Berufseinstieg für Kreative : Will ich frei arbeiten?
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 Wer frei arbeitet, muss sich auch ums Finanzielle selbst kümmern

Den eigenen Ruf können Freiberufler gezielt durch Auszeichnungen verbessern. In vielen Branchen sind Preise speziell für den Nachwuchs ausgeschrieben. Wer eine geeignete Arbeit hat, sollte nicht zögern, sie einzureichen. Preisverleihungen bieten außerdem eine gute Gelegenheit, um die wichtigen Köpfe der Branche kennenzulernen, denn gerade bei Nachwuchspreisen halten sie oft die Laudatio. Es gibt wohl keine bessere Situation, um sich vorzustellen, als mit einem Preis in der Hand.

Wer sich dafür entschieden hat, frei zu arbeiten, muss sich auch ums Finanzielle selbst kümmern. Der größte Nachteil an der Selbstständigkeit ist, nicht genau zu wissen, wie viel Geld man jeden Monat auf dem Konto hat. »Selbstständige haben die Chance, wesentlich mehr zu verdienen als Festangestellte. Aber sie haben auch das Risiko, mal gar kein Geld zu bekommen«, sagt Alexander Frank. Um diese Zeiten überbrücken zu können, rät er dazu, schon während des Studiums durch Nebenjobs finanzielle Rücklagen für mindestens drei Monate zu schaffen. Angehende Musiker sollten sogar für ein Jahr vorsorgen, empfiehlt Ole Seelenmeyer.

Welchen Tagessatz Selbstständige für ihre Arbeit verlangen können, erfahren sie bei Berufsverbänden. Grundsätzlich müssen sie sich aber bewusst machen, dass sie auch Zeit für andere Aufgaben brauchen. »Von den 365 Tagen, die ein Jahr hat, sollte man alle Wochenenden, zwei bis vier Wochen Urlaub, mögliche Krankheitstage und mindestens zwei Wochen abziehen, die man mit Buchhaltung und Marketing verbringt«, erklärt Frank.

Lohnende Mitgliedschaften

Um Geld bei Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung zu sparen, sollten Freiberufler einen Mitgliedsantrag bei der Künstlersozialkasse (KSK) stellen. Wer von seiner freiberuflichen publizistischen oder künstlerischen Tätigkeit lebt, für den übernimmt die KSK die Hälfte der Sozialbeiträge. Dafür braucht man allerdings mehr als nur einen Auftraggeber, sonst gilt man nicht als selbstständig. Für Texter und Journalisten lohnt sich außerdem die kostenlose Mitgliedschaft in der Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort), die für die Zweitverwertung von Texten Gebühren nimmt und einen Teil an die Autoren weiterleitet. Für Musiker und Komponisten übernehmen eine ähnliche Aufgabe die Gema und die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL).

Am besten kümmert man sich gleich zu Beginn um diese finanziellen Angelegenheiten. Das kostet zwar Zeit, aber dafür hat man hinterher den Kopf frei für die ersten Aufträge.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Kreatives Taxifahren...

Bei den "Kreativen" ist es so ähnlich, wie bei den Profisportlern.

Ein paar wenige machen richtig Asche. Ein weiterer Teil kann sich mit dem Job irgendwie über Wasser halten.

Das Gros verdient ein Leben lang den Hauptteil des Einkommens durch irgendwelche Hilfstätigkeiten und träumt vom großen Lauf. Kreatives Taxifahren halt.

Dürftig

Der Bericht von Frau Schröder ist ausgesprochen dürftig. Die erste Voraussetzung für die Selbstständigkeit ist, noch etwas anderes zu können als Musik zu machen, Texte zu schreiben und Filme zu drehen. "Irgendwas mit Medien" als Ausbildung ist heute der direkte Weg in´s Prekariat. Auch die Sozialwissenschaften sind heute restlos überbesetzt, denn so viele Sprechposten in Parteien, Verbänden und Lobbygruppen gibt es gar nicht, wie nachgefragt werden. Also sinkt die Gage bis auf null, siehe Generation Praktikum. Das alles beheben zu wollen mit Netzwerken, Friedrich- Ebert- Stiftung Journalistenakademie und so weiter, ist völliger Humbug. Den dreißigsten Bericht über das Schützenfest in Oberholzklau braucht keine Kreiszeitung. Es wäre mal an der Zeit (von mir aus auch in der ZEIT, die ich seit erster Lektüre vor 4,5 Jahrzehnten als Amtsblatt der akademisch gebildeten Kreise verstehe), sich mit der Fehlallokation von Kenntnissen und Fertigkeiten im (Aus-)Bildungssystem zu beschäftigen. Als freier Journalist kann ich nur die Haare raufen, wenn hier "Zeitmanagement" als Problem erörtert wird. Die Freien haben das Problem, dass ihr Zeitaufwand nicht bezahlt wird. Weshalb interessierte Kreise sie ja zu Freien gemacht haben.

Grundeinkommen und die Angst der Selbständigkeit

Auch wenn das Wort "Emanzipation" durch den Feminismus "entwertet" wurde, bedeutet es immer noch, einen "Sklaven oder erwachsenen Sohn in die Selbständigkeit entlassen". Die Frage ist nicht, ob ich frei arbeiten will, sondern ob ich die Möglichkeit habe, frei arbeiten zu können. Der Artikel meint, es sei eine Frage der eigenen Kompetenz, indem er die Angst beschreibt, in der Selbständigkeit sein Leben nicht geregelt zu bekommen. Wer niemanden hat, der einem sagt, was wie zu tun ist, soll es also schwerer haben, als "Leute unter Anleitung"?
Mir scheint, das ist auch die große Angst beim Grundeinkommen: Aus Staatssicht soll es immer jemanden geben, der den Leuten sagt, wie sie zu leben (nämlich zu arbeiten) haben. Dabei würde gerade ein Grundeinkommen Menschen zu Selbständigen machen und jedem Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft übertragen.
Das fatale ist, daß es in einer Mehrheitsdemokratie offenbar zu viele gibt, die eben das nicht wollen und lieber ihre Eigen- und Mitverantwortung abgeben. Sie zwingen aber damit all die anderen, ebenfalls Verantwortung abzugeben, bzw. überlassen Verantwortung nur jenen, die es "sich leisten können/wollen", Verantwortung zu tragen. Und in der Verantwortung versteckt sich ein enormes kreative Potential, da Verantwortung erst den Wunsch entfesselt, selbständig leben zu wollen und fragt, wie dies geschehen soll.