1. Schritt: Die Entscheidung

Das erste Stipendium, das die Google-Suche ausspuckt, ist nicht automatisch das beste. Bei 2200 Stiftungen allein für Studenten sollte man sich ein bisschen Zeit nehmen, um ein Stipendium zu finden, das zu einem passt. Auf verschiedenen Datenbanken kann man die Stipendien durchforsten und mit einer Schlagwortsuche die Zahl derer eingrenzen, die infrage kommen. So funktioniert zum Beispiel die Datenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (www.stipendienlotse.de). Etwas für Studierende ist auch bei den 6000 Fördermöglichkeiten des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen dabei (www.stiftungsindex.de). Außerdem gibt es die 13 großen Begabtenförderwerke, etwa die Studienstiftung des deutschen Volkes oder die Konrad-Adenauer-Stiftung. Sie vergeben die meisten Stipendien (www.stipendiumplus.de) Mit der Größe einer Stiftung steigen oft der Aufwand für die Bewerbung und die Anforderungen: Ein Stipendium bei einer großen Stiftung macht was her im Lebenslauf, aber auch viel Arbeit. Unbekanntere Stiftungen haben oft weniger hohe Bewerbungsauflagen und wollen nicht unbedingt den 1,0-Abiturienten.

Das sagt der Experte

"Die Stiftungen möchten keine passiven Zahlungsempfänger finden, sondern Stipendiaten, die sich mit der jeweiligen Stiftung identifizieren, sich engagieren und an den Bildungsprogrammen teilnehmen. Wenn sich jemand bei mehreren der großen Stiftungen gleichzeitig bewirbt, wirkt das unglaubwürdig. Sicherlich ist es nicht abwegig, sich gleichzeitig bei einer kirchlichen Stiftung und einer parteinahen Stiftung zu bewerben, aber grundsätzlich ist wohl jede Stiftung gerne die erste Wahl." Christopher Kopper, Auswahlkommissionsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung

2. Schritt: Bewerbung schreiben

Das klingt selbstverständlich: Wenn eine Stiftung die Bewerbung ausdrücklich mit der Post zugestellt haben möchte, sollte man sie nicht auf gut Glück per E-Mail schicken. Und wer die Abgabefrist verschwitzt, wird im Verfahren nicht berücksichtigt. Heißt also: Um sich nicht unnötig ins Aus zu schießen, ist es ratsam, formelle Anforderungen bei der Bewerbung zu erfüllen, sofern sie auf der Internetseite aufgeführt sind. Bei kleineren Stiftungen, die wenige Informationen bereitstellen, sollte man noch einmal nachfragen. Für das Motivationsschreiben und den Lebenslauf gilt: Nicht die Menge zählt, sondern der Inhalt. Floskeln wie "Ihre Stiftung reizt mich sehr" sollte man rausstreichen und die Stationen im Lebenslauf nicht künstlich aufblasen. Bei vielen kleinen Stiftungen hängt alles am Motivationsschreiben, weil es kein weiterführendes Auswahlverfahren gibt. Dann muss das Schreiben umso deutlicher beantworten: Warum interessiere ich mich gerade für diese Stiftung?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 5/14, das am Kiosk erhältlich ist.

Das sagt der Experte

"Für das Bewerbungsschreiben lohnt es, sich mit Freunden und Familie zusammenzusetzen und gemeinsam zu überlegen, was den Bewerber ausmacht und warum er gut zu der Stiftung passt. Manchen Kandidaten wird erst durch den Austausch mit anderen klar, wie aktiv sie eigentlich sind. Für den Bewerber selbst ist es oft ganz selbstverständlich, dass er einen Trainerschein gemacht hat oder Nachhilfe gibt: Doch das zählt alles zum Engagement und gehört in den Lebenslauf. Den Auswahlkommissionen ist klar, dass der Lebenslauf bei einem 19-Jährigen noch nicht so lang ist wie bei einem 24-Jährigen. Ein Problem hat nur, wer gar kein Engagement vorweisen kann oder sich die Bewerbung von den Eltern schreiben lässt. Das merken wir für gewöhnlich." Christian Taaks, Leiter der Friedrich-Naumann-Stiftung