ZEIT CAMPUS: Herr Drexler, im Juli ist ein Student gestorben, der ein Praktikum bei einer Bank in London machte. Er soll überarbeitet gewesen sein, wenig geschlafen haben. Kann man an Schlafmangel sterben?

Hans Drexler: Nein, niemand stirbt aus Übermüdung. Der Körper schläft vorher ein.

ZEIT CAMPUS: Was, wenn man sich wach hält – mit Kaffee oder Drogen?

Drexler: Das ist etwas anderes. Unter dem Einfluss von Amphetaminen oder Kokain verliert man das Hunger- und Durstgefühl. Davon kann man kollabieren und sterben.

ZEIT CAMPUS: Und wenn man einfach extrem viel arbeitet?

Drexler: Die Menge der Arbeit ist egal, solange sie Spaß macht. Wenn aber die Bedingungen schlecht sind, wenn das Verhältnis zum Chef und zu den Kollegen nicht stimmt, die Arbeit nicht wertgeschätzt wird und man dauernd Angst hat, Fehler zu machen, dann kann einen das sehr belasten.

ZEIT CAMPUS: Davon stirbt man?

Drexler: Na ja, es ist zumindest so: Wer zu viel Stress hat, neigt dazu, mehr zu rauchen und zu trinken, keinen Sport zu machen und sich schlecht zu ernähren. Das erhöht das Risiko von Krebs, Herzinfarkt und Schlaganfall. Insofern kann man schon an Stress sterben.

ZEIT CAMPUS: Auch als junger Mensch?

Drexler: Wer keine Vorerkrankungen hat, stirbt nicht so schnell. Es gibt aber Krankheiten, von denen man noch nichts bemerkt hat, zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung. Dann kann eine körperliche Überlastung zum Tod führen – unabhängig davon, ob man einen Marathon läuft oder Stress im Job hat.