Was machen Wirtschaftsprüfer?

Größere Firmen müssen ihre Jahresabschlüsse kontrollieren lassen – und zwar von einem Außenstehenden, der nicht im Unternehmen arbeitet: Wirtschaftsprüfer wühlen sich durch die Bilanzen der Unternehmen, kontrollieren einzelne Vorgänge und bestätigen am Ende, dass alle Zahlen korrekt sind. Daneben sind Wirtschaftsprüfer wichtige Berater, wenn in einem Unternehmen besondere Ereignisse anstehen: Bei einer geplanten Fusion prüfen sie die Bilanzen des Übernahmekandidaten oder schlagen einen Kaufpreis vor. Als unabhängiger Dritter kann ein Wirtschaftsprüfer auch als Gutachter beauftragt werden, wenn es etwa darum geht, einen angemessenen Preis für ein Unternehmen festzusetzen.

Wie wird man das?

Theoretisch ist es egal, welches Fach man studiert hat. In der Praxis haben nach Angaben der Wirtschaftsprüferkammer etwa 85 Prozent ein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen. Wer einen Bachelor hat, muss danach vier Jahre in einem Unternehmen arbeiten – mindestens zwei Jahre müssen in der Prüfung absolviert werden. In der Zeit assistiert der Einsteiger dem verantwortlichen Wirtschaftsprüfer bei der Kontrolle von Jahresabschlüssen. Dann folgt das Examen mit sieben schriftlichen Arbeiten und einer mündlichen Prüfung. Abgefragt werden Kenntnisse in der Bewertung von Firmen, in Betriebs- und Volkswirtschaftslehre und in Wirtschafts- und Steuerrecht.

Geht es auch anders?

Viele Kandidaten machen erst einmal die Prüfung für Steuerberater. Davon wird ein Teil auf das Wirtschaftsprüfer-Examen angerechnet. Außerdem gibt es Masterstudiengänge, die gezielt auf den Beruf vorbereiten: Während der stressigen Zeit der Jahresabschlüsse, also im Winter und Frühjahr, sammeln die Studenten Erfahrung bei einer Firma. In der anderen Jahreshälfte lernen sie für die Uni. Wer den Master hat, für den fallen einzelne Aufgaben im Examen weg – und die Zahlen zeigen, dass dann auch die Durchfallquoten sinken. Trotzdem geht der erste Anlauf für viele schief – egal mit welcher Vorbereitung: Im Wintersemester 2013 fielen insgesamt knapp 40 Prozent aller Kandidaten durch.

Wo arbeitet man?

Wer als Wirtschaftsprüfer arbeiten will, wird wahrscheinlich über eine Karriere bei den "Big Four" nachdenken. So werden die weltweit größten Prüfunternehmen genannt, das sind PWC, EY, KPMG und Deloitte. In Deutschland ist aktuell mehr als ein Fünftel der gut 14.000 Wirtschaftsprüfer bei diesen Firmen beschäftigt. Viele fangen dort an und entscheiden sich später, ob sie den Großen treu bleiben, zu den zahlreichen mittelständischen Prüfern oder in noch kleinere Büros wechseln. Für den Arbeitsalltag gilt: Zumindest in den ersten Jahren wird direkt beim Kunden vor Ort geprüft – das kann eine Bankzentrale in einer Metropole sein oder ein Maschinenbaubetrieb in der Provinz.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/14, das am Kiosk erhältlich ist.

Wie viel Geld gibt es?

Das Einstiegsgehalt für einen angehenden Wirtschaftsprüfer beginnt bei den größeren Gesellschaften knapp oberhalb von 40.000 Euro pro Jahr. Dafür werden in den intensiven Prüfmonaten viele Überstunden erwartet. Wer das Examen bestanden hat und von der Wirtschaftsprüferkammer offiziell bestellt wurde, darf die Jahresabschlüsse verantwortlich prüfen. Nach dem Informationsportal Squeaker kann man dann mit bis zu 65.000 Euro im Jahr rechnen. Die nächsten Karrierestufen in größeren Gesellschaften sind die des Managers oder die des Partners – spätestens hier ist mit einem sechsstelligen Einkommen zu rechnen. Das Gehalt hängt dann aber vom Unternehmenserfolg ab.

Wie kommt man weiter?

Wer will, kann sich sein ganzes Berufsleben lang mit der Prüfung von Jahresabschlüssen beschäftigen. Andere Wege sind aber möglich. Das Institut für Wirtschaftsprüfer gibt die Faustregel aus: Je kleiner der Betrieb, desto eher wird man zum Generalisten. Wer also in kleineren Unternehmen tätig ist, wird ein breites Wissen in Steuerberatung und Unternehmensbewertung aufbauen, das für seine mittelständischen Kunden wichtig ist. Bei den großen Firmen spezialisiert man sich dagegen auf einen bestimmten Industriezweig oder bestimmte steuerliche Themen. Andere Prüfer wechseln ganz in die Industrie und sind da verantwortlich für die interne Revision oder die Rechnungslegung.