Wer in einer Klausur durchfällt und mit seinen Beschwerden beim Prüfer abblitzt, kann das Ergebnis vor Gericht anfechten. Das hat Erfolg – manchmal.

Eine einzige korrekte Klausurfrage trennte Juliane Germer von ihrer Masterarbeit an der Uni Magdeburg – und damit von ihrem Abschluss. Zwei Mal war die BWL-Studentin in der Prüfung in Business Decision Making schon durchgefallen, beide Male hatte sie nur ein einziger Punkt vom Bestehen getrennt, so erzählt sie es heute. "Ich habe mich damals gefragt: Was ist mir dir los? Du hast doch schon ganz andere Klausuren geschafft!"

Dann kam der alles entscheidende dritte Prüfungsversuch – und wieder fiel Juliane Germer durch. Kurz nach der Klausur erhielt sie die Nachricht: endgültig nicht bestanden. Nach dem ersten Mal war sie traurig, sagt sie, nach dem zweite Mal bekam sie Angst. Jetzt, wo das Ende ihres Masterstudiums besiegelt war, wurde sie zornig. Sie beschloss, sich zu wehren. Notfalls vor Gericht.

Dass Unis verklagt werden, ist nichts Neues. Vor allem Studienplatzklagen haben Tradition. Längst gibt es Rechtsanwälte, die sich darauf spezialisiert haben, für jene Abiturienten eine Zulassung zu erstreiten, die an den Eintrittsvoraussetzungen der Hochschulen gescheitert sind. Die genauen bundesweiten Zahlen werden nirgendwo erhoben, aber Verwaltungsrichter sagen: Während die Zahl der Studienplatzklagen konstant bleibe, steige seit einigen Jahren die Summe der Prüfungsanfechtungen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/14, das am Kiosk erhältlich ist.

Juliane Germer recherchierte nach der dritten verhauenen Prüfung im Internet und entdeckte dabei ein Gerichtsurteil, das ihr Mut machte. Denn ihr Professor hatte bei der Multiple-Choice-Klausur die Malus-Regel angewendet – und die ist aller Wahrscheinlichkeit nach nicht rechtens. Falsche Antworten dürfen nicht negativ bewertet werden: Wer in vier Fragen zwei richtige und zwei falsche Kreuzchen setzt, muss dafür genauso viele Punkte bekommen wie jemand, der nur zwei richtige setzt und die anderen beiden Fragen nicht beantwortet. So hat es zumindest das Oberverwaltungsgericht Münster 2008 beschlossen. Eigentlich gilt, was dort entschieden wird, nur für Nordrhein-Westfalen. Weil in diesem Bundesland aber mehr als ein Viertel aller deutschen Studenten eingeschrieben sind, hat das OVG Münster viel Gewicht, andere Gerichte orientieren sich oft daran.

Zusammen mit dem Anwalt Christian Teipel, der auf Klagen von Studenten spezialisiert ist, legte Juliane Germer bei der Universität Magdeburg Widerspruch gegen die Benotung ihrer Klausur ein. Doch der Prüfungsausschuss lehnte den Einspruch ab. "Die juristische Kompetenz in solchen Gremien ist oft nicht besonders groß", sagt der Rechtsanwalt Teipel. "Es ist schon vorgekommen, dass Ausschussmitglieder bei mir anriefen und sagten: 'Guten Tag, ich bin Biologe und stehe den ganzen Tag im Labor. Können Sie mir diese Sache mal erklären?'." Juliane Germer und ihr Rechtsanwalt entschieden sich für den Gang vor das Gericht.

Durch die Anwalts- und Prozesskosten können solche Klagen sehr teuer werden. Juliane Germer hatte Glück: Der Studierendenrat der Uni Magdeburg unterstützte sie. 2.600 Euro – rund ein Viertel des Streitwerts – bekam sie von der Studentenvertretung. Schließlich würde ihre Klage auch anderen an der Uni Magdeburg helfen.