Wofür es sich lohnt, den Studienort nach dem Bachelor zu wechseln, erklärt der Vizepräsident der Hochschulrektorenkonferenz

ZEIT Campus: Herr Burckhart, sollte man für den Master in eine neue Stadt ziehen?

Holger Burckhart: Unbedingt. Nach dem Bachelor macht man ja ohnehin einen Schnitt: Den sollte man dazu nutzen, in sich hineinzuhorchen und zu planen, wie es weitergehen kann.

ZEIT Campus: Was bringt einem der Wechsel an einen anderen Studienort?

Burckhart: Man erweitert seinen Horizont. Etwa wenn man mit neuen Kommilitonen und Lehrenden zusammenkommt, die einem andere fachliche Perspektiven verschaffen und ein Netzwerk haben, von dem man profitieren könnte. Und natürlich dadurch, dass man sich in einer neuen Gegend zurechtfinden muss. Auch wenn einen das vielleicht zeitlich zurückwirft, weil man sich neu orientieren muss, möchte ich jeden ermutigen, diesen Schritt zu wagen: Wer es bis zu einem Bachelorabschluss gebracht hat, darf sich ruhig noch mehr zutrauen!

ZEIT Campus: Wie kann man entscheiden, wohin man für den Master gehen sollte?

Burckhart: Man sollte sich überlegen, was einem Spaß macht und welche Inhalte man vertiefen möchte, um sich später von Mitbewerbern abzuheben. Liegt einem eher die Theorie oder die Praxis? Man sollte sich seine eigenen Ziele klarmachen.

ZEIT Campus: Und daraus ergibt sich der richtige Weg?

Burckhart: Zumindest kann man dann viel konkreter suchen, welche Hochschulen einen passenden Master anbieten und wo die Studienbedingungen für einen Bereich am besten sind. Welcher Ort passt zur beruflichen Perspektive? Liegt er in einer Region, in der viele Unternehmen aus einer Branche angesiedelt sind, die mich interessiert?

ZEIT Campus: Wie findet man das heraus?

Burckhart: Auf Mastermessen zum Beispiel. Man kann Dozenten fragen, sich an die Studentenberatung und das Akademische Auslandsamt wenden. Dann kann man sich auf den Homepages der Hochschulen über Studieninhalte informieren.

ZEIT Campus: Man sollte also nur nach fachlichen Kriterien entscheiden?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Burckhart: Das Fachliche ist am wichtigsten, aber was nützt der beste Studiengang der Welt, wenn einen die Gegend anödet? Man darf natürlich auch umgekehrt vorgehen und sagen: Meinen Bachelor habe ich in einer gemütlichen Studentenstadt absolviert – jetzt muss es noch mal die Hauptstadt sein. Um motiviert lernen zu können, ist es wichtig, dass man sich an seinem Studienort wohlfühlt.

ZEIT Campus: Aber es gibt doch gute Gründe, den Studienort nicht zu verlassen.

Burckhart: Weil man endlich Fuß fasst, einen festen Nebenjob hat oder eine Beziehung in der Stadt? Das sind keine guten Gründe.

ZEIT Campus: Warum denn nicht?

Burckhart: Das klingt hart, aber man sollte nicht bleiben, wenn das eine Einschränkung für den eigenen Studien- und Karriereverlauf bedeuten würde. Wenigstens für ein Semester sollte man den Studienort wechseln oder ins Ausland gehen. Weniger Zeit in einem anderen Land zu verbringen macht kaum Sinn. Man ist ja erst einmal ein kultureller Analphabet und hat sehr intensive Erfahrungen zu verarbeiten. Es dauert seine Zeit, bis man ganz angekommen ist. Wenn man eine Sprache erlernen will, würde ich so lange wie möglich weggehen – mindestens ein Jahr.

ZEIT Campus: Und wenn man lieber nicht ins Ausland gehen möchte? Bringt es Nachteile mit sich, in seinem Heimatland zu bleiben?

Burckhart: Wenn man nach dem Bachelor in den Beruf einsteigt, wird niemand erwarten, dass man bereits die Welt erkundet hat. Es wäre natürlich gut, wenn die Hochschulen den Studenten etwas Luft im Bachelorprogramm ließen, damit sie auch ins Ausland gehen könnten, aber solange das noch nicht die Regel ist, muss man sich darüber keine Sorgen machen.