Stellenanzeigen im Fenster einer Zeitarbeitsfirma in Köln (Archiv) © Oliver Berg/dpa

"Ihre Qualifikation: Ein sehr gut abgeschlossenes Studium im Bereich der Geophysik oder in einem verwandten Studiengang"

Viele Stellenanzeigen sind heute keine durchgängigen Texte mehr, sondern listen Aufgaben und Anforderungen hinter Spiegelstrichen auf. Dabei zählt auch die Reihenfolge: Was oben steht, sollte besonders beachtet werden. In diesem Fall werden zwar vor allem Geophysiker angesprochen, aber eine Bewerbung lohnt sich auch für andere Naturwissenschaftler, die mit Geophysik im Studium zu tun hatten. Ein Master ist nicht ausdrücklich gewünscht, also reicht ein Bachelor auch. Da hier eine bestimmte Note gefordert wird, sollte man die zumindest beinahe erreicht haben. Übrigens: Wenn ein Unternehmen auf die Abschlussnote achtet, legt es meistens allgemein Wert auf Zeugnisse. Wer also weitere gute Bewertungen auf Lager hat, sollte diese auch im Anschreiben anpreisen.

"Sehr gute SAP R/3-Kenntnisse in den Modulen CO, CO-PA, PCO und BW"

Wer so genau angibt, was ein Bewerber mitbringen muss, legt viel Wert auf Fachkenntnisse. Außerdem leitet meist die zuständige Abteilung das Auswahlverfahren und kein Personaler. Fachsimpeln ist in einer solchen Bewerbung erlaubt und oft auch erwünscht. Soft Skills sind meist weniger entscheidend. Ideal wäre es, wenn man im Anschreiben auf Projekte oder Uni-Seminare verweisen kann, in denen man mit genau diesen Modulen gearbeitet hat. Überhaupt lohnt es sich, vor der Bewerbung noch einmal zu prüfen, was für Themen man im Studium behandelt hat – mit fachlicher Tiefe kann man hier sicher punkten.

"Bei uns kommen Sie mit verschiedensten Abteilungen in Kontakt. Ihre Arbeitsergebnisse präsentieren Sie dort eigenständig"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Soft Skills wie Organisationstalent, Sorgfalt und Teamfähigkeit werden in vielen Stellenanzeigen als Anforderungen aufgezählt. Doch manchmal werden sie auch in anderen Sätzen versteckt. Im oben genannten Beispiel sind gleich fünf Fähigkeiten herauszulesen: Einfühlungsvermögen, Flexibilität und schnelle Anpassungsfähigkeit (erster Satz) sowie Eigenständigkeit und Präsentationskompetenz (zweiter Satz). Um so etwas zu erkennen, lohnt es sich, Stellenanzeigen mehrfach zu lesen. Wichtig ist, dass man diese Fähigkeiten im Anschreiben dann nicht nur auflistet, sondern sie durch konkrete Beispiele mit Leben füllt. Hier kann man auf Referate im Seminar, eine Tätigkeit als wissenschaftliche Hilfskraft verweisen oder auf kleinere Projekte, die man während eines Praktikums betreut hat.

"Unabhängig davon, welche formale Studienausbildung Sie haben, im Vordergrund steht für uns Ihre Fähigkeit, Informationen zielgruppengerecht zu transportieren"

Wer so formuliert, dem ist die Praxis besonders wichtig. Solch eine Stellenanzeige bietet eine Chance für Bewerber, die nicht mit Bestnoten glänzen können, dafür aber neben dem Studium viel praktische Erfahrung gesammelt haben. Auch bei so einem Unternehmen sollte man Zeugnisse beilegen, aber viel wichtiger sind Arbeitsproben. Wer bei einem Praktikum schon mal ein vergleichbares Projekt betreut hat, sollte ruhig ein paar Textbeispiele mitschicken – selbst wenn in der Ausschreibung keine gefordert werden. Auch im Anschreiben kann man sich fast ausschließlich auf praktische Erfahrungen konzentrieren.

"Ihr Hauptaufgabengebiet sind crossmediale Marketing-Kampagnen im Online-Bereich"

Wer auf eine Stellenanzeige reagiert, sollte sich klar machen, dass eine Bewerbung nicht nur aus dem besteht, was man schriftlich an den potenziellen Arbeitgeber schickt. In diesem Fall müsste man also nicht nur im Anschreiben nachweisen, dass man die fachliche Qualifikation und genügend praktische Erfahrung hat, um crossmediale Kampagnen zu gestalten. Auch die sonstige Internet-Identität sollte unbedingt zum Stellenprofil passen – denn in so einer Branche wird der Bewerber von Personalern selbstverständlich gegoogelt. Facebook zu boykottieren ist grundsätzlich völlig in Ordnung, aber in so einem Arbeitsumfeld irritierend. Wer ein Profil bei Xing, einen Twitter-Account und ein Blog bei Tumblr besitzt, sollte diese aktuell halten.

"Was wir Dir zu bieten haben: eine unbefristete Anstellung inklusive Feierabend-Bier"

Das Du ist in Stellenanzeigen die Ausnahme, kommt aber vor. Wenn eine Firma die Bewerber duzt, deutet das auf eine lockere Unternehmenskultur hin. Häufig ist das zum Beispiel in der Musikbranche oder bei Werbeagenturen der Fall. In der Bewerbung direkt zurückzuduzen ist aber riskant. Manche Arbeitgeber wollen in der Anzeige nur ihre Kultur vermitteln, bevorzugen aber dennoch ein seriöses Anschreiben mit Siezen. Um das herauszufinden, kann man einfach mal im Unternehmen anrufen und eine Frage zum Bewerbungsverfahren stellen. Wenn man dabei geduzt wird, kann man auch im eigenen Anschreiben diesen Stil verwenden. Auf das Feierabend-Bier sollte man aber keinesfalls eingehen. Das klingt in einer Stellenanzeige vielleicht lässig, bei einem Bewerber aber eindeutig zu locker.