Die Medienanwältin

ZEIT Campus: Einer Ihrer prominenten Mandanten ist Mohamed Ferchichi, bekannt als Bushido. Wie kamen Sie an den?

Julia Bezzenberger: Herr Ferchichi kam auf Empfehlung eines Kollegen zu mir.

ZEIT Campus: Hält er Sie gut beschäftigt?

Bezzenberger: Das schwankt naturgemäß – wie bei allen unseren Mandanten, die in der Öffentlichkeit stehen. Wenn etwas passiert, von dem die Medien meinen, es sei berichtenswert oder gar ein "Skandal", dann verbreiten sich solche Storys sehr schnell. Dann haben wir unter Umständen von jetzt auf gleich sehr viel zu tun.

ZEIT Campus: Womit zuletzt?

Bezzenberger: Ende letzten Jahres wurde über eine angebliche Trennung des Ehepaars Ferchichi berichtet, und diese Berichterstattung nahm über Wochen unfassbare Ausmaße an. Insbesondere Frau Ferchichi, die wir auch vertreten, war davon betroffen. Sie konnte sich zeitweise nicht mehr frei bewegen, ohne von Paparazzi belagert zu werden. Was das für einen Menschen bedeutet, machen sich viele Leser überhaupt nicht klar.

ZEIT Campus: Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?

Bezzenberger: Viele. Aber an das Großkanzleien-Klischee von den 80 Stunden die Woche glaube ich nicht. Wenn jemand jeden Tag mehr als 14 Stunden durcharbeitet, wird dabei selten Qualität herauskommen.

ZEIT Campus: 14-Stunden-Tage gibt es mit Bushido nicht? Auch nicht, als das Magazin stern zwei großen Titelgeschichten herausbrachte und Bushido Verbindungen mit der Mafia vorwarf?

Bezzenberger: Es hat uns eine Weile beschäftigt, bis wir gegen viele der dort verbreiteten Behauptungen einstweilige Verfügungen gegen den stern erwirkt haben.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 6/15.

ZEIT Campus: Wie bereiten Sie sich auf so einen Fall vor?

Bezzenberger: Gar nicht. Er kommt über mich. Von der Titelgeschichte erfuhr ich kurz bevor der stern rauskam. Dann muss man klären: Was stimmt, was ist falsch, was sind zulässige Bewertungen, was falsche Tatsachenbehauptungen. Gegen unzulässige Äußerungen machen wir dann die entsprechenden Ansprüche geltend.

ZEIT Campus: Haben Sie einen Google-Alert auf Bushido-Themen?

Bezzenberger: Um Gottes willen, haben Sie das mal versucht? Ich würde wahnsinnig werden. Nein, er meldet sich, wenn es ein Problem gibt.

ZEIT Campus: Was war Ihre Rolle im Rapperkrieg mit Kay One?

Bezzenberger: Das war eine musikalische Auseinandersetzung zwischen den beiden und keine rechtliche. Die Konfliktform ist auch keineswegs unüblich unter Rappern. Ich habe den Überblick verloren, wer aus der Szene wann mit wem einen beef hatte.

ZEIT Campus: Könnte sich Bushido typische Gangster-Klischees schützen lassen, sodass Kay One sie nicht kopieren kann?

Bezzenberger: Nein, und warum sollte er? Solche Klischees sind nicht ohne Weiteres schutzfähig, sondern immer nur ein konkretes Werk. Das Schöne am Urheberrecht ist dann jedoch, dass man das Werk nicht extra schützen lassen muss. Mit der Schaffung ist ein Werk automatisch geschützt und mit dem Künstler weit über seine Lebenszeit hinaus untrennbar verbunden. Meine Aufgabe ist es, die Rechte der Künstler in einer Welt zu schützen, die Kunst immer mehr als kostenloses Allgemeingut betrachtet und nicht mehr honoriert, dass eine Leistung dahintersteckt.

ZEIT Campus: Wie stehen Sie zur Kunstfigur Bushido?

Bezzenberger: Ich bin kein Fan von Rap. Mich interessiert der rechtliche Aspekt: die Unterscheidung zwischen der Kunstfigur und dem Menschen, der sie erschaffen hat. Und wie in allen diesen Fällen gilt auch hier: Nur weil Bushido vor Tausenden von Menschen Konzerte gibt, werden Herr Ferchichi und seine Familie nicht automatisch zum Freiwild der Medien. Auch prominente Personen haben ein Recht auf Privatsphäre und darauf, dass Mutmaßungen und Vorurteile nicht als Tatsachen hingenommen werden, nur weil sie gedruckt oder gesendet wurden.

ZEIT Campus: Bushido sagt über Sie: "Die ist stabil." Was ist Ihre wichtigste Eigenschaft?

Bezzenberger: Ich dachte auch erst: Meint er das jetzt psychologisch? Er erklärte mir dann, das hieße so viel wie "die ist cool, die hat das im Griff". Damit kann ich leben. Zudem ist es vermutlich auch hilfreich, dass ich gut mit Menschen umgehen kann, eine schnelle Auffassungsgabe habe und hartnäckig bin. Das Allerwichtigste, um gut zu sein, ist aber, dass ich nach wie vor finde, dass ich den spannendsten Job überhaupt habe.

ZEIT Campus: Wann sind Sie mit Ihrer Arbeit zufrieden?

Bezzenberger: Wenn ich für meine Mandanten das durchsetzen kann, worauf sie ein Recht haben, wenn ich einen Vertrag so verhandele, dass ich das Beste heraushole und beide Parteien sich trotzdem noch in die Augen sehen können. Und natürlich – ganz archaisch – wenn ich vor Gericht gewinne. Machen wir uns nichts vor: Prozessanwälte lieben es, recht zu bekommen. Wenn man diese Neigung nicht hat, sollte man die Finger davon lassen. Wir sind kürzlich gegen die Veröffentlichung von heimlichen Aufnahmen von Suzanne von Borsodys Hochzeit durch die Bild vorgegangen, obwohl die Gerichte in der Vergangenheit die Veröffentlichung von Hochzeitsfotos wiederholt als zulässig angesehen haben. Wir waren trotzdem der Ansicht, dass die Veröffentlichung die Rechte von Frau von Borsody verletzt. Es hat sich bisher gelohnt: Wir haben in zwei Instanzen recht bekommen – und darüber freue ich mich.