Das Leben als selbstständiger Künstler kann ein Traum sein. Oder der Grund, warum man nachts nicht schlafen kann. Viele Designer, Fotografen, Musiker und Journalisten arbeiten freiberuflich. Manche, weil sie die Unabhängigkeit schätzen, andere, weil es leichter ist, einzelne Aufträge zu bekommen, als eine der wenigen Festanstellungen in diesen Branchen.

Fast alle Kreativen und Medienschaffenden stehen am Anfang ihres Berufslebens vor der Entscheidung, ob sie als Selbstständige arbeiten sollen, denn feste Stellen direkt nach dem Studium sind besonders schwer zu ergattern. Will ich frei arbeiten? Die große Frage lässt sich leichter beantworten, wenn man sie in einzelne Aspekte auflöst: Kann ich mich auch allein zum Arbeiten motivieren? Wo lerne ich Auftraggeber kennen? Und wie komme ich mit finanzieller Unsicherheit zurecht?

Selbstständige Arbeit hat viel mit Organisation zu tun. Anders als Festangestellte müssen Freiberufler in der Lage sein, ihre Arbeitszeit selbst einzuteilen. Wer keinen Chef hat, bekommt auch keinen Ärger, wenn er den ganzen Tag nichts tut. »Manche sind vom Zeitmanagement total überfordert«, sagt Alexander Frank, Vorsitzender der Kulturgilde, die Studenten und Berufsanfänger berät. Eine gute Zeiteinteilung könne man aber lernen: »Man sollte feste Arbeitszeiten einhalten, sich abends zwei erledigte Aufgaben heraussuchen und darauf dann auch wirklich stolz sein.«

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Selbstständig zu sein bedeutet dagegen nicht, Einzelkämpfer zu sein. Freiberufler können entscheiden, welche Umgebung sie zum Arbeiten brauchen. Reicht der Schreibtisch zu Hause, oder klappt nichts ohne Kollegen? »Einerseits ist es natürlich charmant, wenn man für einen Arbeitsplatz kein Geld ausgeben muss. Andererseits fehlt Selbstständigen der Austausch mit anderen, wenn sie alleine zu Hause sitzen und nicht mitbekommen, was eigentlich die anderen aus der Szene machen«, sagt Alexander Frank, der selbst eine Kommunikationsagentur betreibt.

Orte zum Netzwerken

Wenn das der Fall ist, kann man in einer Bürogemeinschaft oder einem Co- Working-Space tage-, wochen- oder monateweise einen Schreibtisch mieten. Solche Orte sind auch gut zum Netzwerken, denn häufig ergeben sich Projekte mit den Tischnachbarn. Ein Grafiker, der an einer Broschüre arbeitet und noch einen Texter sucht, wird sich lieber an jemanden wenden, mit dem er sich schnell absprechen kann, statt einen Fremden zu beauftragen. Die Miete kann sich also lohnen. In München kostet ein Arbeitsplatz in einem Co-Working-Space ab 200 Euro im Monat, in Berlin gibt’s das Gemeinschaftsbüro ab 150 Euro. Gemeinsame Projekte mit anderen Freiberuflern können sich auch über Stammtische ergeben. Diese werden beispielsweise von Berufsverbänden organisiert und finden gerade in größeren Städten regelmäßig statt.

Mit einer Website, auf der Projekte und Referenzen aufgelistet sind, sowie aktuellen Profilen in Sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing machen Kreative und Medienschaffende zusätzlich auf sich aufmerksam. Besonders Musiker sollten sich allerdings persönlich vorstellen, wenn sie neue Kunden gewinnen möchten. Wer nur seine CD an Plattenfirmen und Konzertveranstalter schicke, habe wenig Aus- sicht auf Erfolg, sagt Ole Seelenmeyer, Geschäftsführer des Deutschen Pop- und Rockmusikverbands.

Die ersten Aufträge bekommt man meist von Firmen, in denen man schon ein Praktikum gemacht hat, oder durch ehemalige Kommilitonen. Wer während der Uni noch keine Kontakte gesammelt hat, kann dies danach bei einem längeren Praktikum nachholen. Auch wenn diese selten gut bezahlt sind, können sie sich langfristig lohnen. Denn Jobs in der Kreativ- und Medienbranche werden oft nicht ausgeschrieben, sondern an ehemalige Praktikanten oder über Kontakte vergeben.