MasterplätzeWie bekomme ich einen Masterplatz?

Der Leiter der Zentralen Studienberatung der Uni Münster erklärt, warum Bewerber für ein Masterstudium zuversichtlich sein können. von Mischa Drautz

ZEIT Campus: Herr Schott, muss ich Angst haben, keinen Masterplatz zu bekommen?

Peter Schott: Es gibt da eine gewisse Panikmache: Jeder hat schon mal von jemandem gehört, der irgendwo nicht genommen worden ist. Und daraus folgt schnell: Es gibt kaum Plätze. Das stimmt so aber nicht. Natürlich sind die Studienplätze in begehrten Fächern wie Psychologie und BWL an renommierten Unis begrenzt, aber deswegen muss keiner fürchten, nicht unterzukommen.

Anzeige

ZEIT Campus: Also bekommt jeder, der möchte, auch einen Masterstudienplatz?

Schott: Wer keine guten Noten hat und auch sonst wenig vorweisen kann, darf nicht wählerisch sein. Aber jemand, der sich deutschlandweit bewirbt, wird kaum leer ausgehen. In ein paar Jahren, das gebe ich zu, kann die Situation wirklich bedenklich werden.

ZEIT Campus: Weil es im vergangenen Jahr eine halbe Million Erstsemester gab?

Schott: Ja, das sind enorme Dimensionen. Doch bis diese Erstsemester ihren Bachelor haben, dauert es noch. Entweder verstärkt sich bis dahin der Trend, dass immer mehr Bachelorabsolventen direkt in den Beruf einsteigen, oder es muss mehr Geld für Masterplätze zur Verfügung gestellt werden. Doch wessen Masterstudium jetzt ansteht, für den sieht es gut aus.

ZEIT Campus: Viele Bachelorabsolventen haben aber Schwierigkeiten, den passenden Masterstudiengang zu finden.

Schott: Das mag sein, könnte aber auch damit zusammenhängen, dass sie bei ihrer Wahl nicht sehr kreativ waren. Nach einem Bachelor in Germanistik muss es nicht zwingend ein Master in Germanistik sein. Vielleicht spezialisiert man sich lieber in Sprachwissenschaft oder Komparatistik, vielleicht ist auch die Konkurrenz dort kleiner. Natürlich ist die Suche nach spannenden Masterstudiengängen nicht leicht, das Angebot ist groß. Die beste Übersicht liefert wahrscheinlich der Hochschulkompass, die Datenbank der deutschen Hochschulen. Zusätzlich sollte man die Internetseite der Hochschulen konsultieren.

ZEIT Campus Ratgeber 2/2013
ZEIT Campus Ratgeber 2/2013

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Haben Sie weitere Tipps?

Schott: Aufgrund des Bildungsföderalismus gibt es keinen Standardweg für die Suche, aber die Länder Berlin und Brandenburg haben eine Broschüre herausgegeben, in der sie ihr komplettes Masterangebot auflisten. Auch die Internetseite masterwiki.de kann helfen. Studenten geben dort Tipps, mit welchem Bachelorabschluss welche Masterbewerbung sinnvoll ist; dort kann man Neues entdecken. Ansonsten rate ich von privaten Datenbanken eher ab, sie sind im besten Fall unvollständig, oft einfach fehlerhaft.

ZEIT Campus: Laut Hochschul-Informations-System bewirbt sich jeder Student im Durchschnitt an acht Hochschulen. Ist das nicht zu viel?

Schott: Es kommt immer auf die persönlichen Voraussetzungen an: Wenn sich jemand mit durchschnittlichen Noten nur in Hamburg, Berlin und München bewirbt, dann wird er es schwer haben. Selbstverständlich kann man sich bewerben, wo man möchte, aber man sollte sich nicht auf die attraktivsten Städte beschränken. Es sollten zumindest ein paar Unis dabei sein, an denen nicht auch alle anderen studieren wollen.

