"Uns interessieren kreative Bewerbungen"

"Ich nehme zuerst den Lebenslauf in die Hand und prüfe die Fakten. Hat der Bewerber internationale Erfahrung? Passen die Sprachkenntnisse, gibt es spannende Praktika? Wenn das überzeugt, schaue ich weiter. Manche denken, Anschreiben werden sowieso nicht gelesen. Das stimmt nicht! Uns ist das Anschreiben sehr wichtig. Ich darf nicht den Eindruck bekommen, es wurde wortgleich auch an andere Unternehmen geschickt.

Wir finden es gut, wenn der Bewerber Persönliches erzählt. Zum Beispiel hat ein Bewerber geschrieben, dass er den adidas-Predator-Schuh als E-Jugend-Fußballer schon getragen hat. Ein anderer hat von seinem Besuch in einem unserer neuen Geschäfte erzählt. Wir wollen keine Beweihräucherung, aber es kommt einfach gut an, wenn jemand an konkreten Beispielen klarmacht, warum er hier arbeiten möchte. Wir haben auch ein Unternehmensblog, über das man zum Beispiel Mitarbeiter kontaktieren und dann darauf im Anschreiben Bezug nehmen kann. Auch kreative Bewerbungen interessieren uns. Ein Bewerber hat einen Link zu einem YouTube-Video mitgeschickt. Er war Fußballjugendtrainer beim 1. FC Nürnberg, und seine Jungs haben ihn beschrieben. Das war eine sehr kreative Idee. Der Bewerber hat den Job bekommen – natürlich nicht nur wegen des Videos."

Sarah Koch, 29, ist Personalmanagerin für Nachwuchsprogramme beim Sportartikelhersteller adidas mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach

"Beim Lebenslauf gilt: lieber kurz und prägnant"

"Seit zwei Jahren akzeptieren wir nur noch Online-Bewerbungen, weil das für beide Seiten einfach praktischer ist. Die Bewerbung muss nicht förmlich sein, aber seriös. Kreativbewerbungen mit einem Video oder Ähnlichem sind bei uns nicht üblich.

Ich schaue besonders aufs Anschreiben und den Lebenslauf, aber auch auf die Zeugnisnoten. Der Lebenslauf darf zwar zwei Seiten lang sein, aber grundsätzlich gilt trotzdem: lieber kurz und prägnant. Nur nichts aufbauschen, lieber demonstrieren, dass man sich entwickeln kann. Positiv fallen mir Bewerber mit besonderen Praktika und längeren Auslandsaufenthalten auf. Mit zwei Semestern an einer angesehenen Universität punktet man da natürlich mehr als mit Work & Travel nach dem Abi.

Zuletzt fand ich einige Bewerber sehr gut, die auf unsere Unternehmens-Slogans und Initiativen eingegangen sind, wie zum Beispiel ›Leistung aus Leidenschaft‹ oder ›Wacher Verstand‹. Wer sich darauf bezieht, sein eigenes Arbeitsprofil damit verknüpft und zeigt, dass seine bisherigen Leistungen und seine Einstellung dazu passen, hat gute Chancen. Selbstbewusste Bewerber, die genau wissen, was sie können und wollen, sind uns wichtig. Man sollte dabei allerdings aufpassen, dass man nicht überheblich rüberkommt."

Anke Kirn, 40, leitet bei der Deutschen Bank den Bereich Talentgewinnung und -förderung für Deutschland, Europa, den Nahen Osten und Afrika