auch der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes ist beliebt, der ist vor allem für die Zeit kurz vor Studienabschluss gedacht.

ZEIT Campus: Wie lange muss man auf das Geld warten?

Müller: Das hängt vom Auswahlverfahren ab: Bei der KfW muss man nur einen Onlineantrag ausfüllen und bekommt dann kurzfristig eine Antwort. Andere Anbieter verlangen ein Motivationsschreiben, Zeugnisse und ein Vorstellungsgespräch. Das kann bis zu zwei Monate dauern.

ZEIT Campus: Was passiert, wenn ich einen Kredit laufen habe und mein Studium abbreche?

Müller: Dann muss man in der Regel sofort mit der Tilgung beginnen. Einen Kreditvertrag würde ich deshalb wirklich nur abschließen, wenn ich ganz genau weiß, dass ich das richtige Studium am richtigen Ort gefunden habe und dass ich das Studium engagiert bis zum Ende durchziehen werde.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. ... wir sind im Saarland (ist vermutlicherweise Exemplarisch für einen größeren Trend) schon in der unglücklichen Situation, dass über 10 % der Masterstudiengänge kostenpflichtig sind und hier sind jetzt keine Peanuts zu zahlen, sondern zwischen 500,- und 6.000,- (!) Euro pro Semester. Für mich ein Trend, der mich stark an ein altes Zitat von Kurt Tucholsky erinnert, "wer es in Deutschland zu etwas bringen will, muss es zu etwas gebracht haben!"

    Wir sollten uns überlegen, ob wir nun auch die Bildung marktwirtschaftlichen Mechanismen unterwerfen wollen!

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • L0rdi
    • 02. September 2013 14:54 Uhr

    Bei reißerischen Zahlen wie 6000€ Studiengebühren pro Semester wäre es doch ganz nett, diese Zahl auch mit Quellen zu unterfüttern.

    Fakt ist, dass wir in Deutschland (glücklicherweise) eines der international günstigsten Unisysteme haben (an einer normalen Hochschule ohne Studiengebühren liegt der Semesterbeitrag meist bei 200-300€ inklusive Semesterticket ...). Dass Bafög auf einen weiteren Personenkreis ausgeweitet werden könnte und man sich auch Mietübernahmemodelle mit stadtabhängigen Höchstsätzen vorstellen könnte, ist klar - aber rein von den bei der Hochschule zu zahlenden Gebühren ist Deutschland doch sehr zivil ...

  2. fehlen mir in diesem Interview. Wie allgemein bekannt, ist ein Uniabschluss heutzutage eben keine Garantie mehr für einen schnellen, gutbezahlten Berufseinstieg. Wenn man im Oktober abschließt, aber schon im November mit der Tilgung beginnen muss, kann das auch ganz schön nach hinten losgehen.

    2 Leserempfehlungen
  3. reduziert den Betrag, den man monatlich mindestens braucht, nicht sonderlich.
    Zur Kreditvermeidung ist das sehr nur überschaubar geeignet, selbst wenn man seine "Ansprüche" nochmal um 50€ p.m. reduzieren kann.

    Ich bin ja, trotz spürbaren Effekts heute, heilfroh, dass ich meinem Kind das Studium selbst "kreditieren" kann, zins- und tilgungsfrei, quasi als Vorschuss aufs Erbe (wenn dann noch was übrig ist).

  4. Verbotswidrig unbeantwortet lässt das Gespräch um Studienkredite den einzig in dieser Frage relevanten Fall, wenn der Abschluss, gemessen an der jeweiligen Ordnung einer Universität, im Zuge außerordentlich erbrachter Leistungen herausgehoben erfolgt und dadurch unabweisbar ein Anspruch des Absolventen der Allgemeinheit gegenüber auf Förderung von dessen Arbeit ohne bestimmte Gegenleistung auf Lebenszeit entsteht. Hält ein Finanzinstitut ungeachtet des besagten Tatbestands dennoch an Tilgung und Zinszahlung fest, befindet es sich seinerseits in der nicht einzulösenden Schuld zu belegen, dass ansonsten nachrangige, weil lediglich zivilrechtlich ehedem vereinbarte Verpflichtungen im Nachhinein systematisch Vorrang vor der grundgesetzlich umfassend begründeten Wissenschaftsfreiheit genießen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der privatrechtlich-kreditvertragliche Anspruch auf Zins- und Tilgung tangiert die Wissenschaftsfreiheit nicht die Bohne.
    Oder einfach gesagt, egal was der Schuldner mit seinem Leben so anstellt, er schuldet Zins- und Tilgung. Und solange er die bezahlt kann der Kreditgeber ihm gar nichts. Selbst wenn er nicht zahlt hat das keine Auswirkung auf die Wissenschaftsfreiheit, die Bank kann ja nicht erzwingen, dass er z.B. Finanzmathematik betreibt, weil er im Zahlungsrückstand ist.
    Ein Anspruch des Absolventen gegenüber der Allgemeinheit wegen außerordentlicher Leistungen? Interessiert die Bank bzgl. des Kredites nur, wenn der Anspruch materiell realisierbar, pfänd- und verwertbar ist. Z.B. als Einkommensquelle.