ZEIT Campus: Woher weiß ich überhaupt, wie begehrt ein Studiengang ist?

Schott: Einfach bei der Zentralen Studienberatungsstelle der betreffenden Hochschule nachfragen. Die nennen zwar keine konkreten Zahlen, haben aber eine ungefähre Vorstellung und können entweder sagen: "Puh, aufpassen! Sehr viele Bewerber", oder: "Kein Problem, die freuen sich auf dich."

Leserkommentare
  1. A) Der Wechsel der Uni/FH klingt erst mal toll da, dass ja jetzt möglich ist durch das Bachelor und Master System aber in Realität erkennt jede Uni/FH.. nur und ausnahmslos nur ihren Bachelor an.
    Falls man wechseln will muss man ca. 1-4 Semester (je nach Aufwand) nachträglich nochmal den Bachelor studieren.

    B) Der Komplette Fach Wechsel funktioniert im angelsächsischen Raum aber nicht bei uns.
    Dort kann man mit einem Ingeneursbachelor einen Wirtschafts Master weiterstudieren versuchen sie es mal bei uns.

    C) Man muss halt gut sein. Tolle antwort! Jeder der nicht die 2,5 (In der für den Masterübertritt erforderlich) schafft darf also komplett neu anfangen.
    Bei Studiengängen bei dennen der Master für einen Berufsstart erforderlich ist ? Da hat man halt dann Pech oder wie?

    D) Ja man kann anrufen. 1h wöchentlich Freitags von 8-9.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Sredna
    • 15. April 2013 17:36 Uhr

    Zu Punkt A - wo haben sie das denn her? Möglich, dass es bei "exotischeren" Bachelors schon mal hakelig wird - aber bei den Standardfächern wie z.B. BWL, Architektur, Biologie etc. haut das immer hin. Ich habe noch nie von jemandem gehört, der einen Bachelorabschluss nicht anerkannt bekommen hat, kenne dafür aber jede Menge Leute, die zum Master - ob gewollt oder ungewollt - gewechselt haben.

    Ändert natürlich nichts am Kern der Sache - es gibt eindeutig zu wenig Plätze, und mit dem Bachelor ist in den meisten Fällen kein Blumentopf zu holen. Ich studiere Biologie, da wird die Promotion quasi erwartet - und da soll ich's mit dem Halbwissen aus drei Jahren Bachelor auf dem Arbeitsmarkt versuchen? Guter Witz.

  2. Der Satz "Wer keine guten Noten hat und auch sonst wenig vorweisen kann, darf nicht wählerisch sein." gefällt mir sehr gut; man hört in leider viel zu selten.

    Ansonsten liebe Bachelorstudenten und Erstsemester:

    Macht euch keine Sorgen!

    Studiert offen, begeistert und mutig!

    Hört in Bezug auf Panikmeldungen wenig auf die Medien und eure panikmachenden Kommilitonen!

    Genießt euer Studium!

  3. > Doch bis diese Erstsemester ihren Bachelor haben, dauert es noch.

    Genau, naemlich ach so lange 3 Jahre...

    >Entweder verstärkt sich bis dahin der Trend, dass immer mehr >Bachelorabsolventen direkt in den Beruf einsteigen, oder es muss mehr >Geld für Masterplätze zur Verfügung gestellt werden.

    Wovon, wenn wir ehrlich sind, beides nicht zutreffen wird. Weder wird die Akzeptanz eines Bachelorabschlusses steigen, welcher zumeist nur fachliches Grundlagenwissen bietet (kann das fuer mich in der BWL bestaetigen), noch wird sich in der traegen deutschen Bildungspolitik innerhalb von 3 Jahren etwas bei der mauen Finanzierung der Hochschulen aendern.

    >Doch wessen Masterstudium jetzt ansteht, für den sieht es gut aus.

