Ausländische Studenten erzählen von ihrem Master in Deutschland.

"Hier zahlen alle nur den Semesterbeitrag, und das Bahnticket ist mit drin"

"In Bukarest habe ich zuerst Fashion Design studiert und danach einen Master in Interkultureller Kommunikation angeschlossen. Ich wollte mich nicht mehr praktisch mit Mode, sondern lieber mit Sozialwissenschaften beschäftigen. Im Master konnte ich Seminare aus verschiedenen Fachbereichen belegen, so habe ich auch mein Interesse für Ethnologie entdeckt. Mit dem Erasmus-Programm war ich dann ein Jahr lang in Hamburg. Und weil mir die Stadt mit dem Hafen, der Alster, vor allem aber die Uni so gut gefallen hat, habe ich mich dort für einen Master in Ethnologie beworben.

In Rumänien haben IT und Wirtschaft einen guten Ruf, Sozial- und Geisteswissenschaften weniger. Bei uns funktioniert außerdem das System der öffentlichen Universitäten anders: Es werden pro Studienfach nur sehr wenige Plätze vergeben. Nach einem Auswahlverfahren bekommen die besten Studenten vom Staat eine Art Stipendium, ihnen werden die Studiengebühren erlassen. Zum Glück gehörte ich immer zu dieser Gruppe. Ansonsten hätte ich 1.000 Euro im Jahr zahlen müssen. Ich finde es gut, dass in Deutschland alle Studenten nur einen Semesterbeitrag zahlen müssen und das Bus- und Bahnticket gleich mit dabei ist."

Dumitrita Lunca

"In Dänemark duzen wir alle, man ist gleich auf Augenhöhe"

"Vor drei Jahren habe ich den Bachelor in Finanzwissenschaft an der Business Academy in Kopenhagen abgeschlossen. Den Master wollte ich auf jeden Fall in einem anderen Land machen, in England oder Spanien, vielleicht auch weiter weg. Nur Deutschland hatte ich dabei nie im Sinn gehabt. Von Deutschen wusste ich nur, dass sie auf Bio-Produkte und Wurst stehen. Seit ich hier bin, weiß ich, sie feiern auch gern. Vor zwei Jahren bin ich wegen meiner deutsch-griechischen Freundin nach Mainz gezogen, wir haben uns während eines Erasmus-Semesters auf Zypern kennengelernt.

In Mainz studiere ich International Economics und Public Policy. Meine Kurse sind auf Englisch, aber die Sprachkurse sind natürlich auf Deutsch. Da muss ich die Professoren siezen. Das finde ich komisch, weil man sich vom Gesprächspartner so distanziert. In Dänemark duzen wir alle. Dadurch ist man gleich auf Augenhöhe, auch mit den Lehrenden. Siezen würde man bei uns nur die Königin. Am Anfang lief in Deutschland das meiste analog ab: Ich musste ein Dokument in diesem Büro abholen und in jenem abgeben. Inzwischen funktioniert – wie in Dänemark – auch vieles online. Wie die Anmeldung für Kurse und Prüfungen und die Notenvergabe."

Jesper Hansen

"Bei uns gibt es feste Stundenpläne, die Seminare sind dicht getaktet"

"In Russland wohnen die meisten Studenten noch ihr ganzes Studium über bei den Eltern und wechseln auch selten die Uni-Stadt. Doch ich wollte schon immer nach Deutschland, ich mag das Land. Mich haben Kommunikationswissenschaften interessiert, also habe ich solche Studiengänge in Deutschland gegoogelt – und das Angebot in Jena gefiel mir. Nun mache ich hier einen Master in Interkultureller Personalentwicklung und Kommunikation.

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 2/2015, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Jena ist viel kleiner als meine Heimatstadt Archangelsk, die mehr als 1.000 Kilometer nördlich von Moskau liegt. In Jena sind von den 100.000 Einwohnern ungefähr 25.000 Studenten. Das macht sich in der Stadt bemerkbar, die Cafés und Kneipen sind immer voll. Ich finde auch, hier kann ich selbstständiger studieren. Bei uns ist das Studium strikter. Es gibt feste Stundenpläne, und die Seminare sind dicht getaktet. An den Instituten sind einige Mitarbeiter nur dafür angestellt, Stundenpläne zusammenzustellen. Wer in Russland studieren möchte, sollte sich mit den Kommilitonen anfreunden, wir teilen oft Hausaufgaben untereinander auf, um Zeit zu sparen. Unser Verhältnis zu den Professoren ist persönlicher, dafür sind die Profs in Deutschland lockerer und machen auch mal einen Witz."

Daria Antonova