Kreative brauchen den Master nicht unbedingt für den Lebenslauf.

Für wen lohnt sich der Master?

Wer einen Master machen möchte, sollte sich vorher gut überlegen, was er sich durch den Studiengang erhofft und wofür er den Abschluss braucht. "Im Master arbeitet man künstlerisch viel intensiver und hat einen größeren Freiraum als im Bachelor. Das sollte man nutzen, um sich weiterzuentwickeln", sagt Klaus-Dieter Müller, Professor für Medienwissenschaften und Entrepreneurship an der Filmuniversität Babelsberg.Die Hochschule biete Raum, um sich auszuprobieren, und auch das nötige Equipment.

Den Master kann man aber auch nutzen, um sich umzuorientieren: Von Innenarchitektur kann man auf Urban Design wechseln, vom Drehbuchschreiben zur Regie. Manche Masterprogramme sind zudem wissenschaftlicher ausgerichtet als Bachelorstudiengänge und ergänzen künstlerische Seminare um wirtschaftliche Aspekte. An der Universität Wuppertal wird zum Beispiel der Master Strategic Innovation angeboten, in dem es Seminare wie "Brand Strategy", "Business Organisation" und "Responsible Design" gibt. An der Hochschule für Musik und Theater in München heißen die Module im Master Kultur- und Musikmanagement beispielsweise "Cultural Entrepreneurship", "Kulturmarketing und -kommunikation" und "Kulturfinanzierung".

Auch für diejenigen, die in einem Beruf arbeiten wollen, der nach Tarif bezahlt wird, zum Beispiel im öffentlichen Dienst als Museumsleiter oder Kurator, lohnt sich der Master. Hier entscheidet der Abschluss mit darüber, wie viel man verdienen wird. Für eine Karriere in der Wissenschaft ist der Master ohnehin Pflicht. Wer sich allerdings selbstständig machen möchte, brauche den Masterabschluss nicht unbedingt, sagt Melanie Seifart, die im Regionalbüro Berlin-Brandenburg des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes Gründer berät. "Auftraggeber fragen weniger nach dem Abschluss oder dem Lebenslauf, sie interessieren sich für das Produkt oder die Dienstleistung, die man anbietet."

Worauf muss ich im Master achten?

Den Master kann man nutzen, um Kontakte zu Unternehmen und potenziellen Auftraggebern zu knüpfen, zum Beispiel als Design-Student mit einer Möbelfirma. Bei Haus- oder Abschlussarbeiten kann man etwa Interviews mit Vertretern von Institutionen führen, die einen künstlerisch interessieren. "Es kann einem für die eigenen Projekte nützen, wenn man eine Recherche in der Branche macht. Bei dieser Gelegenheit kommt man mit möglichen zukünftigen Auftraggebern auf Augenhöhe ins Gespräch", sagt Klaus-Dieter Müller.

Während des Masters ein gutes Netzwerk aufzubauen ist gerade für Selbstständige sehr wichtig. Das kann man über Studenten-Netzwerke oder Alumni-Verbände tun und indem man in Kontakt mit Dozenten bleibt. "Auch die Mitgliedschaft im Berufsverband, in Vereinen und Parteien kann einen beruflich weiterbringen, weil man hier viele Menschen kennenlernt", sagt Müller. Während des Masters hat man zudem die Möglichkeit, sich auszuprobieren und zu schauen, wie die eigenen Kunstwerke, Produkte oder Projekte ankommen: Man kann sein Portfolio, seine Kurzfilme oder Fotoserien im Internet präsentieren, sich mit der Band für ein Musikfestival bewerben oder einen Onlineshop mit eigenen Design-Ideen eröffnen. "Es ist gut, sich auszuprobieren, solange man noch keinen Existenzdruck spürt", sagt Seifart. Klaus-Dieter Müller, Professor an der Filmuniversität Babelsberg, rät, im Studium zu trainieren, wie man sich gut vermarktet. Eigenmarketing sei vor allem für zukünftige Selbstständige wichtig. In Seminaren übt er mit Studenten daher auch, wie man vor potenziellen Auftraggebern auftritt. Zudem gelte es, Selbstbewusstsein aufzubauen.

Wann ist ein fachfremder Master sinnvoll?

Wer etwas Fachfremdes studieren möchte, sollte sich über nichtkonsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge und deren Zulassungsvoraussetzungen informieren. "Allerdings ist es sicher nicht für jeden Kreativen etwas, sich mit Statistik und Verwaltungsrecht herumzuschlagen", sagt Melanie Seifart. "Es sollte einen Anlass geben, diesen Schritt zu wagen, etwa weil noch Fähigkeiten oder Kenntnisse fehlen, um eine Geschäftsidee umzusetzen." Wer wirtschaftliche Kenntnisse braucht, kann beispielsweise einen MBA machen oder einen Master in Betriebswirtschaftslehre. An der Alanus Hochschule in der Nähe von Bonn ist der BWL-Master berufsbegleitend möglich, ohne vorher ein bestimmtes Fach studiert zu haben. Es gibt auch die weiterbildenden Master der FU Berlin, etwa den Executive Master of Business Marketing oder Arts and Media Administration. Voraussetzung sind ein Bachelorabschluss und Berufserfahrung.

Welche Alternativen gibt es zum Master?

Nach dem Bachelor können spezielle Stipendien für Kreative helfen, den Berufseinstieg zu finden. Für Bildende Künste gibt es zum Beispiel Stipendien, bei denen man ein Jahr lang ein Atelier und eine Wohnung gestellt bekommt oder ein monatliches Gehalt bezieht und an Workshops zur Freiberuflichkeit teilnehmen kann. Für Inspiration könne auch ein Auslandsaufenthalt sorgen, empfiehlt Klaus-Dieter Müller, ob durch spezielle Auslandsstipendien für Künstler oder ein privat organisiertes Gap-Year nach dem Studium. Wer die Richtung wechseln oder sich spezielle Kenntnisse aneignen möchte, kann auch einen zweiten Bachelor aus einem anderen Fachbereich absolvieren. Allerdings gibt es dafür kein Bafög mehr.