BewerbenWorauf kommt es an?

Drei Personalchefs verraten, was ihnen bei Bewerbungen besonders wichtig ist von Mischa Drautz

"Uns interessieren kreative Bewerbungen"

"Ich nehme zuerst den Lebenslauf in die Hand und prüfe die Fakten. Hat der Bewerber internationale Erfahrung? Passen die Sprachkenntnisse, gibt es spannende Praktika? Wenn das überzeugt, schaue ich weiter. Manche denken, Anschreiben werden sowieso nicht gelesen. Das stimmt nicht! Uns ist das Anschreiben sehr wichtig. Ich darf nicht den Eindruck bekommen, es wurde wortgleich auch an andere Unternehmen geschickt.

Wir finden es gut, wenn der Bewerber Persönliches erzählt. Zum Beispiel hat ein Bewerber geschrieben, dass er den adidas-Predator-Schuh als E-Jugend-Fußballer schon getragen hat. Ein anderer hat von seinem Besuch in einem unserer neuen Geschäfte erzählt. Wir wollen keine Beweihräucherung, aber es kommt einfach gut an, wenn jemand an konkreten Beispielen klarmacht, warum er hier arbeiten möchte. Wir haben auch ein Unternehmensblog, über das man zum Beispiel Mitarbeiter kontaktieren und dann darauf im Anschreiben Bezug nehmen kann. Auch kreative Bewerbungen interessieren uns. Ein Bewerber hat einen Link zu einem YouTube-Video mitgeschickt. Er war Fußballjugendtrainer beim 1. FC Nürnberg, und seine Jungs haben ihn beschrieben. Das war eine sehr kreative Idee. Der Bewerber hat den Job bekommen – natürlich nicht nur wegen des Videos."

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Sarah Koch, 29, ist Personalmanagerin für Nachwuchsprogramme beim Sportartikelhersteller adidas mit Sitz im fränkischen Herzogenaurach

"Beim Lebenslauf gilt: lieber kurz und prägnant"

"Seit zwei Jahren akzeptieren wir nur noch Online-Bewerbungen, weil das für beide Seiten einfach praktischer ist. Die Bewerbung muss nicht förmlich sein, aber seriös. Kreativbewerbungen mit einem Video oder Ähnlichem sind bei uns nicht üblich.

Ich schaue besonders aufs Anschreiben und den Lebenslauf, aber auch auf die Zeugnisnoten. Der Lebenslauf darf zwar zwei Seiten lang sein, aber grundsätzlich gilt trotzdem: lieber kurz und prägnant. Nur nichts aufbauschen, lieber demonstrieren, dass man sich entwickeln kann. Positiv fallen mir Bewerber mit besonderen Praktika und längeren Auslandsaufenthalten auf. Mit zwei Semestern an einer angesehenen Universität punktet man da natürlich mehr als mit Work & Travel nach dem Abi.

Zuletzt fand ich einige Bewerber sehr gut, die auf unsere Unternehmens-Slogans und Initiativen eingegangen sind, wie zum Beispiel ›Leistung aus Leidenschaft‹ oder ›Wacher Verstand‹. Wer sich darauf bezieht, sein eigenes Arbeitsprofil damit verknüpft und zeigt, dass seine bisherigen Leistungen und seine Einstellung dazu passen, hat gute Chancen. Selbstbewusste Bewerber, die genau wissen, was sie können und wollen, sind uns wichtig. Man sollte dabei allerdings aufpassen, dass man nicht überheblich rüberkommt."

