Berufseinstieg : Mittelstand oder Großkonzern?

Ingenieursstudenten sind begehrt. Die entscheidende Frage lautet deshalb für viele: Wie will ich arbeiten? Wir geben Entscheidungshilfen.

Wer sich für ein Studium der Ingenieurwissenschaften entschieden hat, ist erst einmal auf der sicheren Seite, denn die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind sehr gut. Entsprechend begehrt ist man als Berufseinsteiger nach dem Abschluss. Die entscheidende Frage lautet deshalb für viele: Wie will ich arbeiten? In einem traditionellen Familienbetrieb, bei einem Mittelständler oder in einem Großkonzern?

»Im Großkonzern arbeitet man am Anfang oft nur an einem sehr speziellen Problem, entwickelt oder optimiert dann eine ganz bestimmte Lösung. Erst mit einigen Jahren Berufserfahrung hat man gute Möglichkeiten, Fach- oder Führungsverantwortung zu übernehmen«, sagt Lars Funk, Bereichsleiter für Beruf und Gesellschaft beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Im Mittelstand könne man in der Regel sehr viel schneller Verantwortung übernehmen und habe darüber hinaus häufig auch einen direkten Draht zur Unternehmensspitze. Weil die Hierarchien flacher sind, ist die Kette der Vorgesetzten bis zum Chef weniger lang als in einem großen Konzern.

Welche Unternehmensform zu einem passt, hängt auch von der eigenen Lebensplanung ab: Wo möchte man zum Beispiel wohnen? Gerade Mittelständler sitzen häufig in der Provinz. Wer sich ein Leben ohne Großstadt nicht vorstellen kann, sollte sich deshalb nach einer Firma in der Nähe einer Metropole umsehen. Möchte man später auch im Ausland arbeiten, lohnt es sich, nachzuschauen, wo auf der Welt der Wunscharbeitgeber seine Standorte hat. Ein Entscheidungsgrund kann auch die Familienplanung sein. Größere Firmen haben oft spezielle Programme, die einen Wiedereinstieg nach der Familienphase erleichtern, und es gibt eher die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Auch diese Fragen sollte man sich stellen, bevor die ersten Bewerbungen verschickt werden.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Je größer das Unternehmen, desto unwichtiger der Abschluss

Die Tatsache, ob man einen Bachelor- oder einen Masterabschluss mitbringt, spielt bei der Wahl des Arbeitgebers dagegen keine bedeutende Rolle. Auch kleine Betriebe stellen inzwischen Bachelor- absolventen ein. Grundsätzlich gilt aber die Regel: Je größer das Unternehmen, desto unwichtiger der Abschluss. Bei größeren Mittelständlern oder Weltkonzernen taucht die Frage nach dem Abschluss nicht einmal mehr in den Stellenanzeigen auf – so wie bei Siemens. »Auch wer promoviert hat, muss in einem Unternehmen noch dazulernen: Als Produktoptimierer muss man zum Beispiel den Markt genau kennen, als Entwickler immer die Machbarkeit im Auge behalten – all das lernt niemand an der Hochschule«, sagt Frank Stefan Becker, der bei Siemens für Hochschulabsolventen und die Ingenieurausbildung verantwortlich ist. Berufseinsteiger, die direkt von der Hochschule kommen, übernehmen deshalb bei dem Technologiekonzern zunächst Teilaufgaben innerhalb eines Teams in einem speziellen Bereich.

Die klassische Einstiegsposition bei ifm electronic ist die als Assistent eines Vertriebsleiters. Die familiengeführte Firma mit Hauptsitz in Essen stellt Mess- und Steuerungstechnik her. Nach etwa zwei Jahren im Betrieb übernimmt ein Ingenieur dann selbst die Verantwortung für ein Produkt. »Auch mit dem besten Hochschulabschluss kann niemand sofort eigenständig ein Produkt managen, weil ihm die Erfahrung im Umgang mit Kunden und das Know-how über die Strukturen bei uns fehlt. Manch einem Bewerber ist das nicht klar«, sagt Wolfgang Heikamp, Personalleiter bei ifm. Soft Skills zum Beispiel, die ein Absolvent schon mitbringe, wie etwa Präsentationstechniken, müssten im Unternehmen weiterentwickelt werden, damit sie zu den Bedürfnissen der Kunden passen.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Ist auch nicht immer richtig.

