BerufsanfängerWie bewerbe ich mich richtig?

Der Bewerbungsexperte Jürgen Hesse erklärt, mit welchen Strategien man nach dem Abschluss seine erste Stelle findet. von Mischa Drautz

ZEIT CAMPUS: Herr Hesse, Sie betreiben ein Büro für Berufsstrategie. Wozu braucht ein Bewerber eine Strategie?

Jürgen Hesse: Ich meine damit, dass man planvoll vorgehen sollte und nicht einfach Firmen googelt und dann an alle die gleiche Bewerbung schickt. Sonst ist man wie ein Fischer, der eine Schnur ohne Köder in einen See wirft. Wer dagegen weiß, wo es gute Fische gibt und was ihnen schmeckt, hat viel bessere Chancen auf einen guten Fang.

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ZEIT CAMPUS: Wie sieht der Plan aus?

Hesse: Entscheidend ist zunächst einmal die Einstellung. Man darf sich nicht als Suchender sehen, sondern als jemand, der etwas zu bieten hat. Das Unternehmen braucht jemanden, es hat also ein Problem. Und ich helfe dem Unternehmen aus der Patsche, weil ich ein Problemlöser bin!

ZEIT CAMPUS: ...und kein Bittsteller.

Jürgen Hesse

Jürgen Hesse ist Psychologe, Ratgeberautor und Leiter des Büros für Berufsstrategie, das Bewerbungsseminare und Coaching anbietet.

Hesse: Genau. Wenn ich mir das als Bewerber deutlich mache, verändert sich meine Situation zum Positiven.

ZEIT CAMPUS: Viele Studenten haben keine Zeit, systematisch vorzugehen, weil die letzten Prüfungen im Studium und die ersten Bewerbungen zusammenfallen.

Hesse: Keiner sollte so traumtänzerisch sein und sich mit dem Job erst nach dem Studium beschäftigen. Die meisten entwickeln ja im Laufe der Semester ein Gefühl dafür, wohin sie möchten. Wer das weiß, sollte im Idealfall schon gezielt Praktika machen und sich so ein Netzwerk aufbauen. Je früher man einen Plan hat, desto weniger Stress hat man gegen Ende des Studiums.

ZEIT CAMPUS: Aber man kann sich doch auch erst am Studienende bewerben!

Hesse: Wer der Typ ist, der besser eins nach dem anderen abarbeitet, kann auch erst die Abschlussarbeit fertig machen und dann Bewerbungen schreiben.

ZEIT CAMPUS: Wie fängt man strategisch klug mit der Suche an?

ZEIT Campus 1/2013
ZEIT Campus 1/2013

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Hesse: Indem man Stellenanzeigen liest. Das sollte jeder tun, denn so erkennt man, wo gerade Bedarf ist. Und man findet vielleicht spannende Jobs, an die man noch gar nicht gedacht hat. Natürlich bewerben sich bei großen Unternehmen auch mal 500 Absolventen um eine Stelle. Da ist es schwierig aufzufallen. Aber warum nicht probieren? Selbst wenn ein anderer den Job bekommt, wird man vielleicht bemerkt und erhält später eine Chance.

ZEIT CAMPUS: Wo lohnen sich Initiativbewerbungen?

Hesse: Überall. Wenn man in einem Bereich besonders fit ist, kann man einfach mal bei einem passenden Unternehmen anrufen. Die meisten sind da aufgeschlossen – und dann schickt man eine Bewerbung los. Oder man fährt auf eine Berufsmesse.

ZEIT CAMPUS: Wie geht man da am besten vor?

Hesse: Einfach ein bisschen plaudern und sich nach den neuesten Entwicklungen in den Unternehmen erkundigen. So sammelt man ganz leicht sehr viele Kontakte. Wer sehr schüchtern ist, kann sich den Weg auf eine Messe vielleicht sparen. Aber grundsätzlich lohnt es sich für die meisten. Auf die kurzen Gespräche kann man dann in Bewerbungen Bezug nehmen – und die Unternehmen sehen, dass man sich schon seit einiger Zeit mit ihnen beschäftigt hat. Das kommt immer gut an.

ZEIT CAMPUS: Kann man auch im Internet suchen? Zum Beispiel bei Facebook?

