Hochschulforscher Ulrich Teichler erklärt, ob Zulassungsverfahren fair sind und wie man vorgehen sollte, um seinen Wunschmaster zu bekommen.

ZEIT Campus: Herr Teichler, ist es fair, wie die Unis Studenten auswählen?

Ulrich Teichler: Nein, zumindest nicht immer. Es gibt einfach kein perfektes Auswahlverfahren. Die meisten Hochschulen wählen anhand der vorliegenden Noten aus. Das ist insofern fair, weil damit die bisherigen Studienleistungen belohnt werden. Aber oft wird auch auf Motivationsschreiben der Studenten geachtet. Es gibt auch Einstufungstests und Auswahlgespräche.

ZEIT Campus: Noten sind kein faires Auswahlkriterium?

Teichler: In vielen Studienfächern bekommen die Studenten gute Noten, die sich nur um 0,3 oder 0,5 Punkte voneinander unterscheiden. Das ist in vielen geisteswissenschaftlichen Fächern, aber auch in manchen sozial- und naturwissenschaftlichen Fächern der Fall. Größere Unterschiede beobachten wir in den Wirtschafts- und Rechtswissenschaften. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass Noten für die Vorhersage der zukünftigen Leistungen nicht aussagekräftiger sind als Tests oder die Ergebnisse von Bewerbungsgesprächen.

ZEIT Campus: Und wenn man lost? Das hat die Universität Potsdam getan, nachdem Bewerber gegen andere Verfahren geklagt hatten.

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Teichler: Es ist besser, wenn frühere Leistungen anerkannt werden und wenn versucht wird, gezielt auszuwählen. Denjenigen, die Studenten für den Master aussuchen, geht es genauso wie denjenigen, die in Unternehmen neue Mitarbeiter auszuwählen haben. Sie können die Bewerbungsunterlagen auf drei Stapel sortieren: Es gibt Bewerber, die man unbedingt haben will, und solche, die man für ungeeignet hält. Auf dem dritten Stapel sind die Unterlagen von denen, bei denen man sich nicht sicher ist. Wenn das Los entscheidet, bekommt man von jedem Stapel gleich viele Kandidaten. Das können die Prüfer nicht wollen.

ZEIT Campus: Und was ist mit den Wackelkandidaten?

Teichler: Natürlich träumt jeder von einem Verfahren, das überzeugende Abstufungen für den schwierigen dritten Stapel verspricht. Dafür gibt es aber keine perfekte Lösung. Deswegen entscheiden sich ja auch nicht alle Hochschulen für dasselbe Verfahren.

ZEIT Campus: Welches Vorgehen finden Sie am fairsten?

Teichler: Das ist schwer zu sagen. Noten sind objektiv, aber an den Unis wird auch unterschiedlich streng benotet. Bei Vorstellungsgesprächen gibt man sich viel Mühe, und die Bewerber fühlen sich ernst genommen, aber hier ist der Raum besonders groß für Entscheidungen, die wir nicht als fair bezeichnen würden. Vielleicht wird ja jemand nur genommen, weil er oder sie sympathisch war.

ZEIT Campus: Das klingt, als ob es eigentlich gar keinen richtigen Weg gibt.

Teichler: Wer einen Masterplatz sucht, sollte sich nicht zu viele Gedanken um das Zulassungsverfahren machen. Und man sollte sich auf keinen Fall davon abschrecken lassen – auch nicht von Eignungstests.

ZEIT Campus: Steigt denn die Zahl der Eignungsprüfungen an?

Teichler: Davon sind wir zunächst ausgegangen, als wir uns international einmal umgesehen haben. Aber dazu kam es nicht, weil standardisierte Tests juristisch anfechtbar sind. Mal sind sie nicht geschlechtsneutral genug formuliert, oder es stellt sich beim Vergleich von Testergebnissen heraus, dass eine besondere Gruppe benachteiligt wurde. Tests sind daher in den USA, dem international testfreudigsten Land, vielerorts auf breite Skepsis gestoßen. Das erwarte ich auch hier in Deutschland.

ZEIT Campus: Gibt es stattdessen mehr Auswahlgespräche an den Unis?

Teichler: Gespräche sind auch nicht fairer als Tests. Aber es ist schwieriger, nachzuweisen, wenn sie unfair ablaufen. Ein Gespräch bietet sowohl für Professoren als auch für Studenten die Chance, besondere Akzente zu setzen: Worauf soll es im Master ankommen? Was könnten meine besonderen Stärken bei diesem Master sein?