BerufseinstiegWirtschaft oder Wissenschaft?

Analytische Fähigkeiten, Durchhaltevermögen und Liebe zum Detail: Viele Arbeitgeber schätzen Naturwissenschaftler. Wir zeigen Wege in Wirtschaft und Wissenschaft. von Maren Soehring

Ein naturwissenschaftliches Studium besteht aus viel Theorie. Kein Wunder, dass man bei Naturwissenschaftlern eher an passionierte Tüftler denkt als an Manager, die die strategischen Geschicke ganzer Abteilungen oder gar Unternehmen lenken. Doch die Arbeitswelt sieht anders aus: Nur eine Minderheit arbeitet später in der Wissenschaft. Dafür sind Naturwissenschaftler in der Wirtschaft umso gefragter. Personalchefs attestieren ihnen sehr gute analytische Fähigkeiten, sie schätzen ihr Durchhaltevermögen und die Bereitschaft, sich in komplizierte Details zu vertiefen.

Egal ob Wirtschaft oder Wissenschaft: Der Einstieg in den Beruf beginnt für die meisten Chemiker, Physiker und Biologen mit der Promotion. Der Doktortitel ist in den Naturwissenschaften die Regel, auch in der Industrie wird er für viele Positionen vorausgesetzt. Die Promotion schreibt man entweder an einer Uni oder bei einer Forschungseinrichtung wie der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft oder einem Fraunhofer-Institut.

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»Kandidaten, die wirklich ihr ganzes Leben lang forschen wollen, rate ich, es in der Wissenschaft zu versuchen«, sagt Karin Schmitz, zuständig für Karriereservice und Stellenmarkt bei der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh). Sich in der universitären Forschung zu etablieren ist allerdings nicht leicht. Akademische Spitzenleistungen sind die Grundvoraussetzung. Hinzu kommt, dass viele Nachwuchswissenschaftler anfangs mit einer großen Unsicherheit leben müssen. Oft bekommt man über Jahre hinweg nur befristete Verträge mit wenig Gehalt. Außerdem muss man bereit sein, immer wieder die Universität und damit die Stadt zu wechseln. Meist gehören auch Stationen im Ausland dazu. Eine Möglichkeit, diesen langen Weg ein wenig abzukürzen, ist die sogenannte Fast-Track-Promotion. Dabei kann man direkt nach dem Bachelorabschluss parallel zum Masterstudium mit der Promotion beginnen. Dieser Weg steht allerdings nur Einserkandidaten offen.

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Für eine der begehrten Professorenstellen ist außerdem sehr viel Selbstbewusstsein und auch Trendgespür erforderlich. »Wer eine Wissenschaftskarriere anstrebt, sollte versuchen, vorauszuahnen, welche Forschungsfragen in zehn Jahren relevant sind, und sich – im Master oder spätestens bei der Promotion – entsprechend spezialisieren. Vor allem dort wird es dann Professuren für den Nachwuchs geben«, sagt Achim Hofmann von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).

Auch wer sich zunächst für die Wissenschaft entscheidet, wechselt deshalb häufig im Laufe des Berufslebens in die Wirtschaft oder den öffentlichen Dienst. Dort arbeiten Naturwissenschaftler in ganz unterschiedlichen Aufgabenbereichen. Bei manchen hat die spätere Position deshalb nur noch wenig mit dem Studium zu tun.

Branchen

Je nach Fachbereich arbeiten Naturwissenschaftler in unterschiedlichen Branchen. Chemiker finden Arbeit in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. In der Logistik haben vor allem Mathematiker und Physiker aktuell sehr gute Chancen. In der Biotechnologie und Informationstechnik gibt es viele Stellen für Biologen, Physiker und Mathematiker. Geologen und Geowissenschaftler arbeiten häufig bei der öffentlichen Verwaltung, etwa in der kommunalen Stadtplanung.

Beschäftigung

Laut Agentur für Arbeit ist die Zahl der Erwerbstätigen in den Naturwissenschaften von rund 444.000 im Jahr 2003 auf knapp 700.000 im Jahr 2010 gestiegen.

