Freundschaften verändern sich: Durch einen Streit, eine neue Liebe oder eine andere Stadt. Wir haben neun Freunde zum Gespräch gebeten.

Was ist ein Freund? Partner kommen und gehen, Freunde bleiben. Sie vertragen mehr als der Ex oder die Eltern. Freunde schleppen die Kisten beim Umzug (und beim nächsten Umzug und beim übernächsten Umzug). Sie hören sich Beziehungsprobleme und Zukunftssorgen an. Klar ist: Freunde müssen einiges aushalten. Aber auf die Frage, was eine Freundschaft ausmacht, gibt es keine pauschale Antwort. Deshalb haben wir neun Menschen aus drei Generationen an einen Tisch gebeten. Und sie gefragt: Sind Männerfreundschaften anders als Frauenfreundschaften? Kann man mit dem guten Freund auch mal ins Bett gehen? Wie viel muss so eine Beziehung mitmachen? Und natürlich: Was ist ein Freund?

ZEIT CAMPUS: Jetzt mal ehrlich: Wie viele enge Freunde habt ihr?

Anton: Vier.

Gøran: Pauschal fünf.

Annelie: Acht.

Sylvie: Ich habe acht bis neun Freunde.

Michael: Zehn bis dreizehn.

Jenny: Das find ich ganz schön viel. Ich würde sagen: Ich habe fünf bis sechs enge Freunde. Mir fallen so Schön-Wetter-Freundschaften schwer. Meist bin ich entweder sehr gut mit Leuten befreundet oder gar nicht.

Janina: Deshalb finde ich es auch schwierig, eine Zahl zu sagen. Es sind vielleicht sechs Freundschaften, allerdings in teilweise unterschiedlicher Besetzung. Bei allen meinen Freunden gibt es Phasen, in denen wir sehr engen Kontakt haben, in anderen dann nicht.

Clemens: Ich habe vielleicht 15 Freunde. Wobei, im engeren Kreis sind es drei.

Claudia: Ich hab im engeren Kreis fünf.

Clemens und Claudia sind seit sieben Jahren befreundet. Sie sind in Berlin zusammen zur Schule gegangen und haben vor einem Jahr ihr Abi gemacht. Clemens ist in der Stadt geblieben, er studiert jetzt an einer Kunst-Uni. Claudia hat ein Biologiestudium in Rostock angefangen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/14, das am Kiosk erhältlich ist.

Claudia: Jeder von uns baut gerade sein eigenes Leben auf, wir erleben nicht mehr so viel gemeinsam. Deshalb müssen wir darüber sprechen, was wir mit anderen Leuten erleben. Clemens und ich telefonieren oder skypen mehrmals im Monat. So haben wir am Leben des anderen teil. Aber viel lieber würde ich mal mit Clemens in seine Uni gehen und sehen, wo er da jetzt ist.

Clemens: Wir sind in verschiedene Richtungen gegangen. Allein schon, dass Claudi jetzt in einer Kleinstadt lebt! Aber ich war schon dreimal in Rostock zu Besuch. Bei Claudis Geburtstag haben wir zu zehnt in ihrer Wohnung gepennt, zehn Schlafsäcke auf 29 Quadratmetern. Und Claudi ist viel in Berlin, weil da ja auch ihre Familie wohnt. Wir sehen uns einmal im Monat.

Janina: Meinem Freundeskreis steht gerade auch so eine Veränderung bevor. Wir sind fünf Leute, wir kennen uns aus dem Geophysikstudium. Ich bin die Letzte, die noch studiert. Zwei sind vor Kurzem aus Hamburg nach Berlin und Potsdam gezogen. Wir können nicht mehr jeden Tag Kaffee trinken und alles besprechen.