"Das ist wie bei einem Handyvertrag"

Wie man kündigt, ohne anderen wehzutun, erklärt der Coach Tom Diesbrock, 50: Immer schön sachlich bleiben!

ZEIT Campus: Wie erkläre ich meinem Chef, dass ich nicht mehr für ihn arbeiten will?

Tom Diesbrock: Niemals zwischen Tür und Angel. Der Rest kommt ganz auf das Unternehmen an. Wenn die Firmenkultur sehr formell ist, empfehle ich eine schriftliche Kündigung. Wenn Sie sich gut mit Ihrem Chef verstehen, sollten Sie es ihm persönlich sagen.

ZEIT Campus: Was sollte man auf keinen Fall sagen?

Diesbrock: Dass es einem "ganz doll leid tut". Diesen Fehler machen viele, aber das ist total fehl am Platz. Selbst wenn es im Job noch so freundschaftlich zugeht, ist das eine Geschäftsbeziehung und keine Liebesbeziehung. Das sollte sich am Arbeitsplatz nicht vermischen. Und: Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Das ist wie bei einem Handyvertrag. Wenn Sie den kündigen, entschuldigen Sie sich doch auch nicht mit warmen Worten.

ZEIT Campus: Zu meinem Handyanbieter habe ich aber keine persönliche Beziehung. Zu meinem Chef und zu den Kollegen schon.

Diesbrock: Wenn Sie ein gutes Verhältnis haben, können Sie Ihrem Chef ausführlicher die Gründe für Ihre Kündigung erklären. Mehr sollten Sie nicht tun. Viele Menschen haben ein falsches Verständnis von Loyalität. Dabei ist es Ihr gutes Recht, zu kündigen.

ZEIT Campus: Was, wenn ich meinen Kollegen durch die Kündigung mehr Arbeit aufhalse?

Diesbrock: Sie sollten Ihren Übergang im Team planen, nicht im stillen Kämmerlein. Aber es ist nicht Ihre Aufgabe, dafür zu sorgen, dass es allen gut damit geht. Sie sollten auf jeden Fall vermeiden, schon vor der offiziellen Kündigung mit Ihren Kollegen darüber zu sprechen. Auch dann nicht, wenn Sie über die Zukunft eines Projekts reden, das dadurch möglicherweise gefährdet ist. Ihr Chef muss immer als Erster von der Kündigung erfahren.

ZEIT Campus: Was mache ich, wenn ich innerhalb des Unternehmens wechseln will?

Diesbrock: Das braucht ein wenig Fingerspitzengefühl. Normalerweise sollte Ihr Chef schon davon wissen. Wenn er nichts von Ihrer Bewerbung weiß, besprechen Sie das Vorgehen am besten in der neuen Abteilung. Vielleicht lässt sich die Sache auf der Chefebene klären.

ZEIT Campus: Sagt man bei einer Kündigung so früh wie möglich Bescheid oder erst kurz vor Beginn der vertraglichen Kündigungsfrist?

Diesbrock: Wenn Sie sich mit Ihrem Chef und den Kollegen gut verstehen: so früh wie möglich. Wenn Sie befürchten, Ihr Chef könnte die Kündigung persönlich nehmen, wären Sie verrückt, schon lange im Voraus zu kündigen.

ZEIT Campus: Sollte ich meinem Chef sagen, warum ich kündige, wenn ich ihn damit kritisiere?

Diesbrock: Wenn er Sie fragt und Sie höflich bleiben: ja. Das gibt ihm die Chance, es besser zu machen. Sie dürfen aber schweigen. Er hat kein Recht darauf, Ihre Gründe zu erfahren.

ZEIT Campus: Und wenn er mich überredet, zu bleiben?

Diesbrock: Sie sollten sich vor dem Gespräch fragen: Was sind meine Gründe? Wie kann ich diese sachlich formulieren? Wo bin ich verführbar? Dann fällt es leichter, konsequent zu bleiben.

ZEIT Campus: Was mache ich, wenn mein Chef mich nach meiner Kündigung gezielt mit Arbeit bombardiert, um mich zu bestrafen?

Diesbrock: Davor sollten Sie sich konsequent schützen. Ich würde keinem Menschen raten, die drei Monate der Kündigungsfrist hindurch oder länger den Duckmäuser zu machen, nur damit am Ende das Zeugnis gut ausfällt. Wenn Ihr Chef ein Choleriker ist oder seine Mitarbeiter schlecht behandelt, sparen Sie genug Urlaub an, um die Zeit zu überbrücken.

ZEIT Campus: Apropros Zeugnis: Wenn mir ein Job schon nach kurzer Zeit nicht mehr gefällt, ist es dann okay, direkt zu kündigen, oder sieht das im Lebenslauf seltsam aus?

Diesbrock: Das ist die Neurose Ihrer ganzen Generation: Sie sind ständig fixiert auf Ihren Lebenslauf. Wenn Sie einen Versuch starten und der in die Hose geht, können Sie selbstverständlich auch nach einem Monat kündigen.

* Name geändert