ZEIT Campus: Herr Engl, in Deutschland werden mehr als 7.000 Masterprogramme angeboten. Wie soll man sich denn da für ein Programm entscheiden?

Siegfried Engl: Das Angebot erscheint einem natürlich erst einmal riesig. Aber wenn man einen Bachelorabschluss hat, kann man sich ja nicht einfach einen beliebigen Master aussuchen. Oft wird für einen bestimmten konsekutiven Master ein Abschluss in einem speziellen Fach verlangt. Wer etwa einen Bachelor in Kunstgeschichte hat, kann keinen Master in Englischer Literaturwissenschaft machen. Und wer einen Master mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie studieren möchte, der braucht einen Psychologie-Bachelor mit ganz bestimmten Modulen. Die Zulassungsvoraussetzungen sind strikt. Ganz frei kombinieren kann man in der Regel nicht.

ZEIT Campus: Aber es gibt doch auch Master, für die man keine fachlichen Voraussetzungen braucht. Den Bachelor in Kunstgeschichte könnte man mit einem MBA kombinieren.

Engl: Theoretisch ist das möglich. Doch das Angebot an eigenständigen Masterstudiengängen, also an nicht konsekutiven Programmen, ist nicht besonders groß.

ZEIT Campus: Welche Kriterien empfehlen Sie, um einen Masterstudienplatz auszuwählen?

Engl: Am wichtigsten sind die persönlichen Neigungen und der individuelle Berufswunsch: Man wird nicht unbedingt politischer Referent bei einer Stiftung, weil man einen bestimmten Master gemacht hat. Sondern man sucht sich einen bestimmten Master aus, weil man politischer Referent werden möchte.

ZEIT Campus: Die wichtigere Frage lautet also: Was will ich werden?

Engl: Ja, man muss seine beruflichen Ziele kennen. Auch für die Motivation ist die Berufsperspektive sehr wichtig.

ZEIT Campus: Was ist, wenn ich noch nicht genau weiß, welcher Beruf zu mir passt?

Engl: In vielen Bachelorstudiengängen müssen die Studenten Module wie "Allgemeine Berufsvorbereitung" belegen. Vorgesehen sind meist auch Praktika und praxisnahe Seminare, in denen man sehen kann, was einem liegt und wo man mal arbeiten könnte. Doch das findet man auch durch Nebenjobs oder Auslandsaufenthalte heraus. Auch beim Career Service, den fast jede Uni hat, und in der Studienfachberatung kann man sich helfen lassen.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

ZEIT Campus: Und wenn man ein Studienfach mag, aber nicht die berufliche Perspektive?

Engl: Wer zum Beispiel Physik studiert hat, sich aber nicht vorstellen kann, im Labor zu arbeiten, oder wer als Literaturwissenschaftler nicht im Verlagswesen arbeiten will, der sollte sich nach dem Bachelorabschluss erst einmal über die Alternativen Gedanken machen und sich informieren. Der Physiker und der Literaturwissenschaftler hätten etwa die Möglichkeit, Lehrer zu werden, indem sie erziehungswissenschaftliche Module nachholen und anschließend den Master of Education machen. Aber sie müssen sich wirklich ernsthaft fragen, ob sie mit dem Weg, den sie einschlagen, glücklich werden können. Das gilt ohnehin für alle Studenten, die nach dem Bachelor für sich eine Entscheidung treffen müssen.

ZEIT Campus: Was gewinne ich denn dazu, wenn ich einen Master mache?

Engl: Im Bachelorstudiengang werden in der Regel die Grundlagen eines Faches vermittelt, im Masterstudiengang erfolgt eine Vertiefung und Spezialisierung. So kann auf den Bachelor in Betriebswirtschaftslehre ein Master in "Management und Marketing" folgen. Masterstudiengänge sind meist forschungsbezogener. Hier kann man Themen länger und intensiver bearbeiten, zum Beispiel durch die Masterarbeit. Mit der Spezialisierung hebt man sich von anderen Bewerbern ab und wird interessant für Unternehmen.