Verdienst

Die vom Hochschul-Informations-System ermittelten Einstiegsgehälter für Naturwissenschaftler sind eher niedrig. Biologen beginnen zum Beispiel im Schnitt mit gut 24.000 Euro pro Jahr. Hier sind aber Doktoranden eingerechnet, die nur ein Stipendium bekommen. Später gilt: In der Wissenschaft wird weniger verdient als in der Wirtschaft. Einsteiger in der Forschung können laut personalmarkt.de mit etwa 42.000 Euro rechnen. Professoren steigen mit etwa 3000 Euro brutto pro Monat ein, der Verdienst kann im Laufe des Berufslebens bis auf 6000 Euro steigen. Hinzu kommen Honorare, etwa für Veröffentlichungen und Vorträge.

Weitere Informationen

In Deutschland gibt es rund 60 Fraunhofer-Institute der gleichnamigen Gesellschaft. Die Helmholtz-Gemeinschaft betreibt 18 Forschungszentren.

In der Industrie ist das Gehalt im Schnitt rund 30 Prozent höher als an Universitäten und Forschungsinstituten.

Bei der Max-Planck-Gesellschaft sind knapp 5400 fest angestellte Wissenschaftler sowie 13.000 Gast- und Nachwuchswissenschaftler beschäftigt.

Auf der Homepage der Gesellschaft Deutscher Chemiker steht unter »Ausbildung & Karriere« auch ein Stellenmarkt.

Stellenangebote speziell für Physiker finden sich auf der Website pro-physik.de.

Mit dem Doktor sind die Einstiegsmöglichkeiten vielfältig: in der pharmazeutischen Industrie, in spezialisierten Mittelstandsfirmen, in Fachverlagen, Behörden, in Forschungseinrichtungen, unabhängigen Labors, in Banken und Versicherungen. Naturwissenschaftler arbeiten im Qualitätsmanagement, im Marketing oder im Controlling, sie erforschen neue Medikamente und Materialien, analysieren Datenmengen und entwickeln Produkte oder Softwarelösungen.

»Die meisten Naturwissenschaftler steigen bei uns direkt als Laborleiter ein, nehmen also eine fachliche Führungsaufgabe wahr. Sie müssen in der Lage sein, ihre Forschung wie ein Projekt straff zu managen. Dabei sollten sie das Budget im Auge behalten und die Ergebnisse verkaufen können, aber auch erkennen, wann es für das Unternehmen sinnvoller wäre, die Arbeit zu beenden«, sagt Sarah Ulmschneider-Renner, Leiterin des Personalmarketings beim Chemiekonzern BASF.

Leserkommentare
  1. ... akademischer Abschaum? Ist es das, was der Artikel indirekt impliziert?

    Wurde der Bachelorabschluss nicht auch deswegen eingeführt, um der Wirtschaft möglichst junge und unkritische Absolventen (=Arbeitssklaven) zur Verfügung zu stellen? Und nun lese ich, dass die Unternehmen sich mit dem Bachelorabschluss noch nicht ausseinander gesetzt haben? Ja, was wollen die Unternehmen denn nun?

    Es sind nicht genügend Master-Studienplätze für alle Bachelorabsolventen vorhanden. Das bedeutet, dass man zahlreiche Bachelorabsolventen der Arbeitslosigkeit anheim fallen lässt. Hat sich irgend ein Hochschulpolitiker VOR Umsetzung der Reform mal Gedanken gemacht?

    Diesen Artikel halte ich aufgrund seiner unkritischen Glorifizierung von Promotion und Master und der vergleichsweise himmelschreienden Abwertung des Bachelor-Abschlusses für ziemlich einseitig.

    Erst schreien die Unternehmen nach jungen Absolventen, die Politik reagiert und führt den Bachelor als Regelstudienabschluss ein, der Master gilt als Zweitstudium, man muss sich neu bewerben (und rutscht nicht wie damals nach dem Vordiplom ins Hauptstudium) und nun wissen die Unternehmen nichts mit dem Bachelorabschluss anzufangen?

    Ich weiss nicht, wessen geistige Aufassungsgabe ich mehr bedauern soll: Die der Hochschulpolitiker oder die der Personalverantwortlichen in den Unternehmen.

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    • lezteul
    • 20. November 2012 20:37 Uhr

    Sie haben vollkommen recht, aber leider muss man dazu sagen, dass es tatsächlich so gewollt ist.

    Der Markt wird mit mehr oder weniger hochqualifizierten Absolventen geflutet, damit die dann bereit sind für möglichst wenig Geld und unter prekären Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten.

    Die Studenten wirbt man noch mit dem Versprechen an, dass nach dem Studium ja "alle Türen offen stünden".

