Erasmus? Laaangweilig! Fünf Interviews mit Studenten, die in ihren Auslandssemestern Europa hinter sich gelassen haben.

IRAN

Veronika Freckmann, 28, studiert Islamwissenschaft an der Uni Freiburg. In Isfahan war sie zwei Semester lang

ZEIT Campus: Frau Freckmann, die Stadt Isfahan gilt als Zentrum der iranischen Atomindustrie. Wie war es, dort zu studieren?

Veronika Freckmann: Isfahan ist wirklich schön, die Kommilitonen waren freundlich, und je nach Dozent haben wir an der Uni recht offen diskutiert. Einmal ging es aber um die Proteste gegen Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2009. Unser Dozent nannte die Demonstranten "Unruhestifter". Da war die Atmosphäre im Seminar sehr angespannt, es gab kaum Widerworte.

ZEIT Campus: Konnten Sie offen Ihre Meinung sagen?

Freckmann: Ich habe mich nicht politisch geäußert. An der Uni gibt es Sittenwächter, die darauf achten, dass alle islamkonform angezogen sind. Frauen müssen ein Kopftuch tragen, ihre Haut darf nur an den Händen und im Gesicht zu sehen sein. Ich wurde zweimal von den Aufpassern verwarnt, weil mein Kopftuch nicht richtig saß und mein Mantel zu kurz war. Das hat mich eingeschüchtert.

ZEIT Campus: Was war noch anders als in Deutschland?

Freckmann: Alkohol ist im Iran verboten, es gibt keine Bars oder Discos. Außerdem war der Campus so groß, dass wir mit Bussen zwischen den Fakultäten hin- und herfuhren. In den Bussen müssen Männer und Frauen separat sitzen. Es gibt eine Mensa für die Mädchen und eine für die Jungs. Auch im Unterricht sitzt man getrennt. Manche Seminarräume waren aber so klein, dass wir doch nebeneinandersaßen.

ZEIT Campus: Warum sind Sie in den Iran gegangen?

Freckmann: Ich wollte mein Persisch verbessern. Dafür kamen nicht viele Länder infrage. Höchstens noch Afghanistan oder Tadschikistan.

ZEIT Campus: Konnten Sie vorher schon Persisch?

Freckmann: Ja, anders geht es kaum. Anfangs gab es Probleme mit meinem Visum. Ich musste nach Teheran und dort in verschiedene Ministerien gehen – eine echte Odyssee. Wer da kein Wort Persisch spricht, ist aufgeschmissen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin, das am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Wie haben Sie das Jahr finanziert?

Freckmann: Mit Auslands-Bafög. Im Iran ist vieles günstiger als bei uns, vor allem das Reisen. Die Lebensmittelpreise spielten aber verrückt. Sie haben sich in meiner Zeit verdreifacht, wegen der Sanktionen und der Inflation. Außerdem kann man mit Karten von ausländischen Banken nicht zahlen oder Geld abheben.

ZEIT Campus: Wie sind Sie an Ihr Geld gekommen?

Freckmann: Ich musste mir vorher überlegen, wie viel ich brauche, und bin mit einem dicken Bündel Scheine eingereist. Alle machen das so.

ZEIT Campus: Hat sich die Mühe gelohnt?

Freckmann: Ja! Die Noten aus Isfahan wurden zwar nicht angerechnet, weil es mein Fach im Iran nicht gibt. Wenn man sich aber auf die Gegebenheiten vor Ort einstellt, ist es toll. Die Erfahrungen im Iran haben mich sehr bereichert.