Ich denke, für einige Branchen und Jobs mag das stimmen, aber das ist so auch pauschal nicht zu sagen.
Schauen Sie sich die Automobilbranche weltweit an, werden Sie schnell ernüchternd feststellen, dass Sie in Deutschland noch am besten unterkommen. In den USA werden Sie etwa 2/3 der Gehälter hier erhalten, haben keine 30 Tage Urlaub, keinen unbefristeten Vertrag und schon gar nicht 35h/Wo. Und das sind ja dann doch immernoch "übliche" Arbeitsverträge in der Branche. Ich kenne genug Leute, die so angefangen haben, als Absolventen und auch promovierte Ingenieure und die liegen gehaltsmäßig dann deutlich über den Zahlen, die hier genannt wurden. IG Metall macht es möglich.

Es ist nicht richtig, dass nur der Abschluss zählt, genausowenig, dass er gar nicht zählt. Das ist im Artikel vielleicht etwas ungeschickt formuliert. Vielmehr geht es nach definierten Aufgaben einer Position, aus denen die Entgeltstufe resultiert. Da geht es zwar prinzipiell nicht nach dem Abschluss, aber manche Positionen werden Bewerber nicht ohne bestimmte Qualifikationen bekommen. Das ist ein feiner Unterschied. Aber berufliche Erfahrung zählt dort unter Umständen mehr. Auch der Verhandlungsspielraum bei Zulagen auf das Tarifstufenentgelt ist da sicher von abhängig.

Ingenieur und Arzt

Uns hat man im 1. Semester Ingenieurwissenschaften in der Mathematikvorlesung erklärt: Schauen Sie noch mal Ihren nachbarn an; statistisch betrachtet werden sie den im 2. Semester nicht wiedersehen. Oder: Werden Sie Arzt: Ihre Erfolge bescheint die Sonne - ihre Mißerfolge bedeckt der Rasen. Ich habe (konnte) mit- und durchhalten. Also: das Studium habe ich mein Leben nicht bereut. Aber: Ich empfehle Ingenieuren ein betriebswirtdchaftliches Aufbaustudium um sich gegen die Kaufleute adäquat wehren zu können. Sprachkenntnisse (engl. ist ein MUSS) sind auch wichtig. Und nicht vergessen: Allgemeinbildung.Dann macht man als Ingenieur leicht Karriere . Wenn man sich im Labor hinter seinen Testreihen versteckt, eher nicht. Mein bester Freund ist Arzt mit eigener Praxis; Ich konnte immer mithalten und war zufriedener. da man als Ingenieur schnell den Fuß ins geschäft bekommt, ist das allemal eine gute Entscheidung. Mittelständler sind der Geheimtipp. Und dann bereit sein eben für diesen Mittelständler ins Ausland zu gehen. Perfekt. Lieber ein großer Fisch im kleinen Teich, als ein kleiner Fisch im großen Teich (voller unnützer Juristen)

Wundersam...

empfinde ich immer Kommentare von Foristen, die nicht genau wissen, was sie schreiben. Offensichtlich sind Sie nicht informiert. Deshalb schreibe ich Ihnen auch, damit Sie etas dazulernen können. Das Gehaltsniveau bei Ingenieuren im Bereich Elektrotechnik und Maschinenbau steigt beständig. In der Regel liegen leistungsfähige und motivierte Personen nach fünf Jahren bei 60.000 EUR. http://www.gehalt.de/stat....
Danach geht es schnell weiter nach oben. Vielleicht sollten Sie sich etwas motivieren .... Dann klappt es bestimmt.

Aha..

"Kann man sich direkt nach dem Abschluss noch nicht zwischen Mittelstand und Großkonzern entscheiden, empfiehlt Funk als Alternative einen Ingenieurdienstleister: »Hier kann man unterschiedliche Branchen kennenlernen und erste Erfahrungen im Umgang mit Kunden sammeln.« " NIEMALS! Einmal Dienstleister, immer Dienstleister oder Zeitarbeit. Da gibts kein Entkommen. Selbst die vermeintlichen 25% Abgänge sind geschönt (Und heute sind 15% "Wechsler" und Berufseisteigern eigentlich keiner Erwähnung wert!)

An 4:

@Christian Dossmann:

Das Problem ist, dass so eine Personaltussi natürlich erstmal sieben muss. Dafür dient nunmal das Papier als Grundlage. Leider ist es oft so, dass die, die lange studiert haben und "nur" gute Noten haben praktisch ganz gut orientiert sind, aber in Sachen Bewerbung schreiben keine Ahnung haben.