  5. Der privatrechtlich-kreditvertragliche Anspruch auf Zins- und Tilgung tangiert die Wissenschaftsfreiheit nicht die Bohne.
    Oder einfach gesagt, egal was der Schuldner mit seinem Leben so anstellt, er schuldet Zins- und Tilgung. Und solange er die bezahlt kann der Kreditgeber ihm gar nichts. Selbst wenn er nicht zahlt hat das keine Auswirkung auf die Wissenschaftsfreiheit, die Bank kann ja nicht erzwingen, dass er z.B. Finanzmathematik betreibt, weil er im Zahlungsrückstand ist.
    Ein Anspruch des Absolventen gegenüber der Allgemeinheit wegen außerordentlicher Leistungen? Interessiert die Bank bzgl. des Kredites nur, wenn der Anspruch materiell realisierbar, pfänd- und verwertbar ist. Z.B. als Einkommensquelle.

  6. warum Studenten in der Masse weniger Unterstützung erhalten, als ALG-2-Empfänger.

    Warum nicht einfach das Bafög durch ALG-Zahlugen gleicher Höhe (oder mehr) ersetzen, damit einen lächerlichen und teuren Bürokratieapparat einsparen und endlich zumindest ansatzweise Chancengleichheit schaffen?

    Stattdessen wird ungeheures Potential verschwendet, indem Anreize für Kinder nicht-wohlhabender Eltern geschaffen werden, nicht zu studieren.

    Natürlich kennt man das Gegenargument von Union und FDP - "dann würden ja die oberen Schichten bevorzugt, da jene ja öfter studieren" - was natürlich Unfug ist, sich auf das Problem bezieht, welches dadurch ja erst entsteht, und wieder mal zeigt, daß man immer sehr vorsichtig sein muß, wenn sich konservativ nennende Politiker sich um Ausgleich bemühend zeigen. Tatsächlich steckt dahinter wohl eher ein diffuser Sozialdarwinismus samt Klassendünkel, der Bildung für die "Unterschicht" als überflüssig und verschwendet ansieht.

    Letztlich verlieren wir durch diese absurde Regelung mit enorm knappen Bafög, Turbostudium und Verschuldung die letzten Reste des verbliebenen Wissenschaftsstandorts Deutschland - denn wissenschaftlicher Erfolg ist Glückssache, und die Wahrscheinlichkeit, Glück zu haben, steigt mit Anzahl der Studenten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ganz ehrlich: Wer in Deutschland sagt, das er nicht studieren kann, weil er das Geld nicht hat, muss das beweisen.

    Denn: Grade im Bereich der prekären Finanzlage bekommt ein Student durch BaföG eine ziemlich starke Förderung. Das ist anstrengend und man kann nicht einfach mal so ein paar Semester mehr machen, aber ehrlich gesagt, wen die Bürokratie abschreckt, der ist nicht für ein Studium geeignet.

    Schwieriger ist es dann schon bei kleinem Budget, von dem man aber leben kann.Wenn die Eltern so viel verdienen, dass es nicht der Höchstsatz wird, dann kann es zu Konstellationen kommen, bei denen mehr Eigenkapital eingebracht werden muss. Aber auch das ist eine Investition.

    Und zu guter Letzt gibt es denn dann auch noch Studienkredite. Ist zwar nicht toll, aber eine Möglichkeit ein Studium zu finanzieren. Man muss sich halt fragen, ob es das wert ist. Aber die Möglichkeiten bestehen.

    • L0rdi
    • 02. September 2013 14:54 Uhr

    Bei reißerischen Zahlen wie 6000€ Studiengebühren pro Semester wäre es doch ganz nett, diese Zahl auch mit Quellen zu unterfüttern.

    Fakt ist, dass wir in Deutschland (glücklicherweise) eines der international günstigsten Unisysteme haben (an einer normalen Hochschule ohne Studiengebühren liegt der Semesterbeitrag meist bei 200-300€ inklusive Semesterticket ...). Dass Bafög auf einen weiteren Personenkreis ausgeweitet werden könnte und man sich auch Mietübernahmemodelle mit stadtabhängigen Höchstsätzen vorstellen könnte, ist klar - aber rein von den bei der Hochschule zu zahlenden Gebühren ist Deutschland doch sehr zivil ...

  7. Ganz ehrlich: Wer in Deutschland sagt, das er nicht studieren kann, weil er das Geld nicht hat, muss das beweisen.

    Denn: Grade im Bereich der prekären Finanzlage bekommt ein Student durch BaföG eine ziemlich starke Förderung. Das ist anstrengend und man kann nicht einfach mal so ein paar Semester mehr machen, aber ehrlich gesagt, wen die Bürokratie abschreckt, der ist nicht für ein Studium geeignet.

    Schwieriger ist es dann schon bei kleinem Budget, von dem man aber leben kann.Wenn die Eltern so viel verdienen, dass es nicht der Höchstsatz wird, dann kann es zu Konstellationen kommen, bei denen mehr Eigenkapital eingebracht werden muss. Aber auch das ist eine Investition.

    Und zu guter Letzt gibt es denn dann auch noch Studienkredite. Ist zwar nicht toll, aber eine Möglichkeit ein Studium zu finanzieren. Man muss sich halt fragen, ob es das wert ist. Aber die Möglichkeiten bestehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Studienfinanzierung | Schulden | Kredit | Auslandssemester | Bafög | Bank
Service