ZEIT Campus: Herr Schott, muss ich Angst haben, keinen Masterplatz zu bekommen?

Peter Schott: Es gibt da eine gewisse Panikmache: Jeder hat schon mal von jemandem gehört, der irgendwo nicht genommen worden ist. Und daraus folgt schnell: Es gibt kaum Plätze. Das stimmt so aber nicht. Natürlich sind die Studienplätze in begehrten Fächern wie Psychologie und BWL an renommierten Unis begrenzt, aber deswegen muss keiner fürchten, nicht unterzukommen.

ZEIT Campus: Also bekommt jeder, der möchte, auch einen Masterstudienplatz?

Schott: Wer keine guten Noten hat und auch sonst wenig vorweisen kann, darf nicht wählerisch sein. Aber jemand, der sich deutschlandweit bewirbt, wird kaum leer ausgehen. In ein paar Jahren, das gebe ich zu, kann die Situation wirklich bedenklich werden.

ZEIT Campus: Weil es im vergangenen Jahr eine halbe Million Erstsemester gab?

Schott: Ja, das sind enorme Dimensionen. Doch bis diese Erstsemester ihren Bachelor haben, dauert es noch. Entweder verstärkt sich bis dahin der Trend, dass immer mehr Bachelorabsolventen direkt in den Beruf einsteigen, oder es muss mehr Geld für Masterplätze zur Verfügung gestellt werden. Doch wessen Masterstudium jetzt ansteht, für den sieht es gut aus.

ZEIT Campus: Viele Bachelorabsolventen haben aber Schwierigkeiten, den passenden Masterstudiengang zu finden.

Schott: Das mag sein, könnte aber auch damit zusammenhängen, dass sie bei ihrer Wahl nicht sehr kreativ waren. Nach einem Bachelor in Germanistik muss es nicht zwingend ein Master in Germanistik sein. Vielleicht spezialisiert man sich lieber in Sprachwissenschaft oder Komparatistik, vielleicht ist auch die Konkurrenz dort kleiner. Natürlich ist die Suche nach spannenden Masterstudiengängen nicht leicht, das Angebot ist groß. Die beste Übersicht liefert wahrscheinlich der Hochschulkompass, die Datenbank der deutschen Hochschulen. Zusätzlich sollte man die Internetseite der Hochschulen konsultieren.

Dieser Text stammt aus dem aktuellen ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Haben Sie weitere Tipps?

Schott: Aufgrund des Bildungsföderalismus gibt es keinen Standardweg für die Suche, aber die Länder Berlin und Brandenburg haben eine Broschüre herausgegeben, in der sie ihr komplettes Masterangebot auflisten. Auch die Internetseite masterwiki.de kann helfen. Studenten geben dort Tipps, mit welchem Bachelorabschluss welche Masterbewerbung sinnvoll ist; dort kann man Neues entdecken. Ansonsten rate ich von privaten Datenbanken eher ab, sie sind im besten Fall unvollständig, oft einfach fehlerhaft.

ZEIT Campus: Laut Hochschul-Informations-System bewirbt sich jeder Student im Durchschnitt an acht Hochschulen. Ist das nicht zu viel?

Schott: Es kommt immer auf die persönlichen Voraussetzungen an: Wenn sich jemand mit durchschnittlichen Noten nur in Hamburg, Berlin und München bewirbt, dann wird er es schwer haben. Selbstverständlich kann man sich bewerben, wo man möchte, aber man sollte sich nicht auf die attraktivsten Städte beschränken. Es sollten zumindest ein paar Unis dabei sein, an denen nicht auch alle anderen studieren wollen.

ZEIT Campus: Woher weiß ich überhaupt, wie begehrt ein Studiengang ist?

Schott: Einfach bei der Zentralen Studienberatungsstelle der betreffenden Hochschule nachfragen. Die nennen zwar keine konkreten Zahlen, haben aber eine ungefähre Vorstellung und können entweder sagen: "Puh, aufpassen! Sehr viele Bewerber", oder: "Kein Problem, die freuen sich auf dich."