Der herabschauende Hund mag keine radikale Position sein. Nichtsdestotrotz ist diese Übung eine der wenigen kleinen Zugeständnisse, die ich mir zuliebe mache, während ich auf das Ende des Patriarchats und die Zerstörung des Kapitals warte. Überteuerte Aktivkohle-Getränke befreien dich von nichts außer Geld, aber Spaziergänge im Park kosten nichts, deswegen gehe ich manchmal in die Sonne und versuche, ein bisschen Vitamin D zu tanken, ohne an Hautkrebs, schmelzende Polkappen und Millionen ertrunkene Menschen in Bangladesch zu denken. Ich verzichte nicht mehr vollständig auf Chicken McNuggets und Zigaretten. Manchmal nehme ich mir einen freien Tag, weil ich verstanden habe, dass die Revolution nicht schneller kommt, wenn ich ständig krank und traurig bin. Der späte Kapitalismus ist eine gute Ausrede, um nicht aus dem Bett zu kommen, aber nur unter der Decke zu bleiben, weil man sich über Donald Trump sorgt, ist eine sehr uneffektive Art, den Mann loszuwerden.

Das Problem mit der Selbstliebe, wie wir sie gerade verstehen, ist, dass wir Liebe an sich zu einfach definieren, mit Herzchen und Blumen, Fantasie und rituellem Konsum. Die Moderne macht uns zu betrübten, ein bisschen gruseligen Teenagern, die sich selbst sagen, wie besonders und perfekt sie sind. Das ist genauso wenig Selbstliebe wie die Liebe jener Typen, die auf der Straße lauthals Frauenhintern loben.

Wenn wir unsere Energie daran verschwenden, uns selbst zu hassen, wird sich nichts ändern.

Die härtere, langweiligere Art der Selbstsorge besteht aus täglichen, unmöglichen Mühen, aufzustehen und durch das Leben zu kommen, in einer Welt, die dich lieber niedergebückt und angepasst sieht. Eine Welt, deren grausame Logik es will, dass du keine strukturellen Probleme siehst, sondern nur Probleme bei dir selbst, oder bei den viel marginalisierteren und verletzlicheren Leuten. Echte Liebe, die Art, die heilt und bleibt, ist kein Gefühl, sondern ein Verb, eine Handlung. Es geht darum, was du für andere tust – über Tage, Wochen und Jahre. Es ist die Art der Liebe, die wir uns am wenigsten zugestehen, gerade in der politischen Linken.

Die meisten Linken könnten viel von der Queer-Community lernen, die schon lange traditionell für sich selbst und für ihre Freunde sorgt, in einer Welt, in der Vorurteile nicht Teil des Problems sind, sondern in vielerlei Hinsicht das Problem. Autorin und Trans-Ikone Kate Bornsteins oberste Regel ist, "alles zu tun, was dein Leben lebenswerter macht. Sei nur nicht gemein". Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Queer-Community solche kulturellen Fortschritte erzielt hat, weil es so viele gewaltsame Rückschläge gab. Selbstsorge und gegenseitige Hilfe können auch Mittel des Widerstands sein. Nach dem Orlando-Massaker haben LGBTQ-Menschen aus der ganzen Welt Selfies mit dem Hashtag #queerselflove geteilt. Inmitten des Horrors, des öffentlichen Leids, haben Queers aus verschiedensten Altersgruppen und Hintergründen sich selbst und einander gefeiert.

Die Wohlfühl-Ideologie mag ausbeuterisch sein, und die Tendenz der Linken, Verzweiflung zum Fetisch zu erklären, ist verständlich, aber sie ist nicht akzeptabel. Wenn wir unsere Energie daran verschwenden, uns selbst zu hassen, wird sich nichts ändern. Wenn Hoffnung zu schwierig zu handhaben ist, dann können wir uns wenigstens um uns selbst kümmern. An meinen dunkelsten Tagen erinnere ich mich an die Worte der Poetin und Aktivistin Audre Lorde, die viel über das Überleben in einer unmenschlichen Welt wusste, und die schrieb: "Selbstsorge ist kein überflüssiger Luxus, es ist Selbsterhaltung, und die ist ein Mittel politischer Kriegsführung."

Übersetzung: Vanessa Vu