Jemand teilt meine Ideen nicht – ich bin hässlich. Zerstören wir die Idee, dass Hässlichkeit das Schlechteste ist, was von Frauen zu erwarten ist.

"Natürlich ist sie Feministin/links, wenn sie so aussieht." Das Ärgste an Kommentaren wie diesen, viel zu oft gelesen, ist nicht, dass sie einer ganzen politischen Kraft, einer Einstellung, einem täglichen Kampf unterstellen, diese würden nur auf (m)einer Hässlichkeit basieren, und nicht etwa auf den Jahren, in denen ich mich gebildet habe, gewachsen bin, problematisch war, korrigiert wurde, reagieren musste.

Das wirklich Stinkende an solchen Äußerungen ist, dass sie – während sie oberflächlich "bloß" beleidigend und sexistisch, also provokativ (try again) sein wollen – eine Vorstellung festigen, die tief in uns sitzt.

Eine Vorstellung, die auch in mir sitzt, und zwar so tief, dass ich mir täglich vor Augen halten muss, wieder und wieder gegen sie anzukämpfen und zu entlernen, was ich einst lernte, und was mir immer wieder gelehrt wird: Dass der größte Frevel, den eine Frau begehen kann, ist, hässlich zu sein.

Jemand will mich beleidigen, weil er meine Gesinnung nicht teilt – ich bin hässlich. Jemand will mich verletzen, weil ich seinen Abstimmungswunsch nicht teile – ich bin hässlich. Jemand ist frustriert, weil er mein Bett nicht teilt – (jetzt) bin ich hässlich. Oder fett. Oder habe zu kleine Brüste. Zu große Nippel. Zu viele Haare. Zu kurze Haare.

Sag, ich sei nicht informiert. Sag, ich sei ignorant. Sag, ich mache meine Arbeit nicht gut. Sag, ich sei böse. Sag, ich sei desinteressiert. Sag, ich sei inkompetent. Sag, ich sei destruktiv. Sag, ich sei kleinlich. Sag, ich sei grob. Sag, ich sei unbedacht. Hör auf, hässlich als weibliches Pendant zu all den miesen Dingen zu betrachten, die ein Mensch, ein Mann, sein darf – und die auch ich hin und wieder bin.

Manchmal bin ich versucht, meine Schönheit – die da mal ist, und mal auch nicht – hervorzuholen, sie zu kämmen, sie zu hegen, sie zu streicheln, sie dann zu fotografieren und damit allen eins auszuwischen, die doch so überzeugt riefen, aus "weiblich und links" ließe sich "hässlich" ableiten. Und dann bricht mein Herz ein wenig, zum Glück immer nur stückweise. Ich erinnere mich und wiederhole so oft wie nötig:

Ich schulde der Welt meine Schönheit nicht. Es ist nicht Teil meiner Aufgabe, schön zu sein. Ich habe nie versprochen, schön zu sein.

Wir schulden euch unsere Schönheit nicht.

Zerstören wir die Idee, dass Hässlichkeit etwas Schlechtes ist – das Schlechteste gar, was von einer Frau zu erwarten ist; das Wildeste, was sie sich trauen kann. Lasst uns nicht zeigen, dass Feministinnen schön sind.

Lasst uns stattdessen hinarbeiten auf den Tag, an dem sie sich wünschten, wir wären bloß hässlich.

Dieser Text ist zunächst als Blogeintrag erschienen.