Der Hass wird größer, Rechtspopulisten werden lauter. Ich will was tun – aber bringt demonstrieren was? Oder in die Politik gehen? Ein Sieben-Punkte-Plan für Demokraten

Ja, die Zeiten waren mal geiler. Donald Trump wird US-Präsident. Vielleicht wird die Türkei eine Diktatur, vielleicht ist sie schon eine. In Frankreich könnte eine Rechtspopulistin nächstes Jahr Präsidentin werden. Und in neun Monaten ist Bundestagswahl. Die AfD hält sich in Umfragen bundesweit stabil auf mehr als zehn Prozent. Weltweit sinkt laut Forschern die Zustimmung zu demokratischen Systemen, auch unter jungen Menschen.

Die Welt, wie wir sie schätzen, scheint den Bach runterzugehen. Aber verzweifeln bringt nichts. Was kann man also tun? Wie kann man am besten den Hass bekämpfen, sich für Demokratie und eine offene Gesellschaft engagieren? Wie lässt sich verteidigen, was wichtig ist?

1. Sich schlau machen

Warum sind so viele wütend über Boris Palmer, wenn er über "linksliberale Selbstüberhöhung" schreibt? Wer feiert ihn dafür und warum? Lies die Texte, über die andere sich nur kurz aufregen. Hinterfrage, verstehe und durchschaue sie. Mach genau das mit den Texten, die deine Freunde feiern. Du willst Medienkritik üben? Lies ein medienkritisches Portal. Aber ein anständiges, Bildblog zum Beispiel oder Übermedien

Informier dich, ob Flüchtlinge wirklich krimineller sind als Deutsche (sind sie nicht). Frag dich und deine Freunde, warum Rechtsextreme, die ein Flüchtlingsheim anzünden, keine Terroristen sind, ein Syrer, der eine Bombe baut, aber schon. Recherchiere, lies, schreib. Es geht nicht darum, jede Diskussion mit einem Rechtspopulisten zu gewinnen, sondern zu verstehen, wie man sich eine Meinung bildet, warum man sie vertritt und wie man sie verteidigt, in der Filterblase und außerhalb.

2. Einer Partei beitreten

Die schlechten Nachrichten zuerst: Parteiarbeit ist langweilig, anstrengend und undankbar. Wer Freitagnacht das Protokoll der letzten Ortsvereinssitzung tippt, anstatt wie jeder andere mit einen trinken zu gehen, wird sich fragen, warum er sich das alles antut. Außerdem ist das Umfeld ziemlich alt – das Durchschnittsalter liegt in den großen Parteien jenseits der 60.

Immer noch da? Gut. Denn wer wirklich was verändern will, kommt an Parteien nicht vorbei. Der gesamte politische Prozess baut auf ihnen auf. Das betrifft die Reform der Rentenversicherung oder des Asylrechts. Das betrifft aber auch den Park, der sich prima zum Joggen eignet, aber vor sich hin rottet. An der Spitze der Verwaltung steht ein gewählter Vertreter, der dafür verantwortlich ist. Eine Idee für ein Nachbarschaftsprojekt, aber weder Räume noch Geld? Irgendwo sitzt ein Politiker, der das möglich machen kann. Gerade Lokalpolitiker sind im Kiez oft bekannt, angesehen und können tatsächlich etwas bewegen.

Außerdem empfangen Parteien junge Neumitglieder mit offenen Armen: Alle etablierten Parteien verlieren Mitglieder und motivierter Nachwuchs fehlt, auch wenn die Parteizentralen nach Trumps Wahlsieg plötzlich großen Zulauf bekamen. Die Großen bieten online Beitrittsformulare an. Die Mitgliedschaft kostet unterschiedlich viel, abhängig vom Verdienst. Der niedrigste Satz sind um die fünf Euro pro Monat. Wer das nicht bezahlen kann, kann sich an die Partei wenden, um den Mitgliedsbeitrag anzupassen.

Demokratie
"Eine Partei, bei der jeder mitmachen kann"
Lust auf Teilhabe am politischen Prozess, das wünscht sich Sven Liebert. Gefragt sind für ihn dabei vor allem die Parteien.

3. Keine Zeit? Gib Geld aus

Je lauter rechtspopulistische Stimmen werden, desto wichtiger ist es, die zu schützen, die durch Hetze gefährdet sind: Flüchtlinge, Homosexuelle, Behinderte oder andere Minderheiten. Aber nach der Uni ist noch Basketball, die Freundin fühlt sich sowieso schon vernachlässigt und Oma erwartet auch mal wieder einen Anruf? Jaja, schon klar. Keine Zeit.

Aus dem schlechten Gewissen kann man sich rauskaufen. Initiativen wie ProAsyl, Terre des Femmes, Amnesty International kämpfen dafür, dass die Stimmen von Unterdrückten gehört werden und decken Skandale auf. Alle Initiativen nehmen Spenden direkt über die Webseite an, bei vielen geht das auch per SMS (ja, das gibt es noch). Und der Lesekreis für Kinder aus bildungsfernen Schichten um die Ecke kann jeden Euro zusätzlich vertragen.

Wer nicht weiß, wo das Geld am besten aufgehoben ist, kann sich beim Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen informieren. Es zertifiziert gemeinnützige Organisationen und informiert darüber, was es beim Spenden zu beachten gibt. Ein Spendennavigator zeigt, welche Initiative sich für welche Zwecke einsetzt.