Berufseinstieg Wie kann ich mich spezialisieren?
In keinem Fach sind die Erstsemesterzahlen so hoch wie in den Wirtschaftswissenschaften. Wir zeigen, wie man sich mit Spezialwissen von der Masse abhebt.
Wirtschaftswissenschaften sind beliebt. Rund 100.000 Erstsemester schrieben sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im vergangenen Jahr in Deutschland für Betriebswirtschafts- und Volkswirtschaftslehre ein, mehr als in allen anderen Fächern. Und wer fertig ist mit dem Studium, hat gute Berufsaussichten, denn Wirtschaftswissenschaftler werden überall gebraucht, in Familienbetrieben und Großkonzernen, bei Fluggesellschaften und Banken. Deshalb sind sie auch nicht von der Konjunktur einzelner Branchen abhängig. Geht es der Autoindustrie gut, kommen Wirtschaftswissenschaftler dort unter, boomt die Baubranche, finden viele hier eine Stelle.
Wo es viele Absolventen und viele Stellen gibt, sollte man sich allerdings fragen, wie man das bekommt, was man möchte. Wie setzt man sich von der Masse der Mitbewerber ab? Sinnvoll ist es, sich zu spezialisieren – entweder auf eine bestimmte Branche oder eine bestimmte Tätigkeit. Die Klassiker sind Vertrieb, Marketing, Rechnungswesen und Controlling. Rund 70 Prozent aller Stellen für Wirtschaftswissenschaftler werden nach Einschätzung des Bundesverbands Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) in diesen Bereichen angeboten. Bei den Branchen liegen laut Hochschul-Informations-System (HIS) Banken und das Kreditgewerbe vorn, gefolgt vom Handel sowie der Rechts- und Wirtschaftsberatung.
»Wir schreiben jede Stelle mit einem konkreten Fokus aus. Wer sich mit passenden Fachkenntnissen aus Studium und Praktika darauf bewirbt, hat die besten Chancen«, sagt Dirk Pfenning, der für die Personalgewinnung beim Chemie- und Pharmakonzern Bayer zuständig ist.
Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.
Der erste Schritt zur Spezialisierung lässt sich schon im Bachelorstudium erledigen, indem man überlegt, was einem liegt. Ein analytischer Mensch passt ins Finanz- und Rechnungswesen oder ins Controlling, ein kreativer, kommunikativer Typ eher ins Marketing oder den Vertrieb. Wer ungern verreist, sollte zum Beispiel Unternehmensberatungen als zukünftigen Arbeitgeber ausschließen. »So kann man potenzielle Branchen und Jobs immer weiter einkreisen«, sagt Dieter Schädiger, Geschäftsführender Vizepräsident des bdvb.
Bevor man sich für oder gegen den Master entscheidet, sollte man noch einmal überlegen, wo man später arbeiten möchte. Für einige Stellen, beispielsweise im Vertrieb, reicht es häufig, wenn Bewerber Basiswissen haben und einen Bachelorabschluss mitbringen. Wer dagegen sicher ist, dass er in eine Führungsposition möchte, braucht den höheren Abschluss. Neben allgemeinen BWL- oder VWL-Masterprogrammen kann man sich auch für spezialisierte Studiengänge wie Logistik oder Controlling einschreiben. Dirk Pfenning von Bayer rät: »Verschaffen Sie sich im Bachelor einen Überblick, und spezialisieren Sie sich im Master.« Grundsätzlich orientieren sich große Unternehmen stärker an Studienabschlüssen als kleine Firmen und Mittelständler. Konzerne nutzen häufig am Anfang des Bewerbungsverfahrens automatisierte Auswahlprozesse, die Bewerber ohne den entsprechenden Abschluss erst gar nicht berücksichtigen.
