"Alternativlos" ist das Wort unserer Zeit. Schluss damit! Wir hatten eine schöne Zeit mit Geld und Privateigentum. Aber jetzt ist es Zeit, sich zu verabschieden.

Angeblich lebe ich in der Zeit der tausend Möglichkeiten. Aber ich sehe nur tausend Mal die Wahl zwischen schlimm und schlimmer.

EU – ja oder nein? Ich hätte gerne ein Europa der Solidarität, das nicht Ghanas Markt mit Billighähnchen überschwemmt und dann Zäune baut, wenn die arbeitslos gewordenen Bauern vor dem Hunger gen Norden fliehen. Aber das steht auf keinem Stimmzettel. Müsste ich meiner Generation einen Namen geben, es wäre Generation O. #GenerationOhnmacht.

"Alternativlos" ist das Wort unserer Zeit. Ein hässliches Wort. Ich bin Kommunistin, weil ich an eine Alternative glaube.

Ich lebe in Deutschland, einem der Länder, die noch am meisten vom Kapitalismus profitieren. Die drei Millionen Kinder unter fünf Jahren, die weltweit jedes Jahr an Hunger sterben, sind von mir ganz weit weg. Aber trotzdem kenne ich mehr Menschen in meinem Alter, die an Chemtrails glauben, als daran, dass wir mit 70 noch eine Rente bekommen.

Meine Freunde sagen, ich sei naiv, weil ich daran glaube, dass der Kommunismus möglich ist. Ich finde es naiv, zu glauben, es könne einen fairen Kapitalismus geben.

In meinen VWL-Vorlesungen geht es permanent um Konkurrenz: Staaten senken ihre Spitzensteuersätze, weil sie um multinationale Konzerne konkurrieren. Konzerne feuern Arbeiter, weil sie auf dem Markt konkurrenzfähig bleiben wollen. Und Arbeiter akzeptieren Hungerlöhne, damit sie trotz der Konkurrenz einen Job finden.

Unser Wirtschaftssystem ist eine überdimensionale Version von Germanys next Topmodel (GNTM). Aber GNTM ist Trash. Ich schaue lieber Star Trek.

Es ist ja schon genug für alle da.

In der Star-Trekschen Zukunft gibt es keine Konkurrenz mehr und auch kein Geld. Kein Mensch besitzt mehr als der andere und die Weltenregierung fühlt sich für alle gleich zuständig. Alles, was die Menschen brauchen, wird mit Replikatoren, die Energie in Materie umwandeln, aus dem Nichts erzeugt. Deshalb ist genug für alle da und die Menschen können sich ganz der Wissenschaft und Forschung widmen. Ihr Ziel ist nicht, Geld anzuhäufen, sondern Wissen.

Utopisch klingt daran für mich nur der Replikator. Ein Glück, dass wir ihn nicht brauchen. Es ist ja schon genug für alle da.

Aktuell produzieren wir genug Lebensmittel, um zwölf bis 14 Milliarden Menschen zu ernähren. Dabei sind wir nur sieben Milliarden. Tausende Plantagenarbeiter stehen zwölf Stunden lang auf dem Feld, um für 30 Cent die Stunde Tomaten zu ernten – und dann werden die noch nicht einmal gegessen. Welch Lebenszeitverschwendung. Würden wir nur das produzieren, was wir brauchen und die Arbeit dann noch fair verteilen – wie viel Freizeit wir plötzlich alle hätten.

"Das funktioniert doch nicht", sagt meine Freundin Tina. "Das ist gegen die Natur des Menschen!" Unsinn, finde ich. Der Mensch ist schließlich kein Affe.

Aktuell lese ich ein spannendes Buch von dem israelischen Historiker Yuval Noah Harari. Er beschreibt darin, was den Menschen vom Affen unterscheidet: die Fähigkeit, abstrakte Gespräche zu führen. Wir können uns Dinge ausdenken, die unser Zusammenleben regeln: Götter, Staaten, Gesetze. Damit können wir tausende Menschen organisieren, während der Schimpanse nicht über seine 50-Affen-Herde herauskommt. Der evolutionäre Vorteil ist: Wir können diese Konstrukte verändern. Und mit ihnen unsere "Natur". Das macht die Menschen wandlungsfähig. Und deshalb sitzt der Affe jetzt in einem Käfig im Zoo und ich stehe eisessend davor.

Geld und Privateigentum sind auch Konstrukte. Und wir hatten eine schöne Zeit mit ihnen. Aber jetzt ist es Zeit, sich zu verabschieden.

Als meine Oma jung war, da lagen Monogamie und Hochzeiten noch in der Natur des Menschen. Heute haben fast all meine Freunde Tinder auf ihren Handys und zum Teil drei Beziehungen gleichzeitig. Vor 300 Jahren waren Sklaverei und Glaube natürlich. Heute kenne ich ähnlich viele regelmäßige Kirchgänger wie Sklaven: gar keine.

Geld und Privateigentum sind auch Konstrukte. Und wir hatten eine schöne Zeit mit ihnen, zumindest manche von uns. Aber jetzt ist es Zeit, sich zu verabschieden. Statt nach göttlicher Belohnung oder Besitz könnten die Menschen im Kommunismus nach Wissen und Anerkennung streben.