    Das eine Hochschulkarriere planbar wäre, wie der Autor behauptet, wird durch die Praxis aber kaum bestätigt. Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs gibt es nämlich kaum, die DFG weigert sich systematisch PostDoc Stellen zu finanzieren, und Professuren werden häufig nicht wieder besetzt sobald diese in Rente gehen. Schlimmer noch, viele Professoren "kleben" an ihrem Sessel bis zim Alter von 68 und machen keinem Platz für den Nachwuchs. Der bekommt dann gemäß WissZeitVG nach 12 Jahren Berufsverbot, ist bereits 40 Jahre alt und findet in der Wirtschaft keine Job - weil zu alt und zu spezialisiert ... In anderen Worten: Wir leisten uns die Ausbildung von Wegwerf-Akademikern.

    Besonders davon betroffen sind Biologen von denen viel, viel mehr ausgebildet werden als der Arbeitsmarkt hergibt. Leider gibt es für diesen Beruf keine "Alleinstellungsmerkmale", selbst die Molekularbiologische Diagnostik, für die eigentlich Biologen viel besser ausgebildet sind, wurde in die Hand von Medizinern gegeben.

    • lib-dem
    • 20. November 2012 23:47 Uhr

    ... zuerst einmal gibt es "die Unternehmen" so nicht.
    Die sind nämlich alle sehr unterschiedlich. Es gibt einige Firmen die fachleuten einen roten Teppich ausrollen und entsprechend gut bezahlen. Und andere, die eher junge Leute suchen, die sie selbst zurechtbiegen können.
    In den Naturwissenschaften hängt alles von der Spezifikation ab. Wenn sie das Sexualverhalten der Tiefseequallen untersuchen, werden sie wohl eher nicht beim start-up landen (obwohl: Wer weiss?). Wenn high-throughput screening von Substanzen in ihrer Promotion rauf-und-runter gemacht haben, oder sagen wir Massenspektroskopie-Experte geworden sind, haben sie höhere Chancen.

    • Hoplon
    • 21. November 2012 11:47 Uhr

    "Wurde der Bachelorabschluss nicht auch deswegen eingeführt, um der Wirtschaft möglichst junge und unkritische Absolventen (=Arbeitssklaven) zur Verfügung zu stellen? Und nun lese ich, dass die Unternehmen sich mit dem Bachelorabschluss noch nicht ausseinander gesetzt haben? Ja, was wollen die Unternehmen denn nun?"

    Ich kenn nur die biologische Variante. Wie es in anderen Naturwissenschaften aussieht kann ich nicht beurteilen.
    Dort wurde die Einführung des Bachelor, Master Systems offiziell mit der Angleichung an internationale Standarts begründet. Ein Diplom würde im Ausland nicht, oder kaum anerkannt (auf meinem Dipom wurde in Englisch vermerkt Dipom = Master). Inoffziell werden die Bachelor Absolventen als Drohkulisse gegen höhere Abschlüsse verwendet. Bei Biologen ist es ohnehin schon sehr einfach Löhne zu senken, da die mit anderen Fachrichtungen konkurrieren. Bachelor Absolventen, deren Qualifikation wohl kaum über der eines Technischen Assistenten liegen dürfte vereinfachen dies noch. Und vom Bachelor in den weiterführenden Master zu kommen ist bereits dort selektiv.

    Aus Sicht eines Unternehmens ist es gleichgültig ob Bachelor Absolventen in die Arbeitslosigkeit rennen. Entscheidend ist, ob Bachelor, oder Biologen mit weitergehendem Abschluss "bezahlbar" bleiben.

  2. "oder in einer wachsenden Branche wie der Biotechnik, in der aktuell Experten gesucht werden."

    Kann ich nur abraten. Stimmt zwar, dass dort Leute gesucht werden, aber es werden auch wirklich grosse Mengen an Studenten ausgebildet. Die meisten Absolventen, die jetzt und bald fertig werden, haben's schwer mit der Stellensuche.

    Ansonsten - ja, Naturwissenschaftler (noch mehr aber Ingenieure) haben viel Auswahl bei der Jobsuche nach dem Studium, die meisten kommen rasch unter.

    Vielleicht falsch, aber meine Erfahrung - aj

  3. "Ein naturwissenschaftliches Studium besteht aus viel Theorie."

    Stimmt natürlich. Wir wälzen aber nicht nur Lehrbücher, sondern wir arbeiten auch praktisch im Bachelor.
    Ich bin derzeit Chemiestudent im 3. Semester und wir absolvieren dort nicht nur die Vorlesungen, sondern nehmen dort auch an Praktikas teil, wo man auch experimentelle Grundlagen erlernt.

