Es begann mit einer tollen Chance: Während meines Studiums der Rhetorik hatte mir eine Dozentin ein Praktikum beim Theater vermittelt. Ich habe mich um die Pressemappen und die Anzeigenschaltungen gekümmert. Als meine direkte Vorgesetzte dort krank wurde, musste ich die ganze Arbeit allein machen. So konnte ich zeigen, dass ich so was hinkriegen kann.

Im Anschluss wurde ich Regieassistentin – erst mit einem Werkvertrag, dann mit einer festen Stelle. Das war eine prima Gelegenheit: Normalerweise macht man die Assistenz für ein Jahr, kriegt ein kleines Projekt und wächst in die Rolle des Regisseurs hinein. Ich hingegen war gerade Schein-frei, musste aber noch eine Hausarbeit und meine Bachelorarbeit schreiben. Kein Problem, das mache ich in den Theaterferien, habe ich mir gedacht. Das war ein Fehler.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 2/2015, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Eigentlich war von vornherein klar, dass das ein Job ist, den man nur aus Leidenschaft macht, viele Leute wollen im Theater arbeiten, die Gehälter sind bescheiden – für sehr viel Arbeit. Laut Vertrag musste ich von 10 bis 14 Uhr und von 18 bis 22 Uhr arbeiten, aber ich war länger da: Morgens eine Stunde früher die Bühne vorbereiten, in der Pause zur Requisite oder zur Bühnentechnik rennen, um die Wünsche des Regisseurs weiterzugeben, nach der letzten Probe aufräumen.

Es war eine tolle Truppe – aber ich habe gemerkt, dass das für mich zu intensiv ist. Am Ende hatte mich meine Ärztin für zwei Wochen krankgeschrieben, ich hatte in kurzer Zeit wahnsinnig viel abgenommen – ich war selbst erstaunt, wie sehr mich die Arbeit fertiggemacht hatte. Ich habe diese Stelle an dem Theater aufgegeben, aber ich bereue die Zeit in meinem ersten Job überhaupt nicht. Ich habe wahnsinnig viel darüber gelernt, wie man andere organisiert – und auch sich selbst.

Jennifer Müller