Abwarten!

"Ein Kredit kommt nicht infrage"

ZEIT Campus: Frau Aye, viele Studenten scheuen sich, für das Studium einen Kredit aufzunehmen. Zu Recht?

Birte Aye: Nicht grundsätzlich. Wer von seinen Eltern nicht ausreichend finanziell unterstützt werden kann oder wenig bis kein Bafög bezieht, für den kann ein Studienkredit eine Hilfe sein. Das Gleiche gilt für Studenten, die kurz vor ihrem Abschluss stehen und in der Prüfungsphase nicht arbeiten können. Richtig ist aber, dass man zuerst andere Möglichkeiten prüfen sollte, ehe man sich entscheidet, einen Kredit aufzunehmen.

ZEIT Campus: Welche Alternativen zum Kredit gibt es?

Aye: Man sollte zum Beispiel prüfen, ob man einen Anspruch auf Wohngeld hat oder ein Stipendium bekommen kann. Ehe  man den Kreditvertrag unterzeichnet, sollte man geklärt haben, ob vielleicht in der Verwandtschaft jemand mit einem Darlehen aushelfen kann – zinsfrei.

ZEIT Campus: Was macht man, bevor man zur Bank geht?

Aye: Angebote vergleichen: Welches passt gut zum eigenen Bedarf? Wie sind die Konditionen in Bezug auf die Rückzahlung? Wird weitergezahlt, wenn ich das Fach wechsle? Wie hoch ist die Zinsbelastung, und welche Gesamtkosten entstehen?

ZEIT Campus: Welche Kredite sind beliebt?

Aye: Der KfW-Studienkredit, bei dem die monatliche Rate flexibel zwischen 100 und 650 Euro liegen kann. Der Bildungskredit gehört zu den zinsgünstigsten Angeboten. Und das Bafög-Bankdarlehen, das man eventuell erhält, sobald man die Förderungshöchstdauer des Bafög überschritten hat.

ZEIT Campus: Wann muss man das Geld zurückzahlen?

Aye: Das variiert: Beim Kf W-Studienkredit und dem Bafög-Bankdarlehen beginnt die Tilgung 18 Monate nach der letzten Rate. Beim Bildungskredit vier Jahre nach der ersten Auszahlung. Bei den staatlichen Krediten gibt es bei geringem Einkommen die Möglichkeit, eine Stundung zu beantragen, also die Rückzahlung noch etwas hinauszuzögern.

"Bafög kriege ich eh nicht"

Dieser Text stammt aus dem ZEIT Campus Magazin 4/16.

Abwarten! Auch wenn es Mühe macht, sollte man regelmäßig prüfen lassen, ob man einen Anspruch hat. Neue Umstände können unverhofften Geldsegen bringen. Sobald sich das Einkommen der Eltern verändert, die Geschwister ein Studium beginnen oder die eigenen Ersparnisse aufgebraucht sind, gibt  es  eine  neue  Berechnungsgrundlage. Wer nach dem Bachelor mindestens drei Jahre gearbeitet hat, kann Anspruch auf elternunabhängiges Bafög bekommen. Weil die Hürden für Auslands-Bafög niedriger liegen, stehen außerdem die Chancen nicht schlecht, zumindest im Auslandssemester unterstützt zu werden. Auch wer neben dem Studium Geld verdient, muss auf  Bafög-Bezüge übrigens nicht automatisch verzichten: Gekürzt wird erst, wenn man mehr als 4.880 Euro im Jahr verdient. Ab dem Wintersemester 2016/17 liegt die Grenze sogar noch höher, bei 5.400 Euro.

"Stipendien sind was für Streber"

Auch hier gilt: ausprobieren. Es zählen nicht immer nur die Noten. Die Kunst besteht darin, einen Förderer zu finden, der gut zur eigenen Vita passt – vor allem jenseits der großen Begabtenförderungswerke. Und selbst da haben nicht nur Streber eine Chance: Bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft wird unter Umständen Unternehmergeist dem Einserschnitt vorgezogen. Genauso kann man bei der Heinrich-Böll-Stiftung Klausuren vergeigt haben, wenn man sich dafür in der Freizeit engagiert. Neben den großen Stiftungen gibt es etliche Unternehmer und Landkreise, die Studenten fördern, die aus ihrer Region stammen, dort studieren oder arbeiten wollen.

Andere Stiftungen unterstützen forschungsrelevante Abschlussarbeiten und fachspezifische Projekte im Ausland. Hier herrscht sogar oft ein Bewerbermangel! Hochschulprogramme nehmen sich gern Studenten aus Arbeiterfamilien, Alleinerziehenden oder chronisch Erkrankten an. Und das Deutschlandstipendium sucht Bewerber, mit außergewöhnlichen Hobbys oder wohltätigem Engagement. Noch mehr Infos unter: zeit.de/stipendien