    • lezteul
    • 20. November 2012 20:37 Uhr

    Sie haben vollkommen recht, aber leider muss man dazu sagen, dass es tatsächlich so gewollt ist.

    Der Markt wird mit mehr oder weniger hochqualifizierten Absolventen geflutet, damit die dann bereit sind für möglichst wenig Geld und unter prekären Beschäftigungsverhältnissen zu arbeiten.

    Die Studenten wirbt man noch mit dem Versprechen an, dass nach dem Studium ja "alle Türen offen stünden".

    Das eine Hochschulkarriere planbar wäre, wie der Autor behauptet, wird durch die Praxis aber kaum bestätigt. Stellen für den wissenschaftlichen Nachwuchs gibt es nämlich kaum, die DFG weigert sich systematisch PostDoc Stellen zu finanzieren, und Professuren werden häufig nicht wieder besetzt sobald diese in Rente gehen. Schlimmer noch, viele Professoren "kleben" an ihrem Sessel bis zim Alter von 68 und machen keinem Platz für den Nachwuchs. Der bekommt dann gemäß WissZeitVG nach 12 Jahren Berufsverbot, ist bereits 40 Jahre alt und findet in der Wirtschaft keine Job - weil zu alt und zu spezialisiert ... In anderen Worten: Wir leisten uns die Ausbildung von Wegwerf-Akademikern.

    Besonders davon betroffen sind Biologen von denen viel, viel mehr ausgebildet werden als der Arbeitsmarkt hergibt. Leider gibt es für diesen Beruf keine "Alleinstellungsmerkmale", selbst die Molekularbiologische Diagnostik, für die eigentlich Biologen viel besser ausgebildet sind, wurde in die Hand von Medizinern gegeben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es gibt Fächer, in denen die Einführung des Bachelors die ohnehin angespannte Arbeitsmarktlage noch verschlimmert. Sie sprachen von Biologen: Ich kenne jemanden, der auch mit einem Diplom in Biologie lange arbeitslos war, dann fachfremd gearbeitet hat und schließlich nach Jahren irgendwann eine halbwegs dem Berufsbild entsprechende Stelle gefunden hat. Ich weiß nicht, was man mit einem Biologie-Bachelor anfangen soll, aus dieser Perspektive betrachtet. Alles, was mit Molekularbiologie, Biochemie, Genetik oder medizinnahen Bereichen zu tun hat, ist im Studium schon entsetzlich überlaufen. Promotionsstellen gibt es noch, denn die Doktoranden werden als billige Arbeitskräfte gebraucht. Danach wird die Luft sehr, sehr dünn. Die Konkurrenz ist groß, die Arbeitsbedingungen teilweise unterirdisch (wenn sie das in der Promotion nicht auch schon waren). Die "klassischen" Fächer der Biologie sind nahezu abgeschafft; wer sich dennoch traut, sich mit solchen "Exotika" zu beschäftigen, bekommt beim Arbeitsamt erzählt, sie würden einen schon in Ruhe lassen, da gäb's eh nichts. so erging es einem meiner Bekannten. Da braucht's schon eine Menge Überzeugung, um doch nicht lieber Klempner zu werden, oder irgendetwas, mit dem man Geld verdienen kann...

    • QW
    • 20. November 2012 22:46 Uhr

    "Der bekommt dann gemäß WissZeitVG nach 12 Jahren Berufsverbot, ist bereits 40 Jahre alt und findet in der Wirtschaft keine Job - weil zu alt und zu spezialisiert"
    Wenn nur das Alter entscheidend ist und die Aussage stimmt, sollten sich die Personaler vielleicht folgende Studie genauer anschauen:
    http://www.pnas.org/content/suppl/2011/11/04/1102895108.DCSupplemental/s...
    Manche der Preisträger haben ihren "highest degree" um die 40 und darüber erlangt.

