BerufswahlWie soll ich mich entscheiden?

Der Psychologe Marc Schreiber erklärt, wie man sich die Suche nach dem passenden Beruf erleichtert. von Katharina Wagner

ZEIT Campus: Herr Schreiber, Sie haben erforscht, wie Menschen Entscheidungen treffen. Wie wählt man einen Beruf aus, mit dem man zufrieden ist?

Marc Schreiber: Indem man genau überlegt, was man will und was man gut kann. Zudem sollte man sich ein möglichst umfassendes Bild über die Arbeitswelt machen. Menschen, die so vorgehen, sind zufriedener mit ihrer Wahl. Spontane Bauchentscheidungen sind im Gegensatz dazu weniger vielversprechend. Das hat mich selbst überrascht.

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ZEIT Campus: Wie geht man am besten vor, wenn das Ende der Uni-Zeit naht und die Bewerbungen anstehen?

Schreiber: In einem ersten Schritt sollte man sich fragen: Was will ich? Was kann ich? Welche Interessen habe ich? Welche Ziele will ich verfolgen? Was motiviert mich? Am besten schreibt man sich die Antworten auf. Aus meiner Sicht ist das der Kern der Entscheidungsfindung: herauszufinden, wer man ist und was man will. Dazu gehört es auch, zwischen innerer und äußerer Karriere zu unterscheiden.

Marc Schreiber

Der 37-Jährige ist Psychologieprofessor an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und beschäftigt sich mit Berufsberatung

ZEIT Campus: Was meinen Sie damit?

Schreiber: Die äußere Karriere wird von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt: viel Geld, Prestige, ein Job, um den einen alle beneiden – so etwa. Ich habe oft 40-Jährige in der Beratung, die sagen, sie hätten all das erreicht und trotzdem keine Lust mehr. Das sind meist Menschen, die sich nur für die äußere Karriere entschieden haben, ohne auf ihre Wünsche zu hören. Genau das, die eigene Motivation, spielt aber bei der Berufswahl eine zentrale Rolle. Ich nenne das innere Karriere. Es ist wichtig, die gesellschaftlichen Erwartungen mit den eigenen Zielen abzugleichen. Wenn jemand also sagt, dass er vor allem viel Geld verdienen möchte, dann muss er sich überlegen, ob er das wirklich will oder ob er denkt, dass das von ihm erwartet wird.

ZEIT Campus: Wie soll man das als Berufsanfänger alles so genau einschätzen können?

Schreiber: Natürlich sind gerade der Einstieg und die ersten Jahre im Berufsleben schwierig, weil man noch nicht auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann. Deshalb sollte man bereits im Studium berufliche Erfahrungen sammeln. In einem Praktikum erlebt man Neues, bekommt Feedback, lernt ein berufliches Umfeld kennen und kann am Ende sagen: Ja, das interessiert mich. Oder eben auch: Nein, das möchte ich auf keinen Fall machen. Diese Erfahrungen sind wichtig für den Entscheidungsprozess. Außerdem knüpft man Kontakte und baut sich ein Netzwerk auf.

ZEIT Campus Ratger 1/13
ZEIT Campus Ratger 1/13

ZEIT Campus: Wie sinnvoll ist es denn, andere um Rat zu fragen?

Schreiber: Man sollte auf jeden Fall die Ratschläge von anderen bei der Berufsentscheidung mit einbeziehen, etwa von Eltern und Freunden, aber auch von Professoren oder Berufstätigen, die man beispielsweise während eines Praktikums kennengelernt hat. Allerdings sollte man die Ratschläge hinterfragen. Manchmal bekommt man einen Rat von jemandem, den man bewundert, dann zählt nicht das Argument, sondern man trifft die Entscheidung vielleicht aufgrund der Person. Bei jedem Rat muss man deshalb ganz genau in sich hineinhorchen und sich fragen: Inwiefern lässt sich das mit meinen eigenen Vorstellungen vereinbaren?

ZEIT Campus: Was ist mit dem Arbeitsmarkt? Auch wer weiß, was er will, findet doch oft nicht einfach so den passenden Job.

Schreiber: Natürlich muss auch der Arbeitsmarkt berücksichtigt werden. Meine Forschungen haben gezeigt: Zufrieden waren die Leute, die wussten, was sie wollten, und die zusätzlich viele Informationen über ihren Traumberuf eingeholt hatten. In einem zweiten Schritt sollte man sich deshalb umfassend über Berufswege, Stellenangebote, Aufstiegschancen, Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten informieren.

Leserkommentare
  1. Ist ja sehr hilfreich, wenn Herr Schreiber da mit Antworten kommt die uns nicht seit dem letzten Jahrhundert in x-facher Ausführung vorliegen. Witzig der Herr. Also größeren Unfug hab ich so früh am morgen schon lange nicht mehr gelesen. Und dann hat der auch noch studiert. Ich melde mich freiwillig für die Beantwortung ähnlicher Fragen, ohne "Psychologen-Honorar". Haha. Guten Tag

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Sord
    • 13. November 2012 20:03 Uhr

    Versuchen Sie doch einmal, in Ihrem eigenen Fachgebiet auf einige oberflächliche, extrem allgemein gestellte Fragen in jeweils wenigen Zeilen etwas Erhellendes, Neues zu sagen. Auch das wird niemanden beeindrucken. Wenn Sie etwas über die wirkliche Arbeit eines Professors erfahren wollen, lesen Sie seine Publikationen.

    • 1980xx
    • 09. November 2012 14:08 Uhr

    1. Über den job nachdenken sollte man schon BEVOR es an die Bewerbungen geht. Zum ersten mal vor der Studienwahl, dann - soweit möglich - bei der Wahl von Schwerpunkten und Praktika. Wenn ich mir erst am Ende des Studiums überlege, was ich eigentlich machen oder wo ich hin will, habe ich mich nicht genau genug qualifiziert, um eine realistische Chance zu haben.

    2. Hat man eher selten die Wahl, sich zwischen 2 echten Alternativen entscheiden zu können. Aber 90% der Bewerber werden folgende Situation kennen: Zusage bei einem Mistjob, auf den man sich mehr zu Übungszwecken beworben hat, aber noch keine Antwort auf die Bewerbung bei den beiden Favoriten.

    Fazit: Wie im ersten kommentar erwähnt: Pseudowissenschaft ohne Praxisrelevanz.

  2. Seit ich 18 war, habe ich meine Zukunft realistisch und detailliert geplant. Ich wusste, wo ich mich wann bewerben möchte, was ich studieren möchte, wann ich fertig sein möchte und welches Gehalt ich möchte und hab alles getan, dass es auch genau so kommt.

    Dachte ich. Es kam nämlich nichts so. Null. Was aber gar nicht schlecht war. Als nämlich aus Unvermögen oder Desinteresse alles scheiterte, was ich ursprünglich vorhatte, habe ich meinen Bauch entscheiden lassen. Ich bin bedeutend zufriedener und werde es auch wohl - gerade im Hinblick auf die Arbeitsmarktsituation - eher bleiben.

    • Sord
    • 13. November 2012 20:03 Uhr

    Versuchen Sie doch einmal, in Ihrem eigenen Fachgebiet auf einige oberflächliche, extrem allgemein gestellte Fragen in jeweils wenigen Zeilen etwas Erhellendes, Neues zu sagen. Auch das wird niemanden beeindrucken. Wenn Sie etwas über die wirkliche Arbeit eines Professors erfahren wollen, lesen Sie seine Publikationen.

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