VorstellungsgesprächeWas frage ich bloß?

Welche Fragen man beim Vorstellungsgespräch stellen sollte – und warum. von Lisa Srikiow

Können Sie mir etwas über die Unternehmenskultur erzählen?

Mit dieser Frage kann man prüfen, ob man nicht nur zur ausgeschriebenen Stelle, sondern auch in die Firma passt. Zur Unternehmenskultur gehört, ob der Chef geduzt wird, ob es Betriebssportkurse gibt und durch wie viele Instanzen neue Ideen gehen, bis sie umgesetzt werden. Solche Aspekte werden oft vergessen, sind aber im Arbeitsalltag wichtig. Am besten vergleicht man das, was der Personalchef berichtet, mit dem, was einem bisher bei Praktika gut gefallen hat.

Kann ich den Abteilungsleiter kennenlernen?

Wenn der direkte Vorgesetzte nicht beim Vorstellungsgespräch dabei ist, sollte man sich nach ihm erkundigen und fragen, ob es möglich ist, ihn kennenzulernen. Dasselbe gilt für potenzielle Kollegen. Schließlich wird man mit diesen Menschen viel Zeit verbringen. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, um herauszufinden, wer wem zuarbeitet. So bekommt man ein umfassendes Bild und zeigt Interesse.

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Was genau erwartet mich in den ersten Wochen?

Größere Firmen bieten Nachwuchskräften für den Einstieg häufig ein Mentoring-Programm an, ansonsten sollte es auf jeden Fall einen persönlichen Ansprechpartner geben. Fragt man außerdem, wie die Übergabe geregelt ist, erfährt man noch etwas über den Vorgänger. Wenn die Stelle neu geschaffen wurde, sollte man sich nach den Gründen erkundigen. So erkennt man, wo es vielleicht Startschwierigkeiten geben könnte.

ZEIT Campus Ratgeber 1/13

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 1/2013. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich?

Die Frage nach den Aufstiegschancen ist beliebt, denn damit demonstriert man Motivation und Ehrgeiz. Allerdings sollte man nicht zu forsch vorgehen, schließlich geht es gerade um eine konkrete Stelle. Aber es ist in Ordnung, zu signalisieren, dass man aufsteigen möchte, vor allem, wenn das zur Unternehmenskultur des Arbeitgebers passt. Es lohnt sich außerdem, zu fragen, welchen Weg erfolgreiche Mitarbeiter genommen haben. So gibt man dem Gesprächspartner die Gelegenheit, ein wenig zu prahlen.

Mit welchem Gehalt kann ich rechnen?

Manche fühlen sich bei der Frage nach Geld unwohl. Trotzdem kann und sollte man sie stellen, wenn nicht sowieso schon eine Gehaltsangabe in der Stellenanzeige stand. Ist klar, dass es noch ein zweites Gespräch geben wird, kann man sich die Frage dafür aufsparen. In jedem Fall gehört das Thema ans Ende des Gesprächs. Von Berufsverbänden und ehemaligen Kommilitonen erfährt man schon im Vorfeld, was man in einer Branche erwarten kann.

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Leserkommentare
  1. Auch mir fallen da nur Witze ein. Wie wäre es da mit einer Frage nach der Qualität der Kantine und der Zuverlässigkeit des Feienrabends?

    3 Leserempfehlungen
  2. - Warum sollte ich ausgerechnet in dieser Firma anfangen?
    - Wie hoch ist die Eigenkündigungsrate?
    - ...

    6 Leserempfehlungen
  3. 3. Alter

    Kriterien Frage.

    - Wie alt sind die Mitarbeiter in Durchschnitt
    - Gibt es bei ihnen eine Altersbegrenzung
    - Zahlen sie auch Mitarbeiter nach Erfahrung Altersgerecht
    - Bin ich nur die Urlaubsvertretung
    - Mögen die die Eierlegende Vollmilchsau (Ja oder Nein)
    - Gibt es bei ihnen einen Mindestlohn?
    - Zahlen sie die Überstunden auch aus oder gibt es die bei ihnen nicht auch wenn man welche macht.

    2 Leserempfehlungen
    • output
    • 18. August 2013 20:12 Uhr

    Die im Bericht aufgezählten Fragen, decken schon ein großes Spektrum ab. Darüber hinaus empfehle ich, sich mit der künftigen Firma zu beschäftigen. Hilfreich sind allgemein zugängliche Veröffentlichen / Börsenberichte. Daraus eine Frage zu stellen kommt super an. Z.B. Welche Chancen bedeutet die neue Strategie/Produkt für die Zukunft der Firma. Diese Frage sollte dann sich dann maßgeschneidert aus den Veröffentlichungen ergeben.

    Ein absolutes nogo ist, sich mit kleinen Scherzchen etwas kumpelhaft darstellen zu wollen. Dieser Schuss geht total nach hinten los.

    Eine Leserempfehlung
  4. "Ob ich noch Fragen habe?! Wieso? Haben Sie vergessen etwas Wesentliches zu erwähnen?!"

    Diese pseudopsychologischen Spielchen, wie die Gehaltsfrage ungeklärt zu lassen, bis der Bewerber sie stellt, um zu sehen, ob er sie stellt, zeichnen für mich schwache Personaler aus.

    Bei einem Startup oder Familienbetrieb, bei dem der Chef selbst die Vorstellungsgespräche führt ist das verzeihbar. Bei großen Konzernen, die extra studierte HRler anstellen, finde ich so eine hausfrauenwissenschaftliche Herangehensweise einfach nur peinlich.

    4 Leserempfehlungen
  5. Vielleicht sollte man den Spieß mal umdrehen und auch mal fragen: Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren? Was sind die größten Stärken und Schwächen meines zukünftigen Vorgesetzten? Nennen Sie mir die bisherigen größten Erfolge meines Vorgesetzten/meiner Kollegen! Warum sollte ich gerade bei Ihnen anfangen und nicht woanders?

    Das Gesicht der Personaler würde ich gern sehen!

    3 Leserempfehlungen
    • Mike M.
    • 18. August 2013 22:24 Uhr

    der Vorstellungsgesprächs befindet, geht es wohl erst einmal darum, einen guten Eindruck zu machen. Sicherlich zeigt man durch Fragen wie oben Interesse und Engagement. Die wirklich kritischen Punkte spricht man aber besser dann an, wenn man schon eine Zusage hat.

  6. Das möchte ich sehen, wie einige der Kommentatoren hier den Spieß umdrehen und nach Stärken und Schwächen des Unternehmens fragen oder die "Psychospielchen der HRler" erkennen und frech Gegenfragen stellen.

    - Wird die Stelle, auf die ich mich bewerbe, neu besetzt?
    - Wenn ja, wie lange war der Mitarbeiter zuvor auf dieser Stelle?
    - Wie schaut mein Arbeitsumfeld aus? Mit wem arbeite ich zusammen?
    - Wie ist der Ablauf eines klassischen Arbeitstages? Was ist das Kerngeschäft?

    Wenn das Interesse auf Gegenseitigkeit beruht, läuft das Gespräch in einer Atmosphere, in der solche Spielchen nicht nötig sind.

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  • Schlagworte Bewerbung | Bewerbungsgespräch | Vorstellungsgespräch | Arbeitgeber | Chef | Stellenanzeige
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