Hesse: Das kommt auf die Branche an. Werbeagenturen stellen bei Facebook sogar Stellenanzeigen ein, in anderen Branchen ist das nicht üblich. Netzwerke wie Xing oder LinkedIn kann man dagegen immer nutzen, um Informationen einzuholen und auch um erste Kontakte zu knüpfen.

Leserkommentare
  1. Entfernt, bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen Argumenten an der Debatte. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leserempfehlung
  2. Welche Analogie zum Cargokult gibt es?

    Wenn es mehr Bewerber als Jobs gibt, nutz einem auch die beste Bewerbung nichts. Es kann nicht jeder gewinnen. Das ist ein strukturelles Problem und kein individuelles Problem, dass man mit einer besseren Bewerbung und einem Dankesbrief löst.

    Komisch, über den Cargokult lacht jeder aber über weitere Bewerbungstips in einer Gesellschaft die weit von Vollbeschäftigung entfernt ist viel zu selten.

    Eine Leserempfehlung
  3. ": Man sollte sich selbst nicht überstrapazieren. Nicht unbedingt auch noch genau dann mit den Eltern brechen und sich vom Freund oder von der Freundin trennen."

    Und am besten auch keinen Unfall haben, nicht krank werden, die eigene Bude nicht abfackeln und bitte keine Nahestehenden durch plötzlichen Tod verlieren.

    3 Leserempfehlungen
  4. "Sonst ist man wie ein Fischer, der eine Schnur ohne Köder in einen See wirft." Leute, die in Metaphern reden, halten ihren Gegenüber meist für inkompetent ihren Beweggründen zu folgen oder eine logische Folge aufzubauen (siehe Aufklärungsversuche a la "Bienchen und Blumen")

    Interessanter wäre eine Verlaufskontrolle, wieviele Klienten dieses Bewerbungstrainees, aufgrund der Schulung einen Job gefunden haben !

  5. Ich habe mich auch immer als "Retter in der Not" mit Visionen präsentiert :) Hat bisher immer geklappt. Ich bin allerdings überhaupt kein Stratege- null. Habe mich einfach beworben, wenn ich mich begeistern konnte. Dann klang auch automatisch die Bewerbung fröhlicher und selbstbewusster.

    Zum Schluss hat es schon Spaß gemacht, zu schreiben wie toll man ist und was man alles möchte. Das ist schon Seelenbalsam. Dafür musste ich aber eine Menge Bewerbungen schreiben, bis es nicht mehr unangenehm war.

    Mein Tipp ist eher: Versetze dich vor der Bewerbung in positive Stimmung und dann beweihräuchere dich was das Zeug hält (nicht Lügen!)
    Manche müssen sich eben erst selbst klar machen warum sie tolle Menschen sind, bevor sie es anderen beweisen dürfen.
    Zudem sollte man sich auch weniger auf einen Beruf bewerben als eher auf eine Idee/ Tätigkeit. Dann stehen einem viel mehr Dinge offen.

    • wauz
    • 24. Mai 2013 20:24 Uhr

    Im Lager der Firma X gibt es Streit und am Ende wird beschlossen, einen zeitarbeiter zur verstärkung zu buchen. Der kaufmännische Lehrling, der grade in der Personalabteilung Dienst tut, wird (zu Ausbildungszwecken) beauftragt, Angebote einzuholen. So bekommen 5 ZA-Firmen eine Anfrage nach einem Staplerfahrer. Da die Presonaldisponenten dort wissen, dass die Kundenfirma 3-Schicht-betrieb hat, stellen sie jeweils drei Jobangebote im Internetportal der Arbeitsagentur ein.
    Jetzt gibt es 15 Jobangebote für genau eine Stelle.
    Wer bekommt die?
    Der Neffe vom Pförtner. In Festanstellung.

    Und bei allen anderen Stellenvergaben ist es nicht anders. Vitamin B sticht Qualifikation, Lebenslauf und perfektes Vorstellungsgespräch.

    Wer sich also um einen Job bemüht, sollte auf beziehungen setzen. Alles andere ist sinnlos.

    Eine Leserempfehlung
    • SabaSe
    • 05. August 2013 14:33 Uhr

    Also ich setze eher auf eine optische Auffälligkeit durch eine Designbewerbung und bewerbe mich nicht wirklich strategisch sondern häufig und funktioniert hats bis jetzt immer ...

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