Ein Bewerber erzählt, eine Professorin kommentiert

Die Vorbereitung

Das sagt der Bewerber: "Den genauen Termin für das Bewerbungsgespräch habe ich erst drei Wochen vorher erfahren. Irritiert war ich, weil in der E-Mail von der Institutssekretärin nur Uhrzeit und Raum angegeben waren und nicht, mit wem ich das Gespräch führen würde. Das habe ich herausbekommen, indem ich auf den Raumplan geschaut habe, der in der Uni aushängt. Sehr gut vorbereiten konnte ich mich aber nicht. Das Gespräch war am selben Tag, an dem ich meine Bachelorabschlussprüfung hatte."

Das sagt die Gesprächsleiterin: "Ich schaue mir vor dem Gespräch in Ruhe den Lebenslauf der Kandidaten an und wie sich ihre Noten entwickelt haben. Bei jedem Bewerber frage ich dann gezielt nach, was mir aufgefallen ist. Bei Stephan war das beispielsweise das Thema seiner Bachelorarbeit über eine ehemalige Bergbauregion in Sardinien, das sehr interessant klang."

Der Ablauf

Das sagt der Bewerber: "Weil ich meinen Bachelor in Heidelberg gemacht habe, hatte ich den Vorteil, dass ich die Gesprächsleiterin schon kannte. Ich wusste, dass sie nett ist, trotzdem war ich aufgeregt. Ich habe mir für das Gespräch extra ein Hemd angezogen. Normalerweise bin ich dafür nicht der Typ, aber ich wollte zeigen, dass ich das Gespräch ernst nehme. Die Nervosität ist im Gespräch aber schnell verflogen. Es war nicht wie eine Prüfung, sondern ein freundliches Austauschen."

Das sagt die Gesprächsleiterin: "Wenn ich solche Gespräche führe, dann ist noch ein anderer Dozent mit dabei. Ich stelle die meisten Fragen, aber Nachfragen gibt es von uns beiden. Auf die Kleidung achte ich nicht, aber wenn jemand im Anzug kommt, ist das auch in Ordnung. Es ist kein Prüfungsgespräch, bei dem wir testen, wie viel Fachwissen jemand hat. Wir wollen wissen, wie motiviert die Bewerber sind. Sie können und sollen auch uns Fragen dazu stellen, was sie im Master erwartet."

Die Themen

Das sagt der Bewerber: "Es gab ein paar fachliche Fragen, etwa in welcher Höhe die Ozonschicht liegt. Und sie wollten wissen, warum ich im Bachelor Geologie gewählt habe. Ich habe das mit meinem Interesse für das Fach begründet. Außerdem haben sie mich gefragt, was ich beruflich machen will. Ich kann mir vorstellen, im Bergbau zu arbeiten, Lagerstätten zu erkunden und einen möglichen Abbau zu planen. Die Frage nach Stärken und Schwächen kam auch: Ich habe gesagt, dass ich mich für zuverlässig und fachlich fit halte. Ausbaufähig sind meine Präsentationsfähigkeiten."

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 2/2015, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Das sagt die Gesprächsleiterin: "Ich möchte wissen, ob der Bewerber die Schwerpunkte an unserem Institut kennt. Warum will er hier studieren oder für den Master bleiben? Außerdem erwarte ich, dass er klare Ziele hat. Ich frage zum Beispiel: ›Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?‹ Mir ist egal, wo der Bewerber arbeiten oder forschen will, er sollte es nur gut begründen können. Und mir ist wichtig, dass sich die Studenten realistisch einschätzen. Wenn jemand mittelmäßige Noten hat und später eine Promotion anstrebt, irritiert mich das. Selbstbewusstsein ist gut, aber Selbstüberschätzung mag ich nicht. Manchmal frage ich auch, welche anderen Unis ähnliche Master anbieten. Damit rechnen wenige, aber ich finde es wichtig. Wenn sich jemand viel umgeschaut hat, weiß ich nämlich, dass er sich gezielt bei uns beworben hat."

Die Entscheidung

Das sagt der Bewerber: "Ich fand, dass das Gespräch ganz gut lief. Vier Wochen später habe ich auch die schriftliche Zusage bekommen. Woanders beworben habe ich mich nicht. Bei einer Absage hätte ich erst mal ein Jahr gearbeitet. Aber nach dem Gespräch habe ich mir keine Sorgen gemacht."

Das sagt die Gesprächsleiterin: "Viele Institute melden sich mit der Entscheidung erst nach einer oder zwei Wochen bei den Bewerbern. Hier ging es darum, die Eignung festzustellen – die können wir sofort nach dem Gespräch einschätzen und teilen sie den Studenten auch mit."