Wer seinen Doktor macht, forscht jahrelang – und schreibt ein Buch, das kaum einer liest. 23 Tipps, wie die Veröffentlichung besser klappt.

1. Warum muss man publizieren?

Seine Dissertation muss man veröffentlichen, das ist Pflicht. Meist darf man sich erst Doktor nennen, wenn die Publikation geschafft ist. Schließlich soll man einen Beitrag zur Wissenschaft leisten und andere von den Forschungsergebnissen profitieren lassen. Durch die Veröffentlichungspflicht ist es auch leichter, später Fehler zu entdecken und Schummler zu entlarven. Wie genau man seine Dissertation veröffentlicht, hängt in der Regel vom Fach ab. Man kann grob unterscheiden zwischen Monografien und kumulativen Dissertationen. (Interesse an der kumulativen Dissertation? Weiterlesen bei Tipp 12)

2. Was ist eine Monografie?

Monografien sind meist dicke Bücher, in denen man systematisch ein einzelnes Thema untersucht. Sie tragen Titel wie Geldverleiher – Kredithai oder verlässlicher Finanzmanager? oder Licht und Gewalt bei Caravaggio, um zwei Beispiele für Monografien zu nennen, die in den letzten Jahren von Doktoranden der FU Berlin veröffentlicht wurden. Die Titel deuten es an: Üblich ist die Monografie vor allem in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften.

3. Wie finde ich einen Verlag?

Wer eine Monografie schreibt, braucht einen Verlag. Am wichtigsten ist, dass der schon mehrere Jahre existiert. Bei sehr jungen Verlagen ist die Gefahr größer, dass sie pleitegehen – dann hat man seine Dissertation zwar veröffentlicht, bekommt aber keine neuen Exemplare mehr. Welche Verlage als angesehen gelten, hängt auch vom Fach ab. Es lohnt sich, seinen Betreuer um Rat zu fragen. Viele Wissenschaftsverlage kann man am 11. und 12. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse (Halle 4.2) ansprechen. (Zur Veröffentlichung im Internet: Weiterlesen bei Tipp 19)

4. Wie erreiche ich die Leser?

Wie will der Verlag die Monografie bewerben? Das ist eine Frage, die man unbedingt stellen sollte – schließlich sollen möglichst viele potenzielle Leser vom Buch erfahren. Wie die Werbung aussehen könnte, beschreibt Werner Gerabek, Medizinprofessor und Gründer des Deutschen Wissenschafts-Verlags, so: "Wir weisen die Fachbereichsleiter sämtlicher Uni-Bibliotheken auf unsere Neuerscheinungen hin. Außerdem verschicken wir Pressemeldungen und Rezensionsexemplare an viele Fachzeitschriften." Als Faustregel gilt: Ein Verlag mit wenigen Mitarbeitern kann sich weniger gut um Werbung kümmern als ein größerer Verlag. Zu groß sollte er aber auch nicht sein: Wirbt ein Verlag damit, tausend Titel pro Jahr zu veröffentlichen, könnte er sich bei genauerem Hinsehen als reine Internet-Datenbank entpuppen, die Bücher nur auf Bestellung druckt. Dann gilt: Finger weg!

5. Was steht im Vertrag?

Seriöse Verlage schicken ihren Bewerbern erst dann ein Publikationsangebot, wenn sie die ganze Dissertation oder zumindest Auszüge daraus gesehen haben – mindestens das Inhaltsverzeichnis, das Vorwort und das Fazit. In dem Angebot sollten Informationen zum Format und zur Auflage, zu Papiersorte, Umschlagart, Anzahl der Farbseiten und zur Covergestaltung aufgeführt sein. Außerdem: der Verkaufspreis und die anfallende Druckkostenbeteiligung für den Autor.

6. Soll ich verhandeln?

"Vieles, was im Vertrag steht, ist noch verhandelbar", sagt Verlagsleiter Werner Gerabek. Man sollte Angebote von mehreren Verlagen einholen und vergleichen. Vor allem der Zuschuss zu den Druckkosten kann stark variieren. Bei kleineren Verlagen liegt er oft unter 1000 Euro. Ein angesehener Verlag verlangt mehr. Mit dem Verkauf wird man nicht reich: Oft bekommt man zwischen fünf und zehn Prozent des Preises. Bei einer gängigen Auflage von 300 bis 400 Exemplaren ist das nicht viel.

7. Wer hilft bei den Druckkosten?

Es wird sich für die meisten Doktoranden leider nicht vermeiden lassen, für die Druckkosten tief in die Tasche zu greifen. Wer sich das alleine nicht leisten kann, hat in der Regel die Chance, Zuschüsse bei seinem Fachbereich zu beantragen – oder beim Forschungsreferat der Hochschule. Auch manche Stiftungen und Forschungsförderorganisationen wie die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gewähren unter gewissen Bedingungen einmalige Zuschüsse. Infos zur Publikationsbeihilfe der DFG stehen online in einem PDF-Merkblatt unter bit.ly/campus_pubhilfe. Gute Verlage sind bei der Beantragung behilflich.

9. Was ist die VG Wort?

Die Verwertungsgesellschaft Wort sammelt bei Bibliotheken und Herstellern von Kopiergeräten Geld ein und verteilt es an Verlage und an Autoren. Im Grunde funktioniert die VG Wort für Autoren ähnlich wie die Gema für Musiker. Wer eine Monografie geschrieben hat, bekam dafür zuletzt um die 800 Euro von der VG Wort. Um von der Ausschüttung zu profitieren, muss man sich und sein Buch kostenlos auf vgwort.de anmelden. Bis Oktober des Folgejahres wird das Geld überwiesen. Achtung: Wer sich nicht anmeldet, bekommt auch kein Geld!