- Beschäftigung
Ein Jahr nach ihrem Abschluss haben laut dem Bundesverband Deutscher Volks- und Betriebswirte (bdvb) rund 70 Prozent aller Wirtschaftswissenschaftler einen Job. Die Hälfte der Absolventen steigt mit einer vollen, unbefristeten Stelle ein. 16 Prozent beginnen mit einem befristeten Vertrag, zwölf Prozent mit einer Traineestelle, und vier Prozent arbeiten auf einer unbefristeten Teilzeitstelle. Die restlichen 18 Prozent sind selbstständig oder über Werkverträge für einen kürzeren Zeitraum eingestellt.
- Führungsposition
Zehn Jahre nach ihrem Abschluss arbeiten laut Hochschul-Informations-System (HIS) 29 Prozent der Wirtschaftswissenschaftler als leitende Angestellte. Damit liegen sie im Fächervergleich weit über dem Durchschnitt, denn insgesamt schaffen es nur 13 Prozent aller Akademiker auf solch eine Position.
- Gehalt
Die besten Einstiegsgehälter zahlen große Unternehmensberatungen. Nach Informationen des HIS verdienen hier schon Einsteiger häufig zwischen 50.000 und 60.000 Euro brutto im Jahr. In anderen Branchen bekommen Wirtschaftswissenschaftler anfangs durchschnittlich auf 38.000 bis 40.000 Euro. Direkteinsteiger verdienen mehr als Trainees. Zehn Jahre nach ihrem Abschluss kommen Absolventen im Schnitt auf rund 60.000 Euro.
- Weitere Informationen
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Die beliebtesten Arbeitgeber von Wirtschaftswissenschaftsstudenten sind Audi, BMW, Porsche, Lufthansa, VW und Google.
Auf der Homepage des bdvb gibt es eine Stellenbörse mit Firmenkontakten.
Hilfreiche Tipps für den Weg in die Selbstständigkeit gibt es auf der Homepage existenzgruender.de
Eine Datenbank mit Traineestellen gibt es im Internet unter trainee-gefluester.de
Praktika können dabei helfen, sich zu spezialisieren und für einen bestimmten Bereich zu qualifizieren. Dieter Schädiger rät, während des Studiums mindestens zwei zielgerichtete Praktika zu machen. Eines davon sollte im Ausland sein, denn internationale Erfahrung werde bei Wirtschaftswissenschaftlern überall vorausgesetzt – sogar von Mittelständlern.
- Datum 25.11.2012 - 16:18 Uhr
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- Quelle ZEIT CAMPUS Ratgeber
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Einer von vielen Gründen, warum immer mehr BWLer gesucht werden als Geisteswissenschaftler und Naturwissenschaftler, ist doch, dass sie unterqualifiziert sind.
Vergleichen Sie doch mal Lernaufwand in Mathe mit dem in Wiwi (Es soll nicht wieder typisch Economics vs. Mathematics sein). Da stellt man fest, dass Naturwissenschaftler und Geisteswissenschaftler wie z.B. Philosophen während des Studiums viel mehr zu tun haben als Wiwi´s.
Wer ein hartes Studium schafft, erwartet auch eine von vielen Leuten aufgehobene Arbeitsbedingung wie Gehalt.
Dass Geisteswissenschaftler oder Naturwissenschaftler ihr Fachwissen in der Wirtschaft nicht so einfach umsetzen können (weil ihr Fachwissen nicht notwendig ist), ist richtig.
Aber alles, was man in der Wirtschaft tut und arbeitet, kann man "on the job" lernen. Dafür bräuchte man eig. kein Studium.
Wenn es ihnen immer noch klar ist:
-Lassen Sie Mathematiker einfach Buchführung, Marketing-Strategie etc. lernen und schauen sie, wie lange sie dafür brauchen.
-Lassen Sie wiederrum BWLer einfach Mathematik lernen und schauen sie, wie lange sie dafür brauchen.
Viele Modelle, die VWLer verweden, sind keine wirtschaftswissenschaftlichen Modelle, da sie von Mathematikern und Physikern entwickelt worden sind.
-Steady State (Ein Modell, welches in Physik verwedent wird)
-Game Theory (Nash und Selten = eig. reine Mathematiker)
-Black Scholes (Alle Mathematiker)
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