1. "Absolventen sind umkämpft"

Bewerbungsmappen, mit denen sich Firmen bei Absolventen vorstellen, Onlinespiele, die den Nachwuchs an das Unternehmen heranführen sollen – Arbeitgeber lassen sich einiges einfallen, um Mitarbeiter zu gewinnen. Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel beschäftigen die Personalabteilungen intensiv, wie eine Studie des Karriereportals Monster und der Uni Bamberg zeigt. "Die Unternehmen stecken zunehmend mehr Energie in das Unterfangen, die passenden Bewerber zu erreichen und von sich zu überzeugen", sagt Tim Weitzel, Professor an der Uni Bamberg und Leiter der Studie. Ähnlich, wie Konsumprodukte als Marke inszeniert werden, bemühen sich Unternehmen, als "Arbeitgebermarke" wahrgenommen zu werden. Potenzielle Bewerber sollen mit dem Firmennamen die Vorstellung verbinden, dass es sich um einen attraktiven Arbeitgeber handelt.

Nicht alle Absolventen werden dabei gleichermaßen umworben. Gesucht würden vor allem Maschinenbauer, Elektroingenieure und Informatiker, sagt Alexander Kubis vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Auch im Gesundheitswesen sieht er einen hohen Bedarf an gut ausgebildeten Arbeitnehmern. Auf neue Strategien zur Nachwuchsgewinnung seien überdies Unternehmen in ländlichen Gebieten sowie kleinere und mittlere Betriebe angewiesen.

Der Verein Deutscher Ingenieure und das Institut der deutschen Wirtschaft prognostizieren, dass 2029 je nach Wirtschaftslage und Absolventenzahl zwischen 84.000 und 390.000 Ingenieure fehlen werden. Bislang sei der oft vorhergesagte flächendeckende Fachkräftemangel jedoch ausgeblieben, sagt Kubis. "Zwar steigt die Nachfrage nach Spezialisten, aber es gibt auch immer mehr Hochschulabsolventen – auch in technischen Fächern."

Sorgen wegen Arbeitslosigkeit müssen sich Absolventen nicht machen. Die Quote unter Akademikern liegt bei 2,5 Prozent. Doch auch wer zu den gefragten Fachkräften gehört, kann länger auf Jobsuche sein. "Das liegt zum Beispiel daran, dass Unternehmen sehr spezielle Anforderungsprofile haben, die Berufseinsteiger oft nicht sofort erfüllen", sagt Kubis.

2. "Keiner will den Bachelor"

Im Frühjahr dieses Jahres sorgte eine Unternehmensumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) für Aufsehen. Der Tenor: Viele Arbeitgeber sind enttäuscht von Hochschulabgängern mit Bachelorabschluss. Nur 47 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass Bachelorabsolventen ihre Erwartungen erfüllen. Gerade einmal 16 Prozent stimmten der Aussage zu, Bachelorabsolventen seien gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet.

Daraus folgt jedoch nicht, dass man einen Master braucht, um ins Berufsleben einzusteigen. So fand etwa das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in einer Studie heraus, dass immer mehr Unternehmen Bachelorabsolventen beschäftigen. Mehr als 85 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass man bei ihnen auch ohne den Master Karriere machen könne. Die Einstiegsgehälter mit Bachelor lagen zwischen 30.000 und 40.000 Euro.

Der scheinbare Widerspruch zwischen den Studien lässt sich auflösen: Zum einen wurden unterschiedliche Aspekte erfasst. Während der DIHK nach den Erwartungen der Unternehmen fragte, ging es in der IW-Studie stärker um das tatsächliche Verhalten der Arbeitgeber, zum Beispiel um Stellen und Gehälter. Dass Jobs für Bachelorabsolventen ausgeschrieben werden, zeigt aber auch die DIHK-Studie: Zwei Drittel der befragten Unternehmen gaben darin an, dass sie freie Stellen für Absolventen mit Bachelor auch besetzen konnten. Hinzu kommt, dass das IW sich auf Bachelorabsolventen mit Wirtschafts- und Ingenieurabschlüssen konzentriert hat. Und diese haben grundsätzlich weniger Probleme, eine Stelle zu finden.