Je mehr praktische Erfahrung, desto besser © Wolfgang Thieme/dpa

Wie kann ich mich mit dem Master spezialisieren?

Während im Bachelorstudium vor allem die theoretischen Grundlagen gelegt werden, hat man mit dem Master die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen. "Spätestens im Master findet die Spezialisierung statt", sagt Kerstin Elbing vom Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBio). Zum Teil geschieht das schon mit der Wahl des Studiengangs. In den Geo- und Biowissenschaften gibt es zum Beispiel eine breite Auswahl an spezialisierten Masterprogrammen. Die Studiengänge heißen dann etwa Geodäsie oder Molekularbiologie. In Physik und Chemie macht man seltener einen spezialisierten Master, aber auch hier setzt man Schwerpunkte.

Wer die Richtung noch weiter ändern möchte, kann für den Master auch das Fach wechseln und beispielsweise von Physik auf Mathematik oder Elektrotechnik umsteigen. Dazu muss man sich allerdings genau über die Voraussetzungen der Hochschule informieren, etwa welche Module man für das Studienfach im Bachelor belegt haben muss. Vereinzelt gibt es auch Masterprogramme, die Naturwissenschaften mit anderen Disziplinen kombinieren, wie den Master in Life Science, Economics and Policy an der TU München oder BWL für Ingenieure und Naturwissenschaftler an der Universität Jena.

Ich will in die Wissenschaft – worauf muss ich achten?

Beim Schreiben von Hausarbeiten und der Masterarbeit merkt man, ob einem wissenschaftliches Arbeiten liegt und ob man sich eine Promotion vorstellen kann. "Wenn man in die Wissenschaft gehen möchte, ist es vorteilhaft, ein Masterprojekt zu wählen, das nah an der aktuellen Forschung ist. Dann sind die Aussichten besser, später eine Doktorandenstelle zu bekommen", rät Manfred Lein, Professor für theoretische Physik und Fachstudienberater an der Universität Hannover. Sein Tipp: Viele wissenschaftliche Arbeitsgruppen an den Unis informieren im Internet darüber, welche Forschungsergebnisse in Zeitschriften publiziert werden. Daran kann man sich orientieren, wenn man ein relevantes Masterarbeitsprojekt sucht.

Von Vorteil kann es auch sein, wenn man sich für die Masterarbeit einen Prof sucht, der gut vernetzt ist. Vielleicht gehört seine Arbeitsgruppe zu einem internationalen Kooperationsprojekt, dann ist eventuell ein Auslandsaufenthalt, der bei Naturwissenschaftlern gern gesehen ist, einfacher zu organisieren. Wer in die Wissenschaft möchte, sollte originelle Ideen mitbringen, außerdem Geduld, Ausdauer und Frustrationstoleranz, schließlich funktionieren nicht alle Forschungsversuche auf Anhieb. Man sollte sich auch klar darüber sein, dass die meisten Doktoranden und Postdocs befristet beschäftigt sind und alle zwei, drei Jahre ihre Stelle wechseln. Mit dieser Unsicherheit muss man umgehen können und auch flexibel sein, was den Wohnort angeht.

Ich will in die Wirtschaft – worauf achten Arbeitgeber?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Ratgeber 2/2015, der am Kiosk erhältlich ist. Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen.

Wer weiß, dass er nach dem Master in den Beruf einsteigen will, sollte noch während des Studiums versuchen, Kontakt zu möglichen Arbeitgebern zu knüpfen – und am besten auch zu halten. Eine erste Anlaufstelle, um an Unternehmen heranzutreten, können Firmenkontaktmessen oder Exkursionen zu Unternehmen sein. Sind die Jobvorstellungen schon konkreter, kann man versuchen, Erfahrung im Job zu sammeln, etwa als Werkstudent, beim Schreiben einer Seminar- oder Abschlussarbeit in einer Firma oder durch Praktika. "Je mehr praktische Erfahrung, desto besser", sagt Manuela Klimek, die im Personalbereich der Wacker Chemie AG das Personalmarketing verantwortet. Ehemalige Praktikanten werden von dem Chemiekonzern zu Workshops über das Thema Berufseinstieg eingeladen oder bekommen Stellenausschreibungen zugeschickt, wenn sich das Studium dem Ende nähert. "Uns ist es wichtig, dass ein Bewerber zeigen kann, dass er ehrgeizig und engagiert dabei ist. Das kann durch Praxiserfahrung sein, aber auch durch einen Auslandsaufenthalt oder soziales Engagement, etwa als Trainer in einem Verein", sagt Klimek.

Fast alle machen einen Master – geht es auch ohne?

In den klassischen Naturwissenschaften ist der Master die Regel. Viele Studenten hängen sogar noch eine Promotion dran. In Chemie sind es nach einer Statistik der Gesellschaft Deutscher Chemiker 87 Prozent, bei den Physikern etwas weniger. Laut der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ist es rund die Hälfte der Masterabsolventen.

Ein Berufseinstieg mit Bachelorabschluss ist selten. Eine Ausnahme sind Absolventen der Fachhochschulen: Diese steigen eher mit dem Bachelor in den Beruf ein. Häufig sind dort aber auch naturwissenschaftliche und technische Inhalte kombiniert, etwa in Fächern wie Chemieingenieurwesen oder Physikalische Technik. In solchen anwendungsbezogenen Studiengängen schließt zum Teil nur die Hälfte eines Jahrgangs den Master an. "Wir suchen Naturwissenschaftler vor allem als Laborleiter für die Grundlagenforschung und die Produkt- und Prozessentwicklung. Die Grundanforderung dafür ist eine Promotion", sagt Manuela Klimek von Wacker Chemie. Es gebe aber auch Einstiegsmöglichkeiten für Masterabsolventen, zum Beispiel in der Produktion als Betriebsassistent mit der Perspektive auf den Posten als Betriebsleiter oder im Vertrieb. Zum Teil haben Firmen spezielle Traineeprogramme für Naturwissenschaftler, die auch für Masterabsolventen offenstehen, wie zum Beispiel das Chemieunternehmen Evonik oder der Pharmakonzern Sanofi. Dabei lernt man in eineinhalb bis zwei Jahren verschiedene Abteilungen des Unternehmens kennen und wird auf eine Führungsposition vorbereitet.