Professor Porombka plädiert dafür, an jeden Dozenten die Popfrage zu stellen.

Es ist doch wirklich auffällig, wie selten Illustrierte wie Bunte oder Gala aus der Welt der Universität berichten. Auch im Goldenen Blatt oder der Freizeitrevue ist nichts zu finden. Professorinnen und Professoren kommen auch in der Bravo oder in der Hey! nicht vor. Was aber wohl daran liegen mag, dass sich die Leser solcher Magazine tatsächlich eher für Justin Bieber (22) und seine neue Freundin Sofia Richie (17) interessieren als für die Neubesetzung der Juniorprofessur Verwaltung und Policy an der Universität Potsdam.

Dass sich aber auch ältere Leser nicht so richtig für die Stars und Sternchen des akademischen Betriebs begeistern, schiebt man gerne auf den fehlenden Glamour. Der Staub kommt ja hier nicht von den Sternen, sondern aus Büchern. Die Universität sei eben kein Popbetrieb, so heißt es. Es gehe nicht um flittrige Performances, sondern um handfeste Inhalte. Statt um Oberflächen kümmere man sich in Forschung und Lehre um die Tiefe der Angelegenheiten.

Tatsächlich gilt gerade an der Universität, was der Poptheoretiker Diedrich Diederichsen über das Hören von Musik gesagt hat. "Wenn die Schallplatte sich knisternd durch die ersten Umdrehungen dreht, wenn die CD gestartet oder der File geklickt wird, wenn das nächste Video die letzte Werbeunterbrechung verdrängt", dann stellen sich die großen, entscheidenden Popmusikfragen: "Was ist das da für ein Typ? Was sind das für Leute? Was wollen die?" Die Antwort entscheidet dann, ob man mit der Musik und ihren Performern etwas anfangen will.

Mal ehrlich. Genau dieselben Fragen stellt man sich doch erst recht, wenn man vorne jemanden am Pult stehen sieht, der etwas über "Technische Mechanik I" oder über "Die kirchlichen Institutionen im Reich der Westgoten" erzählt … Was ist das für ein Typ? Was will der? Und bei manchen Professoren kann man froh sein, wenn sich dafür im Laufe des Semesters eine befriedigende Antwort finden lässt. Manche erscheinen so schwer fassbar wie etwa Marilyn Manson (47) oder wie bei Kraftwerk der zweite Roboterdarsteller von links (70).

Für manche Professorendarsteller scheint es aber auch gar keine richtigen Vorbilder zu geben. So skurril sind sie, so schräg, so schlau, so kauzig, so nerdig, so asexuell, so komplex, so ungelenk, so versunken, so unsicher, so eigenartig frisiert oder gekleidet, dass man sie eigentlich nur mit sich selbst vergleichen kann.

Und tatsächlich ist es diese Einmaligkeit, diese Originalität, die viele der Dozenten zu wahren Popstars macht. Es gilt die Formel: je skurriler und merkwürdiger, desto pop. Deshalb ist es das Beste, wenn man auf die Frage "Mein Gott, was ist denn das für eine?", die man sich in Bezug auf eine neue Professorin stellt, nur fassungslos antworten kann: "Alter, so was hab ich echt noch nicht gesehen."

Das klingt witziger, als es gemeint ist. Denn erst, wo man sich wirklich zwingt, bei jeder Veranstaltung ganz radikal die Popfrage zu stellen und zu beantworten, wird klar, was für eine Idee von Studium und überhaupt vom intellektuellen Umgang mit der Welt die jeweiligen Typen da vorne eigentlich verkörpern.

Damit wird dann auch erst klar, was man bei ihnen eigentlich jenseits von dem lernen soll, was an Stoff angeboten wird. Und, noch wichtiger: Man kann sich darüber klar werden, ob man wirklich will, was die da eigentlich wollen. Vielleicht sucht man ja doch lieber nach einer anderen Art von intellektuellem Lifestyle.