TURKMENISTAN

Hannes Meißner, 35, forscht und lehrt an der FH des Bildungsförderungsinstituts Wien zur Schwarzmeerregion

ZEIT Campus: Herr Meißner, Sie sind als Doktorand nach Turkmenistan gereist. Warum?

Hannes Meißner: Das Land ist so abgeschottet und repressiv wie Nordkorea, sein Diktator wegen der Erdgasvorkommen aber sehr reich. Ich habe für meine Doktorarbeit untersucht, wie Ressourcen Machteliten stützen. Außerdem hatte ich Lust auf Abenteuer. Journalisten und Politologen dürfen nämlich gar nicht einreisen.

ZEIT Campus: Wie sind Sie dann reingekommen?

Meißner: Als Tourist. Das war schwer genug. Bevor ich mich aufs Visum bewarb, habe ich alle Spuren aus dem Internet beseitigt, die mich verraten hätten: Meine Seite beim Forschungsinstitut und meine Texte bei hausarbeiten.de. Hat geklappt: Neun Tage lang durfte ich einreisen.

ZEIT Campus: Kann man sich nicht an der Uni bewerben?

Meißner: Nein. Als Turkmenistan von der Sowjetunion unabhängig wurde, hat der Diktator Nijasow das Bildungssystem zerschlagen. Es wurde nur noch seine Ideologie gelehrt. Nach seinem Tod wurde es kaum besser, obwohl man jetzt wieder Physik, Russisch, Sport und Literaturwissenschaft studieren kann.

ZEIT Campus: Wie muss man sich die Uni dort vorstellen?

Meißner: Die ist aus Marmor und prunkvoll, wie die ganze Hauptstadt Aschgabat. Davor standen Milizionäre – wie vor allen öffentlichen Einrichtungen. Hinein durfte ich nicht.

ZEIT Campus: Was würden Sie Studenten sagen, die auch nach Turkmenistan wollen?

Meißner: Ich würde abraten. Westliche Austauschstudenten gab es dort meines Wissens noch nie. Wer illegal einreist, gefährdet sich – und noch mehr die Leute vor Ort, mit denen er spricht.