Wir wären glücklicher, unser Content besser, wenn jeder Kreative sich fragen würde: Finde ich das selber eigentlich richtig geil? Würde ich das an meine Mutter schicken?

Dieser Text war als fünfminütiger Blitzvortrag Teil des Z2X-Festivals. Alle Infos zu Anna Moll gibt es hier.

Stell dir vor, du schreibst deinen ersten Artikel. Er handelt von deiner wunderbaren Ketaminerfahrung, die in einem nicht ganz so freiwilligen K-Hole-Pissebad vor der Fleischerei in Friedrichshain endete. Ein großes Onlinemagazin veröffentlicht diesen Erguss.

Jetzt stell dir vor, du faltest diesen Artikel sorgfältig zu einem Brief, verzierst ihn mit einem kleinen Glitzerherz und schreibst darauf: "Das ist nur für Dich. Danke für alles."

Dann schickst du diesen Brief an deine Mutter. Na, wie fühlt sich das an? Ein bisschen stolz? Oder voller Vorfreude, weil du ab jetzt alle uringebadeten K-Hole-Artikel der Redaktion verfassen darfst?

Warte mal. Das will ich nicht

Jetzt stell dir noch vor, du verbringst einen Tag mit zwei YouTube-Gamern in einem Streichelzoo. Sie lachen über die Penisse von Ziegen, bewerfen sich gegenseitig mit Kot. Und du hältst den Laden bei Stimmung, motivierst sie zum Schweinereiten. Tust so, als wenn ihr Freunde wärt.

Ein paar Tage später wird das Video veröffentlicht. Du hast Glück, die beiden haben super viele Abonnenten, das bedeutet Klicks ohne Ende! Die Jungs sind happy, dass sie endlich mal etwas jenseits vom "Schreien vorm Bildschirm" gemacht haben. Die Auftraggeber haben endlich eine junge Zielgruppe erreicht. Und du setzt das Video jetzt als Referenz auf deine Website.

Warte mal. Das will ich nicht. Ach du Kacke. Die Website trägt meinen Namen? Ja, die Producerin im Streichelzoo, das war ich. 

Z2X
Die "Selber-geil-Schranke"
Wären wir nicht glücklicher und das Produkt besser, wenn unsere Motivation von Herzen kommen würde und man sich nicht verkaufen müsste? Die Videoentwicklerin Anna Moll stellt in fünf Minuten ihre "Selber-geil-Schranke" vor.

Selber-geil bedeutet Selbstliebe

Es beginnt mit deiner Angst, dass eine Idee gekauft wird. Etwas zu spät fragst du dich: "Was wäre wenn …?" Es endet mit dem Interesse des Kunden und einem Auftrag.

Das ist der Moment, in dem du die Selber-geil-Schranke übersehen hast und dich plötzlich auf den unendlich rostigen Schienen der deutschen Medienwelt wiederfindest.

Selber-geil bedeutet Selbstliebe. Würde ich mir selber ein Geschenk damit machen? Und warum würde ich mich über dieses Geschenk freuen? Was ist meine Motivation?

Der Fragebogen

Hier zum schnellen Abgleich, der Selber-geil-Fragebogen für den Gebrauch im Homeoffice. Falls du zwei von drei Fragen mit "Ja" beantwortest, findest du dich und deine Produkte selber geil:

1. Würde ich mich darüber freuen, so einen Artikel zu finden oder so ein Video teilen? So ein Buch kaufen?

2. Verfolgt mein Produkt ein Ziel, oder enthält es eine Information, die mir wichtig ist? 

3. Möchte ich diese Arbeit gerne auf meiner Website oder in meinem Portfolio ausstellen?