Das heißt, welchen Stundenlohn ich habe, ist egal, solange ich nur nicht mehr als 20 Stunden die Woche arbeite?

Genau. Beim Werkstudentenprivileg zählt ausschließlich die Arbeitszeit, nicht das Einkommen. Wichtig ist außerdem: Die 20 Stunden pro Woche gelten nur für die normale Vorlesungszeit. In den Semesterferien kann man Vollzeit arbeiten. In sogenannten hochschulfernen Zeiten, in denen üblicherweise keine Vorlesungen stattfinden, zum Beispiel am Abend oder Wochenende, darf man die 20 Stunden überschreiten. Denn wer zu viel arbeitet, kann nicht mehr über den günstigen Studententarif versichert sein. Das Studium muss klar im Vordergrund stehen.

Welche Ausnahme gibt es neben Minijob und Werkstudentenprivileg noch?

Bei sogenannten kurzfristigen Beschäftigungen als Hostess auf einer Messe, als Promoter in der Fußgängerzone oder Erntehelfer für zwei Wochen können Studenten bis zu 70 Tage im Jahr sozialversicherungsfrei arbeiten. Wer nur bei einem Arbeitgeber kurzfristig beschäftigt ist, darf dort maximal drei Monate arbeiten. Es muss auch vertraglich festgelegt sein, dass man nur für eine bestimmte Zeit arbeitet. Wenn man einen regulären Nebenjob antritt und nach drei Wochen gekündigt wird, war das keine kurzfristige Beschäftigung. Man kann diese drei Möglichkeiten auch kombinieren. Hauptsache, das Studium leidet nicht darunter.

Gibt es noch mehr zu beachten?

Es gibt noch Grenzen bei der Familienversicherung, beim Bafög und der Waisenrente. Studenten, die Bafög erhalten, dürfen nicht mehr als 4.800 Euro im Bewilligungszeitraum – das ist meist ein Jahr – verdienen, sonst wird ihnen das Bafög gekürzt. Wenn man unter 25 Jahre alt ist und über seine Familie versichert bleiben will, darf man nicht mehr als 405 Euro im Nebenjob oder Praktikum beziehungsweise 450 Euro bei Jobs, die als Minijob angemeldet sind, pro Monat verdienen. Bei der Waisenrente liegt die Grenze bei 503,54 Euro.

Haben Masterstudenten bessere Chancen auf Jobs als Bachelors?

Sie können angeben, dass sie schon ein abgeschlossenes Studium haben. Viele Studenten wissen gar nicht, wie attraktiv sie für Arbeitgeber sind. Der Arbeitgeber muss für sie kaum Sozialabgaben leisten und bekommt trotzdem einen gut ausgebildeten Mitarbeiter.

Worauf muss man achten, wenn man als Student selbstständig arbeitet?

Für Selbstständige gilt im Prinzip das Gleiche wie für Minijobber und Werkstudenten: Das Studium muss der "Hauptjob" sein. Bei einem Einkommen bis 450 Euro gilt die Tätigkeit als geringfügig analog der Minijob-Regelungen. Maximal dürfen Studenten nicht mehr als 20 Wochenstunden selbstständig tätig sein. Dann wird das wie eine Tätigkeit als Werkstudent eingestuft, allerdings darf man hierbei keine Mitarbeiter beschäftigen, und das Einkommen aus der selbstständigen Tätigkeit muss weniger als 50 Prozent des Gesamteinkommens ausmachen. Im Zweifel sollten die Studenten sich unbedingt vorher von ihrer Krankenkasse beraten lassen. Was noch möglich ist: einmalige Aufträge mit größeren Einnahmen. Wenn man zum Beispiel als DJ auf einem Festival spielt, kann man sich dann auf die kurzfristige Beschäftigung beziehen. Manche selbstständigen Tätigkeiten sind trotzdem rentenversicherungspflichtig, das muss vorher mit der Rentenversicherung abgeklärt werden.

Was ist, wenn man wegen des Nebenjobs das Studium aus den Augen verliert?

Das kommt immer wieder vor, gerade bei Selbstständigen. Sie bekommen viele Aufträge gleichzeitig und arbeiten mehr, als sie müssten. Auf die Dauer ist das aber nicht gut. Irgendwann könnten sich die Kosten erhöhen. Eventuell fallen Langzeitstudiengebühren an, oder es besteht in der Krankenversicherung, wegen zu hoher Semesterzahlen oder der Überschreitung der Altersgrenze von 30 Jahren, nicht mehr die Möglichkeit, im günstigen Studententarif versichert zu sein.

Also lieber weniger arbeiten?

Man kann auch schauen, wo man Ausgaben einsparen kann. Eine eigene Wohnung ist ein hoher Kostenfaktor. Für Studenten gibt es außer dem Bafög keine andere Sozialleistung. Im Einzelfall ist ergänzend Wohngeld möglich oder Arbeitslosengeld II als Darlehen. Aber man kann ein Urlaubssemester nehmen, in dieser Zeit arbeiten, Rücklagen bilden und sich dann auf den Abschluss konzentrieren. Beachten muss man allerdings, dass man in diesem Fall nicht als Werkstudent jobben darf. Wenn das alles nicht geht, bleibt noch die Möglichkeit, einen Kredit aufzunehmen.

Das klingt, als wäre das die letzte Option, die man erwägen sollte.

Zu einem Kredit rate ich nur, wenn die Gefahr besteht, dass man sein Studium sonst gar nicht abschließen würde. Bevor man allerdings einen Kredit aufnimmt, sollte man durchrechnen, ob sich das wirklich lohnt.