  4. Es gibt Fächer, in denen die Einführung des Bachelors die ohnehin angespannte Arbeitsmarktlage noch verschlimmert. Sie sprachen von Biologen: Ich kenne jemanden, der auch mit einem Diplom in Biologie lange arbeitslos war, dann fachfremd gearbeitet hat und schließlich nach Jahren irgendwann eine halbwegs dem Berufsbild entsprechende Stelle gefunden hat. Ich weiß nicht, was man mit einem Biologie-Bachelor anfangen soll, aus dieser Perspektive betrachtet. Alles, was mit Molekularbiologie, Biochemie, Genetik oder medizinnahen Bereichen zu tun hat, ist im Studium schon entsetzlich überlaufen. Promotionsstellen gibt es noch, denn die Doktoranden werden als billige Arbeitskräfte gebraucht. Danach wird die Luft sehr, sehr dünn. Die Konkurrenz ist groß, die Arbeitsbedingungen teilweise unterirdisch (wenn sie das in der Promotion nicht auch schon waren). Die "klassischen" Fächer der Biologie sind nahezu abgeschafft; wer sich dennoch traut, sich mit solchen "Exotika" zu beschäftigen, bekommt beim Arbeitsamt erzählt, sie würden einen schon in Ruhe lassen, da gäb's eh nichts. so erging es einem meiner Bekannten. Da braucht's schon eine Menge Überzeugung, um doch nicht lieber Klempner zu werden, oder irgendetwas, mit dem man Geld verdienen kann...

  5. Die Promotion ist in der Chemie die Regel (weshalb mir der Nutzen des Bachelors dort besonders fragwürdig vorkommt), bei anderen Naturwissenschaftlern ist sie häufig (30 bis 45%), aber nicht Standard.
    Die guten Jobaussichten, diese Mär kennt man von den Ingenieuren, den Informatikern, bei den ganzen MINT-Fächern stimmt sie einfach nicht, es gibt nur ein paar sehr spezialisierte Nieschen, wo tatsächlich Leute fehlen, aber auch genug Biologen an der Supermarktkasse (beim Bio-Supermarkt). Und auch Physiker, Chemiker und Geologen sind nicht selten unterqualifiziert beschäftigt. Die meisten freilich werden Lehrer, aber das Referendariat ist extrem hart (aus meinem Jahrgang etwa die Hälfte, das wäre dann wirklich "Standard")
    Überspitzt formuliert: Studieren lohnt nicht, egal ob Germanistik oder Physik, Philosophie oder Bauingenieurwesen, wer sein Fach liebt, sollte es tun, aber der Preis ist hoch, Facharbeiter verdienen mehr und haben eine sicherere Position (bei deutlich kürzeren Arbeitszeiten).

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    • lib-dem
    • 20. November 2012 23:36 Uhr

    ... exakt richtig!
    Auch aus meinem Semester sind am Ende viele (promovierte) Naturwissenschaftler Lehrer geworden.
    Ohne Pädagogik-Ausbildung, versteht sich.
    Und dann das Referendariat ...
    Und offensichtlich hängt es sehr vom Bundesland ab, ob man verbeamtet wird, Oberstufe unterrichten darf etc. p.p. oder vielleicht nur an die Berufsschule darf.
    Einer meiner drei besten Lehrer in meinem Studium (und die besten Lehrer sind NIE die Professoren) ist jetzt an einer Hamburger Gesamtschule. Aufgegeben mit 45 Jahren.
    Super!

    • QW
    • 20. November 2012 22:46 Uhr
    7. Alter

    "Der bekommt dann gemäß WissZeitVG nach 12 Jahren Berufsverbot, ist bereits 40 Jahre alt und findet in der Wirtschaft keine Job - weil zu alt und zu spezialisiert"
    Wenn nur das Alter entscheidend ist und die Aussage stimmt, sollten sich die Personaler vielleicht folgende Studie genauer anschauen:
    http://www.pnas.org/content/suppl/2011/11/04/1102895108.DCSupplemental/s...
    Manche der Preisträger haben ihren "highest degree" um die 40 und darüber erlangt.

    • ludna
    • 20. November 2012 23:11 Uhr

    »Wer eine Wissenschaftskarriere anstrebt, sollte versuchen, vorauszuahnen, welche Forschungsfragen in zehn Jahren relevant sind",

    Was in 10 Jahren relevant ist, kann man nicht vorhersagen. Das ist dann einfach Glück. Prinzipiell sind TEchniken wichtiger als inhaltliche Fragen, denn die sind alle schon gestellt, nur nicht beantwortet.

    Neue Techniken sind dann wie ein Gold Rush, um diese Fragen neu zu untersuchen. Schnell stellt sich Ernüchterung ein, weil die neuen Techniken doch nicht so toll sind, aber häufig reicht die Zeitspanne aus um sich eine bequeme, unkündbare Beamtenstelle zu sichern (sorry Prof. Stelle) .

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