Durch das Studium wollte sie nur durchkommen, um richtig viel zu verdienen. Eine Personalberaterin berichtet über Erfolg, Geld und die Optimierung ihres Privatlebens.

Name: anonym
Alter: 28 Jahre
Position: Personalberaterin
Branche: Personaldienstleister
Mitarbeiter: Knapp 1.500 in Deutschland

Geldverdienen war mir schon immer wichtig. Ich gebe mehr Geld für Kleidung und Kosmetik aus als andere. Ich esse wo ich will, wann ich will, was ich will und wenn ich in den Urlaub fahre, habe ich keine Lust zu sparen. Deswegen hatte ich nach meinem BWL-Bachelor keine Lust, noch weiter zu studieren. In meinem Studium habe ich mich nicht so angestrengt, da wollte ich einfach nur durchkommen. Die meiste Zeit habe ich nebenbei gearbeitet, um genug Geld zu haben. Das hatte seinen Preis: Statt drei Jahren habe ich fünf gebraucht.

Bei der Bewerbung für meinen jetzigen Job hat das aber keine Rolle gespielt. Dort ist es wichtig, dass man redegewandt ist, sich gut präsentiert. Mein Unternehmen ist einer der führenden Personaldienstleister in Deutschland. Ich vermittle IT-Experten für Projektarbeiten an Unternehmen. In der Welt der IT ist kein Tag wie der nächste. Ständig gibt es technische Neuerungen, aber nicht genug Fachkräfte. Wenn ein Unternehmen eine Stelle ausschreibt, bekommt es meist keine qualifizierten Antworten. Aus dem Grund wenden sich Unternehmer an mich.

"Mit dem Bachelor habe ich schon mehr verdient als alle, mit denen ich Abi gemacht habe"

Ich telefoniere mit ihnen und versuche herauszufinden, wen sie genau benötigen. In unserer Datenbank suche ich dann nach geeigneten Kandidaten für den Job. Ich vereinbare Treffen und vermittle zwischen beiden Parteien, wenn es Probleme gibt. Ich bereite die Kandidaten auf das erste Gespräch mit dem Unternehmen vor, gebe ihnen Tipps, was sie anziehen sollen oder vor dem Gespräch noch schnell einen Kaugummi. ITler sind ja speziell.

Stellt das Unternehmen den von mir vermittelten Kandidaten ein, zählt das als erfolgreicher Abschluss. Wir verdienen dann an jeder Stunde mit, die der Mitarbeiter in dem Unternehmen arbeitet: Ich handele mit dem Unternehmen und dem Kandidaten jeweils einen Stundenlohn aus. Wenn das Unternehmen beispielsweise 45 Euro bezahlt, bekommt der IT-Experte davon 40 Euro. Die restlichen fünf Euro Stundenlohn bekommen wir.

Als ich mich beworben habe, durchlief ich drei Bewerbungsrunden, erst ein Telefoninterview, dann zwei Bewerbungsgespräche vor Ort. Die Hälfte von denen, die durchkamen, flog in der Probezeit wieder raus. Das wusste ich schon vorher, aber das Gehalt war so attraktiv, dass ich mich darauf eingelassen habe. In meinem ersten Jahr habe ich mit meinem Bachelorabschluss schon mehr als 40.000 Euro brutto plus Provision verdient. Mehr als jeder, mit dem ich Abi gemacht habe. 

"Meine Leistung wird ständig überprüft"

In der Probezeit habe ich locker elf Stunden pro Tag gearbeitet. Auch heute bin ich täglich neun bis zehn Stunden im Büro. Ich muss mich durchbeißen, denn meine Leistung wird ständig überprüft. Ich werde anhand meiner Abschlüsse und der Geldsumme, die ich dem Unternehmen einbringe, bewertet.

Mein Job zielt immer auf höher, schneller, weiter ab. Am Anfang jedes Jahres bekomme ich eine Gewinnerwartung mitgeteilt, die ich in dem Jahr erwirtschaften muss. Im ersten Jahr waren es über 200.000 Euro. Eine Vermittlung spielt mir normalerweise zwischen 6.000 und 8.000 Euro ein. Mein erfolgreichster Abschluss waren einmal 10.000 Euro. Das kommt aber nicht so oft vor. Wenn ich 100 Prozent der Erwartung erreiche, bekomme ich die gesamte Provision ausgezahlt, die bei einem Fünftel meines Jahresgehalts liegt. Wenn ich "überperforme", also zum Beispiel 110 Prozent der Zielerwartung erreiche, werden mir 120 Prozent ausgezahlt; bei 120 Prozent sind es dann 140 Prozent der Provision.