In China mit Hanf erwischt, in Ägypten Aktivisten interviewt, im Oman jemanden angefahren: Drei Reisende erzählen, wie sie im Ausland verhaftet wurden.

Verhaftet in China

"Ich hatte immer davon geträumt, mal auf der anderen Seite der Welt zu leben, schon als Kind. Und obwohl ich Abenteuer mag, hatte ich mir fest vorgenommen, kein Gras zu rauchen, während ich in China war.

Wie viele Leute Mitte 20 wollte ich als Englischlehrer Geld verdienen. Ich ging nach Xinjiang im Nordwesten Chinas. Dieser Teil des Landes sieht mehr nach Kabul aus als nach Shanghai. Ich habe mich schnell mit ein paar jungen Uiguren angefreundet. Die Uiguren sind eine Minderheit in China, die meisten sind Muslime, ihre Sprache ist mit dem Türkischen verwandt. Sie hatten Schnurrbärte, Messer in ihren Gürteln, und, so stellte sich heraus, hervorragendes Gras. Wir saßen in stickigen Räumen herum, spielten Gitarre, lachten, drehten Musik auf. Und kifften.

Nach einer Weile zog ich weiter nach Peking, um einen Job bei einem Fernsehsender anzufangen. Ich schickte meinen Kram mit der Post in mein neues Appartement – inklusive 350 Gramm Hasch, das ich in einem Turnschuh versteckte. Ich wollte ab und zu mal etwas davon rauchen, auf einem Konzert oder beim Grillen. Sehr schnell wurde mir aber klar, dass mein Hasch aus Xinjiang sehr viel besser war als das, was man in Peking bekam. Also fing ich an, hier und da ein bisschen weiterzuverkaufen.

Dann hat sich irgendwie der Teil in mir durchgesetzt, der mich die Dinge übertreiben lässt. Ich begann, regelmäßig zu verkaufen. Es wurde mein zweiter Job, mir selbst mit der Post Hasch zu schicken. Ich verdoppelte mein Einkommen. Meine Methode: Ich flog in den Westen des Landes, kaufte eine Stereoanlage oder so etwas, riss das Innere heraus und versteckte ein Kilo Hasch oder zwei darin. Dann verpackte ich alles wieder, brachte es zur Post und flog zurück. Ich hatte zwischen 25 und 40 Kunden.

Ich weiß nicht genau, was mich verraten hat. Aber eines Morgens stürmte ein Dutzend chinesischer Polizisten in mein Appartement. Sie legten mir Handschellen an und durchsuchten alles. Es war das schrecklichste Gefühl, das ich je hatte. Verhaftet in China. Alle Vorstellungen, die damit verbunden sind und die ich verdrängt hatte, kamen jetzt hoch. In dem Moment zerstört es dich.

Der chinesische Knast war monoton und isolierend. Zum Glück war ich in einem Bereich für Finanzbetrüger und korrupte Beamte untergebracht. Anderswo wäre es wohl härter gewesen. Trotzdem war ich abgeschnitten von allem und jedem, den ich je gekannt hatte. Man sitzt den größten Teil des Tages in einer beengten Zelle mit einem Dutzend anderen Typen herum, das Essen ist schrecklich, vor allen anderen duscht man und geht aufs Klo.

Irgendwann gab es einfach eine Lautsprecherdurchsage, dass sie mich entlassen werden. Ich habe vor allen geheult, als wäre ich der Gewinner einer Castingshow.
Michael Manning

Man verlässt den Raum nur, um verhört zu werden oder mit dem Anwalt oder jemandem von der Botschaft zu sprechen. Mein Anwalt rechnete mit einer Strafe zwischen vier und sieben Jahren Gefängnis. Aber die Beweislage war wohl nicht völlig eindeutig, sie behielten mich dort und ermittelten weiter. Ich war sieben Monate und drei Tage lang im Knast.

Ein paar Wunder haben mich gerettet. In China markieren 2.000 Gramm die Grenze zwischen einem kleinen Gesetzesverstoß und einem schweren Verbrechen. Der Mann, der mir das Hasch verkaufte, hatte mir 2.100 Gramm versprochen, aber die Behörden kamen beim Wiegen nur auf 1.970 Gramm. In meinem Haus fanden sie weitere 22,5. Zusammen 1992,5 Gramm, ich lag gerade einmal 7,5 Gramm unter einer langen Haftstrafe.

Irgendwann gab es einfach eine Lautsprecherdurchsage, dass sie mich entlassen werden. Alle in meiner Zelle haben gejubelt. Ich habe vor allen geheult, als wäre ich der Gewinner einer Castingshow. Ich habe im Gefängnis 32 Kilo Gewicht verloren. Ich trug die gleichen Klamotten, in denen ich verhaftet wurde, jetzt viel zu groß, bis ich zurück in den Staaten war.

Ich hatte in China meine Lektion gelernt, dachte ich. Aber in den USA galt ich nicht als vorbestraft. Ich dachte wohl irgendwie, ich könnte jetzt ein besserer, klügerer Drogendealer sein. Aber schon bald saß ich zwei Jahre in New Jersey ab für den Verkauf von Cannabis. Ich durfte auf Bewährung raus. Ich versuche, mein Leben in den Griff zu kriegen."

Michael Manning, heute 33, versucht weiterhin, mit Cannabis Geld zu verdienen. In einigen US-Bundesstaaten ist das inzwischen legal.