Musiker müssen nebenbei Taxifahren oder leben unterhalb der Armutsgrenze? Ein Münchner Musiker kann sich ohne Major-Label-Vertrag finanzieren. Weil er hart verhandelt.

Name: Anonym
Alter: 33 Jahre
Beruf:
Musiker/Sänger & Bass
Position:
Bandleader & Solokünstler

Seit meinem zehnten Lebensjahr mache ich Musik. In meinen Schulheften von früher kann man gut erkennen, welche Fächer mich am meisten zum Komponieren inspiriert haben. Biologie lag ganz vorne. 

Musiker bin ich aber erst geworden, weil mich alles andere krank macht. Zeitgleich mit meinem Studienabschluss in Politikwissenschaften hatte ich einen Zusammenbruch. Herzrasen, Panikattacken und so. Lange Zeit konnte ich mir nicht erklären, warum mich das alles krank gemacht hat. Aber ich kannte damals auch nur Vollgas. Ich war Social-Media-Berater für Unternehmen wie Siemens und die Deutsche Bank. Nebenbei dann noch ein Studium, schreiben für Musik- und Kulturmagazine, Newcomer-Bands für einen Radiosender begleiten. Und ganz nebenbei, war ich auch noch selbst Musiker.

Dabei hatte ich echt gut verdient, vor allem als Student: 30 Euro die Stunde, Überstunden wurden mir in Form von Laptops und Musikequipment ausgezahlt. Auch ein fester Job wurde mir angeboten. Aber ich konnte einfach nicht. Kurze Zeit später habe ich mir selbst eingestanden, dass mich alles, was nicht mit Musik zu tun hat, einfach unglücklich macht. Außerdem hat mich die Masse an Aufgaben, die ich mir selbst aufgeladen habe, schlicht und einfach überfordert. Der Zusammenbruch hat mich in ein kreatives Loch fallen lassen. Ich hatte nicht mal mehr Lust, selbst Musik zu machen. Ein halbes Jahr lang war das so.

Mir wurde klar, dass ich etwas verändern muss. Also habe ich mich nach meinem Studienabschluss erst mal nur noch um die Bandbetreuung beim Radio gekümmert. Ich konnte mich ohnehin nur so lange konzentrieren, dass es zum halbtags Arbeiten reichte.

Nach dem halben Jahr Pause bekam ich langsam wieder Vertrauen in mein Können. Im Grunde hat mir ja mein Körper gesagt, dass ich erst mal nichts anderes machen sollte, als Bands auszusuchen. Ein Job, der sich für mich eigentlich nie wie ein echter Job angefühlt hat. Dort verdiene ich im Jahr je nach Aufwand im Schnitt 15.000 Euro. Das Gute ist, dass die für mich auch meine Sozialabgaben machen. Ich musste mich also nicht um eine Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse kümmern. Ich konnte einfach kommen und gehen, wie es für mich am besten gepasst hat. So habe ich wieder Kraft getankt.