Anke Kirn, 40, leitet bei der Deutschen Bank den Bereich Talentgewinnung und -förderung für Deutschland, Europa, den Nahen Osten und Afrika

Leserkommentare
  1. Ich bin wirklich froh, dass ich niemand mit "word-of-mouth" Sprüchle imprägnieren muss, meine Auslandsaufenthalte nicht strategisch planen muss, nicht anbringen muss dass ich schon mal xyz Schuhe getragen habe und ganz toll finde, keine adretten Photos von mir machen muss. Mir nicht überlegen muss ob ich eher auf frech mache oder ob ich eher betonen soll dass ich Radfahrer bin........
    Aber halt, was soll ich meinen Kindern für die Enkel mal raten, ab wann muss der Lebenslauf gedesignt werden, erst ab der Grundschule oder macht sich schon ein Aufenthalt im "international Kindergarten" positiv.

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  2. ... aus eigener Erfahrung auf beiden Seiten des Schreibtischs:

    1. Persönliche Beziehungen
    2. Sympathische Ausstrahlung
    3. Glück

    Das Gerede der Personaler von entweder strenger Formalieneinhaltung und "spannendem" Lebenslauf auf der einen Seite oder von "kreativen Bewerbungen" auf der anderen Seite ist mehr ein Geschichtenerzählen der Personaler, was aber mit den realen Entscheidungsprozessen wenig zu tun hat.

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    Sehr gut zusammmengefasst!

    • Vaiko
    • 14. August 2013 19:09 Uhr

    eine Bekannte von mir ist bei einer Aerzteorganisation abgelehnt wordem, die weltweit taetig ist. Die absurde Begruendung, 4 Fremdsprachen seien nicht genug. Die Gruende waren natuerlich andere, die man nicht mitteilen wollte.

  3. Sehr gut zusammmengefasst!

    4 Leserempfehlungen
    • Taranis
    • 13. August 2013 18:40 Uhr

    Wiedereinmal glauben drei Personaler mit doch recht weit gefassten und vergleichsweise inhaltsleeren Phrasen irgendwem einen Tipp zu geben.
    Im wirklichen Vorstellungsgespräch kommen sie dann vermutlich genau mit den üblichen Standartfragen daher, wo man sich denn in 5-10 Jahren sieht und bekommen von den durchgestylten Bewerbern entsprechend antrainierte Antworten dazu.
    Würden die Personaler mal aufhören pseudopsychologische Fragen zu stellen, die nach Behauptung irgendwelcher Unternehmensberater tiefgründige Einblicke in den Bewerber geben sollen, bräuchten sie sich hinterher auch nicht wundern, daß sie im Grunde nichts über ihr Gegenüber gelernt haben.

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    "Würden die Personaler mal aufhören pseudopsychologische Fragen zu stellen, die nach Behauptung irgendwelcher Unternehmensberater tiefgründige Einblicke in den Bewerber geben sollen, bräuchten sie sich hinterher auch nicht wundern, daß sie im Grunde nichts über ihr Gegenüber gelernt haben."

    "Personaler" ist eines der wenigen Berufsbilder, welches sich auf Basis von Pseudowissenschaften in der Wirtschaft festsetzen konnte. Das kennt man sonst nur vom Marketing.

  4. "Würden die Personaler mal aufhören pseudopsychologische Fragen zu stellen, die nach Behauptung irgendwelcher Unternehmensberater tiefgründige Einblicke in den Bewerber geben sollen, bräuchten sie sich hinterher auch nicht wundern, daß sie im Grunde nichts über ihr Gegenüber gelernt haben."

    "Personaler" ist eines der wenigen Berufsbilder, welches sich auf Basis von Pseudowissenschaften in der Wirtschaft festsetzen konnte. Das kennt man sonst nur vom Marketing.

    3 Leserempfehlungen
  5. toll ist es dann, wenn man mal wieder das obligatorische Auslandsjahr bzw. Auslandssemester vorgehalten kriegt.

