In Jogginghose, Turnschuhen und mit Gürteltasche vor dem Bauch kommt Attila Klaus Peter Hildmann, 34, zum Interview. Das Gespräch findet in einem Eiscafé im Berliner Stadtteil Wilmersdorf statt. Hildmann studiert an der FU Berlin, aber in der Mensa ist man auf ihn gerade nicht so gut zu sprechen. Der Autor veganer Kochbücher provoziert – Fleischesser und Veganer gleichermaßen. Trotzdem sind seine Bücher Bestseller. Ein Gespräch über Schubladendenken, Größenwahn und eine bessere Welt

ZEIT Campus: Herr Hildmann, Sie haben sich bei manchem Mensabetreiber unbeliebt gemacht. Warum?

Attila Hildmann: Ja? Ich weiß von nichts.

ZEIT Campus: Vielleicht, weil Sie in einem Interview gesagt haben: "Du möchtest die Welt verstehen, löst zum Beispiel als Physiker schwierige Differenzialgleichungen, und gehst dann in die Mensa, um etwas zu essen, das die Welt und dich ein Stück kaputt macht."

Hildmann: Das ist doch die Realität, ich finde das muss man ansprechen. Das Mensaessen ist das größte Paradoxon, das ich in meinem Uni-Leben erfahren habe.

ZEIT Campus: Inwiefern?

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 2/16.

Hildmann: Ich bin in eine Vorlesung gegangen, in der mein Professor an der Tafel die schwierigsten Gleichungen gelöst hat. Da habe ich mich teilweise richtig dumm gefühlt. Da saßen aber auch Studenten, die waren wahnsinnig gut. Nur stand bei denen die Colabrühe auf dem Tisch, und in der Mensa gab es oft auch ungesundes Zeug.

ZEIT Campus: Und was stört Sie daran?

Hildmann: Dass Massentierhaltung, Gentechnik und Pestizide gerade unseren Planeten zerstören. Das ist einfacher zu verstehen als eine Differenzialgleichung! Aber die intellektuelle Elite interessiert sich dafür scheinbar überhaupt nicht. Das muss man ansprechen.

ZEIT Campus: Einigen war das wohl zu hart.

Hildmann: Wie man deshalb sauer sein kann, verstehe ich nicht. Außerdem habe ich auch schon Positives gesagt: Ich freue mich, dass es eine vegetarische Mensa in Berlin gibt. Das ist der erste Schritt zu einem nachhaltigen, umwelt- und tierfreundlichen Konsum.

ZEIT Campus: Sie schreiben nicht nur Kochbücher, sondern studieren auch an der Freien Universität Physik. Wie kamen Sie darauf?

Hildmann: Ich habe mich in der Jugend sehr für Philosophie interessiert. Ich habe viel Aristoteles, viel Platon gelesen oder einfach mal so den Faust. Aber für mich war es wichtig, ein Fach zu studieren, das faktenbasiert ist, weil ich die Welt verstehen wollte.

ZEIT Campus: Philosophie war Ihnen also zu viel Gelaber?

Hildmann: Die Philosophen richten sich ja danach, was in der Naturwissenschaft passiert. Zum Beispiel Galileo, der hat die komplette Doktrin der Kirche angegriffen, weil er gesagt hat, dass nicht wir im Zentrum des Universums stehen, sondern die Sonne.

ZEIT Campus: War Physik aus heutiger Sicht die richtige Wahl?

Hildmann: Um ehrlich zu sein: Physik ist ein Fruststudium. Es ist hart.

ZEIT Campus: Wie lange studieren Sie schon?

Hildmann: Lange. In den letzten fünf Jahren lag mein Fokus vor allem auf meinen Kochprojekten. Im vergangenen Sommer habe ich meine Diplomarbeit abgegeben. Die Note weiß ich noch nicht. Und drei Prüfungen fehlen mir noch für den Abschluss. Letztlich ist es mir auch egal geworden.