ZEIT Campus: Frau Mini, Politiker haben gewöhnlich hundert Tage lang Zeit, um sich mit ihrem neuen Amt vertraut zu machen. Berufseinsteiger auch?

Beate Mini: Mindestens! Keiner erwartet von einem Berufseinsteiger, dass er von Beginn an alles kann und weiß. Im Gegenteil: Es ist ein typischer Anfängerfehler, wenn man zu schnell zu viel will und meint, schon alles verstanden zu haben. Dann wird man leicht unachtsam.

ZEIT Campus: Wie soll man denn am besten vorgehen in den ersten Tagen?

Mini: Sinnvoll ist, sich zuerst einmal Orientierung zu verschaffen, das ganze Umfeld ist ja neu. Das geht am besten, indem man ganz viel beobachtet, reflektiert und zuhört. Wir unterstützen das durch eine intensive Einarbeitung, die Onboarding genannt wird. Unsere Berufseinsteiger durchlaufen verschiedene Abteilungen, machen überall einmal mit und lernen natürlich ganz viele neue Menschen kennen, denen sie allen über die Schulter gucken und die sie dann auch mit Fragen löchern können.

ZEIT Campus: Kann man jeden alles fragen?

Mini: Im Grunde schon. Viele Fragen ergeben sich ja aus den Kontakten, und dann sollte man sie auch gleich stellen, egal, ob an Vorgesetzte oder Kollegen. Oder man spricht seinen Paten an, den bekommt bei uns jeder neue Mitarbeiter. Das sind erfahrene Kollegen, die schon länger im Unternehmen sind und durch ihre Erfahrung gute Tipps geben können.

ZEIT Campus: Was war denn das Ungewöhnlichste, was ein Berufseinsteiger von Ihnen wissen wollte?

Mini: Ich wurde zum Beispiel schon einmal gefragt, wie man am schnellsten Chef des Hauses wird. Na und? Wenn man dabei den richtigen Ton trifft, zeigt mir das jedenfalls, dass derjenige sicher nicht vorhat, nur Däumchen zu drehen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 1/2013. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Bevor man Chef wird, muss man erst die Probezeit überstehen. Wie geht das?

Mini: Zunächst sollte man sein Team kennenlernen: Wie ticken die so? Wer ist wofür zuständig? Wie funktionieren die Abläufe? Ich empfehle, möglichst offen und kommunikativ zu sein. Wichtig ist es, zu signalisieren, dass man bei der Sache ist, Dinge hinterfragt und sich gerne ausprobiert. Ich freue mich jedenfalls immer, wenn ich sehe, wie es in den Köpfen der Einsteiger arbeitet, wenn sie Aha-Erlebnisse haben und nach und nach souveräner werden. Das ist super für den Anfang!

ZEIT Campus: Wann darf man Feedback einfordern?

Mini: Jederzeit. Manchmal wissen Vorgesetzte und Kollegen sonst gar nicht, dass man sich mehr Rückmeldungen wünscht. Man sollte nur nicht beleidigt sein, wenn auch Kritik kommt. Es klingt abgedroschen, aber Kritik ist immer eine Chance zur Weiterentwicklung.