    Habe ich nicht gemacht, und anstatt irgendwo in England ein Semester Urlaub zu machen, und nebenbei ein paar Vorlesungen zu besuchen und das dann als unglaubliche Auslandserfahrung anzupreisen, oder nach dem Abi nach Australien zu jetten, weil mir nichts besseres eingefallen ist, habe ich in kurzer Zeit und mit guten Abschlussnoten mein Studium durchgezogen.
    Dann wieder von der unglaublich wichtigen Auslandserfahrung zu hören, ist mMn lächerlich. Kann ja sein, dass es verlangt oder gern gesehen wird. Ich frage mich aber nur, warum. Viele Austauschstudenten die ich getroffen habe, haben hier in D gechillt und gefeiert, kaum was vom Stoff verstanden und es gerade mal so geschafft, zu überleben. Was für eine unfassbare Weiterqualifikation!

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    • Ortrun
    • 14. August 2013 18:37 Uhr

    "habe ich in kurzer Zeit und mit guten Abschlussnoten mein Studium durchgezogen"

    Sie mögen das für eine prima Sache halten, andere sehen darin aber ein Schmalspurverhalten und befürchten, dass Sie im Job genauso weitermachen, zielstrebig zwar, aber ohne über den Tellerand zu schauen.

    Der Sinn eines Auslandsaufenthalts ist es nicht, besonders viel Vorlesungsstoff mitzubekommen sondern in eine fremde Kultur einzutauchen und einmal einen Kulturschock am eigenen Leib erlebt zu haben (insofern ist feiern gar nicht so verkehrt). Ich war in England und in Frankreich und ich muss sagen: der Kulturschock ist erheblich, gerade weil man meint, das wären doch unsere Nachbarn von nebenan, so anders könnten die doch gar nicht ticken. Weit gefehlt.

    In jedem Fall ist sowas aber dann wichtig, wenn man international arbeiten möchte. Für "lokale" Jobs ist das eher unerheblich.

    Ich denke, um dein "Warum" zu beantworten, kann ich dir vielleicht weiterhelfen. Ich habe 2/3 meines Studiums an einer Universität in Deutschland gemacht und habe mich dann dazu entschlossen vom strikten Weg wegzukommen. Nun bin ich seit 1 1/2 Semester in den USA, weil ich mich für ein Stipendium beworben habe (werde demnächst meinen Abschluss hier machen). Generell muss ich sagen, dass die Anforderungen hier im Studium wesentlich leichter sind als in Deutschland, aber man lernt einfach fürs Leben. Ich muss ehrlich sagen, dass was ich in Deutschland gelernt habe, war qualitativ gut, jedoch habe ich nicht viel davon behalten. Es basiert halt alles auf Theorie und die sinnlosen Definition kann man einfach nach bestimmter Zeit nicht wiedergeben. Im Ausland lernst du einfach die Sprache, die Kultur und du lernst dich einfach selbst besser kennen. Ich denke es zeigt dem Personaler einfach, dass du mehr Lebenserfahrung mitbringst und und wichtige Charaktereigenschaften haben könntest!

  6. Wir sind eine große kosmopolitische Familie und uns interessiert, was ein Unternmehmen für unseren Nachwuchs anzubieten hat. Wir investieren doch nicht jahrzehntelanges Coaching und private Schulen für unseren Nachwuchs, damit der für irgendwelche deutschen Kleinunternehmer-Schwachmaten die Kohlen aus dem Feuer holt!

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    • wauz
    • 13. August 2013 21:35 Uhr

    Bevor irgendein Personaler Bewerbungen sichtet, schickt man erst mal Lehrlinge und Praktikanten ran und lässt die aussortieren. Geburtsorte und -jahre, (Mutter-)Sprachen und so ein paar minimale Fakten sind da Kriterium. Das heißt, Leute mit besonderem Lebenslauf usw. sind schon draußen, bevor irgendein Anschreiben gelesen wird. Insofern ist die Erfahrung, Anschreiben seien nicht so wichtig, für bestimmte Kreise durchaus zutreffend. Nur bei den Idealkandidaten machen dann solche Zuckerle wie schön formuliertes Anschreiben und grafische Gestaltung noch einen Unterschied

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