Ein naturwissenschaftliches Studium besteht aus viel Theorie. Kein Wunder, dass man bei Naturwissenschaftlern eher an passionierte Tüftler denkt als an Manager, die die strategischen Geschicke ganzer Abteilungen oder gar Unternehmen lenken. Doch die Arbeitswelt sieht anders aus: Nur eine Minderheit arbeitet später in der Wissenschaft. Dafür sind Naturwissenschaftler in der Wirtschaft umso gefragter. Personalchefs attestieren ihnen sehr gute analytische Fähigkeiten, sie schätzen ihr Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich in komplizierte Details zu vertiefen.

Egal ob Wirtschaft oder Wissenschaft: Der Einstieg in den Beruf beginnt für die meisten Chemiker, Physiker und Biologen mit der Promotion. Der Doktortitel ist in den Naturwissenschaften die Regel, auch in der Industrie wird er für viele Positionen vorausgesetzt. Die Promotion schreibt man entweder an einer Uni oder bei einer Forschungseinrichtung wie der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft oder einem Fraunhofer-Institut.

»Kandidaten, die wirklich ihr ganzes Leben lang forschen wollen, rate ich, es in der Wissenschaft zu versuchen«, sagt Karin Schmitz, zuständig für Karriereservice und Stellenmarkt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Sich in der universitären Forschung zu etablieren ist allerdings nicht leicht. Akademische Spitzenleistungen sind die Grundvoraussetzung. Hinzu kommt, dass viele Nachwuchswissenschaftler anfangs mit einer großen Unsicherheit leben müssen. Oft bekommt man über Jahre hinweg nur befristete Verträge mit wenig Gehalt. Außerdem muss man bereit sein, immer wieder die Universität und damit die Stadt zu wechseln. Meist gehören auch Stationen im Ausland dazu. Eine Möglichkeit, diesen langen Weg ein wenig abzukürzen, ist die sogenannte Fast-Track-Promotion. Dabei kann man direkt nach dem Bachelorabschluss parallel zum Masterstudium mit der Promotion beginnen. Dieser Weg steht allerdings nur Einserkandidaten offen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 1/2013. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Für eine der begehrten Professorenstellen ist außerdem sehr viel Selbstbewusstsein und auch Trendgespür erforderlich. »Wer eine Wissenschaftskarriere anstrebt, sollte versuchen, vorauszuahnen, welche Forschungsfragen in zehn Jahren relevant sind, und sich – im Master oder spätestens bei der Promotion – entsprechend spezialisieren. Vor allem dort wird es dann Professuren für den Nachwuchs geben«, sagt Achim Hofmann von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

Auch wer sich zunächst für die Wissenschaft entscheidet, wechselt deshalb häufig im Laufe des Berufslebens in die Wirtschaft oder den öffentlichen Dienst. Dort arbeiten Naturwissenschaftler in ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Bei manchen hat die spätere Position deshalb nur noch wenig mit dem Studium zu tun.

Mit dem Doktor sind die Einstiegsmöglichkeiten vielfältig: in der pharmazeutischen Industrie, in spezialisierten Mittelstandsfirmen, in Fachverlagen, Behörden, in Forschungseinrichtungen, unabhängigen Labors, in Banken und Versicherungen. Naturwissenschaftler arbeiten im Qualitätsmanagement, im Marketing oder im Controlling, sie erforschen neue Medikamente und Materialien, analysieren Datenmengen und entwickeln Produkte oder Softwarelösungen.

»Die meisten Naturwissenschaftler steigen bei uns direkt als Laborleiter ein, nehmen also eine fachliche Führungsaufgabe wahr. Sie müssen in der Lage sein, ihre Forschung wie ein Projekt straff zu managen. Dabei sollten sie das Budget im Auge behalten und die Ergebnisse verkaufen können, aber auch erkennen, wann es für das Unternehmen sinnvoller wäre, die Arbeit zu beenden«, sagt Sarah Ulmschneider-Renner, Leiterin des Personalmarketings beim Chemiekonzern BASF.