Wer als Ingenieur in Deutschland bleibt und sich dann über das Gehalt aufregt, ist meiner Meinung nach selbst Schuld. Noch 1 Jahr bis zum Master - und weg bin ich. Ich acker mich doch im Studium nicht halb tot, mache unzählige Prakika, liefere Bestnoten, lerne Sprachen etc. um anschließend für 40.000 Euro in irgendeinem Unternehmen zu arbeiten. Andere Länder (Australien, Schweiz, Österreich, Kanada, USA, Indien, China etc.) zahlen bei entsprechenden Sprachkenntnissen und in Bezug auf die Lebenshaltungskosten vor Ort ein VIELFACHES von dem mickrigen Gehalt in Deutschland.

Ich kann allen Fachkräften nur raten: Abwandern! Verlasst dieses sinkende Schiff, auf dem man euch nicht wertschätzt!

nur gerede

österreich zahlt ähnlich

australien zahlt weniger (ok lebenshaltungskosten auch geringer)

kanada zahlt auch weniger

schweiz zahlt deutlich mehr aber : mehr arbeit,weniger urlaub,sehr hohe lebenshaltungskosten,geringer freizeitwert,china,indien zahlen dem normalen ingenieur sicher weniger.

ich finde die gehälter hier auch niedrig,bekomme meinen (noch zu fetten? ) arsch aber trotzdem nicht aus diesem land.hoher freizeitwert,hoher flirtfaktor als einheimischer,hohe soziale absicherung.

auch wenn ich meine es wird zuwenig gehalt bezahlt für einsteiger,irgendwie haben die firmen schon recht,und auch die finanzmärkte,die deutschland ja nahezug unbegrenzte bonität zutrauen.
denn es scheint wohl so: niemand will weg,alle reden drüber.

und ich sehe es ja im bekanntenkreis,nordeuropa ist toll aber kalt und dunkel,etcpp

also :steuern rauf für uns normalverdiener,gehälter straff konstant halten,bis wir unsere allerwertesten wirklich weggewegen.Ich zb freue mich über jeden der abwandert,weil ich so hoffe,das für mich hier die lage dann besser wird.selbst auswandern? dafür bin ich mir wie die meisten dann doch zu schön.

@Kommentar 28:

"österreich zahlt ähnlich "

- richtig

"australien zahlt weniger (ok lebenshaltungskosten auch geringer)"

- vollkommener Quark. Die Lebenshaluntskosten sind höher und das Gehalt auch.

"kanada zahlt auch weniger"

- falsch. In Kanada bekommt man etwa das gleiche Gehalt bei ca 30% niedrigeren Lebenskosten

"schweiz zahlt deutlich mehr aber : mehr arbeit,weniger urlaub,sehr hohe lebenshaltungskosten,geringer freizeitwert"

Weniger Urlaub? ob es nun Tage mehr oder weniger sind, ist doch vollkommen egal. Höhere Lebenshaltungskosten auf jeden Fall, allerdings auch deutlich höhere Lebensqualität. Das beginnt mit qualitativ hochwertigeren Nahrungsmitteln, geht über Gesundheitsversorgung usw...
Freizeitwert? Geschmackssache :-)

"china,indien zahlen dem normalen ingenieur sicher weniger."

Bitte beachte meine Anmerkung "mit entsprechenden Sprachkenntnissen". Als deutscher Ingenieur, der FLIESSEND chinesisch spricht, hast du eine Lizenz zum Gelddrucken.

Wenn Sie glauben, ...

... dass Sie in Deutschland schlechtere Nahrungsmittel als in der Schweiz bekommen, dann liegt das nur an Ihnen selber! Ist zwar total OT, aber kein Mensch wird in D gezwungen sich mit weniger guten Nahrungsmitteln zu versorgen. Für das Geld, dass Sie in der Schweiz dafür ausgeben müssen, können Sie in D immer beim Feinkosthändler einkaufen. Ein Tip von mir: Die Lebensmittelabteilungen vom Kaufhof sind oft sehr, sehr gut. Deutlich teurer als Kaufland & Co, aber es gibt wirklich gute Sachen. Oder Bioläden, lokale Märkte, etc. Wenn es der Kunde nicht haben will, dann ist er selber schuld, das Angebot ist jedoch vorhanden. Er muß es nur nutzen und eben auch zahlen.