Die Naturwissenschaftler punkten also mit ihren Fachkenntnissen, gleichzeitig wird von ihnen in der Wirtschaft erwartet, dass sie sich in die Unternehmenswelt eindenken können. Viele dieser Fähigkeiten kann man schon während der Doktorarbeit trainieren. »Wer seine Promotion in einer internationalen Forschungsgruppe macht, kann dort Teamfähigkeit und interkulturelle Kompetenz lernen. Beides ist für die Industrie sehr interessant«, sagt Achim Hofmann von der Physiker-Gesellschaft DPG. Häufig verbessern sich während der Promotionsphase zudem die Präsentationstechniken, weil man zum Beispiel seine Ergebnisse auf Tagungen vorstellt.

Aber auch für Naturwissenschaftler ohne Doktortitel gibt es Möglichkeiten, in die Wirtschaft einzusteigen. Etwa über Traineeprogramme in Großkonzernen, bei denen man oft mit BWLern konkurriert, oder in einer wachsenden Branche wie der Biotechnik, in der aktuell Experten gesucht werden. Gute Chancen hat man besonders dann, wenn man sich darauf schon im Masterstudium spezialisiert.

Die Einstiegsmöglichkeiten für Bachelorabsolventen sind dagegen, pauschal betrachtet, eher schlecht. Das liegt zum einen daran, dass sich viele Unternehmen mit dem Thema Bachelor noch nicht auseinandergesetzt haben, weil in den Naturwissenschaften kaum Studenten nach dem ersten Abschluss aufhören. Zum anderen sind die Fächer im Grundstudium theorielastig. »Erst im Masterstudium wird auch verstärkt angewandt gearbeitet und das Wissen in umfangreichen konkreten Projekten umgesetzt. Und genau diese Fähigkeiten braucht man in einem Unternehmen«, sagt Achim Hofmann von der DPG.

Zwingend notwendig sind Master und Promotion trotzdem selbst für Naturwissenschaftler nicht. »Wer schon im Studium feststellt, dass er nicht weiterforschen möchte, sollte den Mut haben, sich anders zu orientieren«, sagt Karin Schmitz von der Chemiker-Gesellschaft GDCh. Besonders Fachhochschulstudenten können von ihrem praxisnahen Abschluss profitieren. Bei BASF können sich Bachelorabsolventen für Stellen in Entwicklungslabors, dem Anlagenbau sowie Technik und Produktion bewerben. »Wichtig sind dann erste Praktika. Ein besonderer Pluspunkt ist eine Abschlussarbeit in einem für das Unternehmen relevanten experimentellen Bereich«, sagt Sarah Ulmschneider-Renner.

Haben Bachelorabsolventen eine Stelle gefunden, können sie später immer noch den Masterabschluss und sogar die Promotion nachholen – und damit den klassischen Weg der Naturwissenschaftler gehen.