Dozenten und Professoren schreiben ihren Studenten vor, welche Bücher sie für ein Seminar oder für eine Vorlesung lesen müssen. Das ist nichts Besonderes. Manchmal prüfen sie in Klausuren, ob ihre Studenten das tatsächlich getan haben. Meistens kann man die Bücher aus der Bibliothek ausleihen, manchmal gibt es Reader aus dem Copyshop zum Selbstkostenpreis, gelegentlich muss man ein Buch auch mal kaufen. Bloß: Was ist, wenn ein Professor als Pflichtlektüre ein Buch vorschreibt, das er selbst verfasst hat? Und bei dem er an jedem verkauften Exemplar mitverdient? Kommt das oft vor? Und ist das okay – oder korrupt?

Ende vergangenen Jahres haben wir einen großen Aufruf in der ZEIT und auf ZEIT ONLINE gestartet. Mit der Hilfe von Studenten aus ganz Deutschland wollten wir herausfinden, ob Dozenten ihre Werke als Lektüre empfehlen, wie viel diese Bücher kosten und ob die Inhalte Pflichtstoff für die Klausuren sind. Rund 1.200 Studenten von mehr als 160 Hochschulen haben uns geantwortet.

An vielen Unis scheint es demnach normal zu sein, dass Professoren die eigenen Bücher empfehlen. Uns wurden 580 Professoren genannt, die von Studenten fordern, dass sie ihre Bücher kaufen. Durchschnittlich kostet so ein Buch 30 Euro. Management-Studenten müssen im Schnitt sogar 60 Euro zahlen. Das teuerste Professorenbuch, von dem uns berichtet wurde, kostet 149 Euro.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 2/14. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Die Teilnehmer unserer Umfrage gaben an, dass rund die Hälfte der Professoren in Klausuren Inhalte abfragen, die nicht in der Vorlesung behandelt wurden, sondern nur in ihrem Buch stehen. Diese Zahlen sind zwar nicht repräsentativ. Wir haben einzelne Professoren angerufen, aber nicht jeden Beitrag zu unserer Umfrage konnten wir überprüfen. Trotzdem deuten die Einsendungen darauf hin, dass viele Professoren sich etwas zu ihrem Gehalt dazuverdienen, indem sie ihre Machtposition im Hörsaal ausnutzen. Besonders krass ist das Beispiel eines BWL-Dozenten: In seinem Buch findet sich ein Code, den man braucht, um online an zusätzliche Klausurübungen zu kommen. Jeder Code funktioniert nur für einen einzigen Studenten. Genauso gut könnte der Dozent Eintrittskarten für seine Vorlesung verkaufen. Er selbst sagt dazu: "Die Plattform ist ein Zusatzangebot. Wir haben sie mit dem Verlag entwickelt, um das Buch attraktiver zu machen."

Ein Professor aus Bochum vergibt für seine Klausuren Zusatzpunkte, wenn man die Übungen aus seinem Buch abgibt. Er sagt dazu: "Einem Studenten kann nichts Besseres passieren, als dass ein Dozent ein eigenes Buch geschrieben hat und dieses als notwendig für eine Klausur bestimmt!"

Ein Professor aus Münster spannt seinen Sohn beim Vertrieb des Buches ein: Vor der ersten Vorlesung stellte der sich mit dem Auto vor die Uni, öffnete den Kofferraum und begann den Verkauf. Der Professor sagt: "Ich lege Wert darauf, dass sofort zu Beginn der Veranstaltung die Bücher verfügbar sind."