BerufsanfängerWie gelingt der Einstieg?

Personalmanagerin Beate Mini erklärt, worauf es in den ersten Wochen im neuen Job ankommt und wie man lernt, mit Kritik umzugehen. von Katja Bosse

ZEIT Campus: Frau Mini, Politiker haben gewöhnlich hundert Tage lang Zeit, um sich mit ihrem neuen Amt vertraut zu machen. Berufseinsteiger auch?

Beate Mini: Mindestens! Keiner erwartet von einem Berufseinsteiger, dass er von Beginn an alles kann und weiß. Im Gegenteil: Es ist ein typischer Anfängerfehler, wenn man zu schnell zu viel will und meint, schon alles verstanden zu haben. Dann wird man leicht unachtsam.

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ZEIT Campus: Wie soll man denn am besten vorgehen in den ersten Tagen?

Beate Mini

45, ist Managerin für Arbeitgebermarketing und Mitarbeiterbindung bei Ikea Deutschland und arbeitet viel mit den Berufseinsteigern des Unternehmens.

Mini: Sinnvoll ist, sich zuerst einmal Orientierung zu verschaffen, das ganze Umfeld ist ja neu. Das geht am besten, indem man ganz viel beobachtet, reflektiert und zuhört. Wir unterstützen das durch eine intensive Einarbeitung, die Onboarding genannt wird. Unsere Berufseinsteiger durchlaufen verschiedene Abteilungen, machen überall einmal mit und lernen natürlich ganz viele neue Menschen kennen, denen sie allen über die Schulter gucken und die sie dann auch mit Fragen löchern können.

ZEIT Campus: Kann man jeden alles fragen?

Mini: Im Grunde schon. Viele Fragen ergeben sich ja aus den Kontakten, und dann sollte man sie auch gleich stellen, egal, ob an Vorgesetzte oder Kollegen. Oder man spricht seinen Paten an, den bekommt bei uns jeder neue Mitarbeiter. Das sind erfahrene Kollegen, die schon länger im Unternehmen sind und durch ihre Erfahrung gute Tipps geben können.

ZEIT Campus: Was war denn das Ungewöhnlichste, was ein Berufseinsteiger von Ihnen wissen wollte?

Mini: Ich wurde zum Beispiel schon einmal gefragt, wie man am schnellsten Chef des Hauses wird. Na und? Wenn man dabei den richtigen Ton trifft, zeigt mir das jedenfalls, dass derjenige sicher nicht vorhat, nur Däumchen zu drehen.

ZEIT Campus Ratgeber 1/13

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 1/2013. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Bevor man Chef wird, muss man erst die Probezeit überstehen. Wie geht das?

Mini: Zunächst sollte man sein Team kennenlernen: Wie ticken die so? Wer ist wofür zuständig? Wie funktionieren die Abläufe? Ich empfehle, möglichst offen und kommunikativ zu sein. Wichtig ist es, zu signalisieren, dass man bei der Sache ist, Dinge hinterfragt und sich gerne ausprobiert. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich sehe, wie es in den Köpfen der Einsteiger arbeitet, wenn sie Aha-Erlebnisse haben und nach und nach souveräner werden. Das ist super für den Anfang!

ZEIT Campus: Wann darf man Feedback einfordern?

Mini: Jederzeit. Manchmal wissen Vorgesetzte und Kollegen sonst gar nicht, dass man sich mehr Rückmeldungen wünscht. Man sollte nur nicht beleidigt sein, wenn auch Kritik kommt. Es klingt abgedroschen, aber Kritik ist immer eine Chance zur Weiterentwicklung.

Leserkommentare
  1. 1. Fragen

    " ... mit Fragen löchern " Das wird in manchen Firmen des real existierenden

    deutschen Kapitlismus auch leicht als Unfähigkeit interpretiert.

  2. Nach meiner Beobachtung sollen neue Mitarbeiter nach spätestens 3 Tagen mitarbeiten, als hätten sie nie einen anderen Job gehabt.

    Nur ein Versicherungsunternehmen war bis jetzt so realistisch einzugestehen, dass die Einarbeitung schon ein paar Monate dauern kann.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bei meiner Ausbildung, lang ist es her, wurde erwartet, dass ich gleich nach der ersten halben Stunde vollständig mitklotzen sollte.

    Ging natürlich nicht, da war das Geschrei groß. Der übliche Schmarrn ala - die jungen Leute heute können alle nichts, ich war in dem Alter (ich war gerade 16) ja schon viiiiieeeeel weiter, Lehrjahre sind keine Herrenjahr etc. pp.

    Und wehe du hast etwas gefragt oder gar den Fehler gemacht ein zweites Mal nachzufragen. Naja, habs auch überlebt.
    Aber schön ist anders

  3. Bei meiner Ausbildung, lang ist es her, wurde erwartet, dass ich gleich nach der ersten halben Stunde vollständig mitklotzen sollte.

    Ging natürlich nicht, da war das Geschrei groß. Der übliche Schmarrn ala - die jungen Leute heute können alle nichts, ich war in dem Alter (ich war gerade 16) ja schon viiiiieeeeel weiter, Lehrjahre sind keine Herrenjahr etc. pp.

    Und wehe du hast etwas gefragt oder gar den Fehler gemacht ein zweites Mal nachzufragen. Naja, habs auch überlebt.
    Aber schön ist anders

    Antwort auf "Beobachtung"
  4. Als IT Freelancer in großen Projekten wird von mir erwartet, mich schnellstens einzuarbeiten. Jeder weiß aber, daß dies nur möglich ist, wenn ich entsprechend mit Informationen gefüttert werde. Die Projekte sind so groß und komplex, daß halbjährige Einarbeitungszeit als völlig normal angesehen wird. Produktiv muß ich trotzdem innerhalb weniger Tage sein, denn ich bin teuer und koste das Projekt Geld. Dafür zu sorgen, daß ich es kann, hat der Projektleiter, indem er mir Aufgaben gibt, die mit guten Fachkenntnissen lösbar sind und mir gleichzeitig ermöglichen, die Eigenheiten und Spezialitäten des jeweiligen Projekts kennen zu lernen. Gleichzeitig kann er dabei testen, wie gut ich wirklich bin. So gewinnen alle.

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