    Na dann bin ich ja beruhigt und gehe fuer mein Masterstudium trotzdem nach Holland, das mir eher als hier einen Fachwechsel erlaubt und Bildung anders als in Deutschland staerker priorisiert. Zwar zahle ich mehr direkte Studiengebuehren, werde aber selbst als Deutscher vom hollaendsichen Staat finanziell unterstuetzt.

  4. Ich kenne genug Leute, die Wartesemester eingeschoben haben.

    4 Leserempfehlungen
    • Sredna
    • 15. April 2013 17:36 Uhr
    5. ??????

    Zu Punkt A - wo haben sie das denn her? Möglich, dass es bei "exotischeren" Bachelors schon mal hakelig wird - aber bei den Standardfächern wie z.B. BWL, Architektur, Biologie etc. haut das immer hin. Ich habe noch nie von jemandem gehört, der einen Bachelorabschluss nicht anerkannt bekommen hat, kenne dafür aber jede Menge Leute, die zum Master - ob gewollt oder ungewollt - gewechselt haben.

    Ändert natürlich nichts am Kern der Sache - es gibt eindeutig zu wenig Plätze, und mit dem Bachelor ist in den meisten Fällen kein Blumentopf zu holen. Ich studiere Biologie, da wird die Promotion quasi erwartet - und da soll ich's mit dem Halbwissen aus drei Jahren Bachelor auf dem Arbeitsmarkt versuchen? Guter Witz.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Schott hat nicht Recht"
  5. Natürlich kann man den Master an einer anderen Uni machen und vor allem auch in einem anderen Land. Das ist ja der Witz des Bologna-Systems. Ganz abgesehen davon, würde ich jemandem mit schlechten Noten raten, erstmal in die Praxis zu gehen und dort herauszufinden, wie es weiter gehen soll. Man muss sich ja auch die Frage stellen, warum man schlechte Noten hat, und herausfinden, wie man sich verbessern kann. Dafür ist etwas Distanz von der Uni sehr nützlich.

    Ich kenne viele Studiengänge, die zu wenige Masterstudierende haben. Panik ist also überhaupt nicht angesagt. Kann sein, dass in Deutschland der Bachelor noch nicht überall als berufsbefähigender Abschluss anerkannt ist. Sicherlich ist er nicht mit dem Diplom oder Magister gleich zu setzen.

    Was die Fortsetzung in einem Master mit anderer Ausrichtung betrifft, so gibt es eine gewisse Flexibilität, oft gepaart mit der Auflage, ein paar zusätzliche Kurse aus dem Bachelorstudium zu belegen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die schlechteren Noten im Studium lassen sich kaum durch Praxiserfahrung kompensieren. Eine zeitliche Distanz zum theoretischen Studienstoff dürfte sogar eher hinderlich sein.

    Ich vermute eher, das jemand, der sich in der Praxis etabliert hat, dort auch bleiben will und ggf. den Master berufsbegleitend machen wird.

    Ich halte, ehrlich gesagt, die Aussagen von Herrn Schott als das überliche Psychologengeschwätz. Für naive Geister hilft es vielleicht, inneren Druck abzubauen und sich nicht durch schlechte Noten entmutigen zu lassen.

    Nüchtern betrachtet, werden die großen Pflöcke für das Bachelor/Master-System in den nächsten 10 Jahren eingeschlagen. Dann wird sich zeigen, was der jeweilige Abschluss wert ist.

    Meine Vermutung: Es wird ein sehr großer Teil Ausschuss sein, der sich auf dem Anerkennnungsniveau einer überbetrieblichen Ausbildung oder einer Arbeitsagentur-Zertifizierung bewegen wird. Die Bezahlung dürfte sich auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Die Ursache: Zu stark verschult und zu viele Absolventen.

  6. 7. […]

    Entfernt. Kein konkreter Themenbezug. Danke, die Redaktion/jp

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Beitrag, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

  7. 8. [...]

    Der Beitrag, auf den Sie sich beziehen, wurde entfernt. Danke, die Redaktion/jp

    Antwort auf "[…]"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service